Mordfall ohne Leiche

Polizei nimmt die Spurensuche im Tietjensee auf

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Wo vor wenigen Tagen noch rund 35 Millionen Liter Wasser waren, sucht jetzt ein Fischer die letzten Aale und Muscheln vom Grund des Tietjensees bei Schwanewede.

Bremen - Von Steffen Koller. Vereinzelt liegen noch Rohrteile herum, zwei Pumpen stehen für den Notfall bereit: Der Tietjensee bei Schwanewede ist nun leergepumpt. Seit Dienstag übernimmt die Bremer Polizei die Arbeiten am Angelteich, in dem die Ermittler die sterblichen Überreste der seit 25  Jahren vermissten Jutta Fuchs aus Farge und eine mögliche Tatwaffe vermuten.

Es ist die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Heu liegt am Tietjensee nicht, doch das Bild verdeutlicht, welch aufwendiger Einsatz auf die Ermittler in den nächsten Tagen und Wochen zukommen wird. Fast 22.000  Quadratmeter Seegrund müssen abgesucht werden, eine für die Bremer Polizei bislang einmalige Aktion steht bevor. Seit Sonnabend hatten 180 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerk und der Freiwilligen Feuerwehr rund um die Uhr den See am Stadtrand von Bremen leergepumpt. 40.000 Liter pro Minute leiteten die Helfer in die nahegelegene Weser – immer in der Hoffnung, dass mögliche Beweismittel, die Leiche oder Leichenteile der seit 1993 verschwundenen Jutta Fuchs nicht verlorengehen oder beschädigt werden.

Am Dienstag holte ein Fischer die letzten Aale und Muscheln aus dem Schlick. Zuvor wurden alle weiteren Fische „ökologisch vertretbar“ umgesiedelt, sagte Polizeisprecher Nils Matthiesen. Nun gilt es, die zwischen 30 und 80 Zentimeter dicke Schlammschicht zu untersuchen, die sich im vergangenen Vierteljahrhundert gebildet hat. Wann diese Arbeiten beendet seien, dazu könne man „keine seriöse Angaben“ machen, so Matthiesen. Für diese Aufgabe habe man sich Experten aus dem In- und Ausland geholt. Denn: „Für uns als Polizei ist das eine nie dagewesene Aufgabe“, so Matthiesen. Als nächstes werde geprüft, mit welchen Mitteln der Schlamm abgetragen werden könne. Auch hierzu nannte Matthiesen keine konkrete Zeitangabe. „Das ist sehr, sehr schwierig einzuschätzen.“

Kein Durchkommen mehr: Polizisten bewachen alle Zufahrtswege zum Tietjensee.

Doch warum der ganze Aufwand? Am 26. Juni 1993 wurde die damals 29-jährige Jutta Fuchs aus Farge zum letzten Mal gesehen, seitdem fehlt von der jungen Mutter jede Spur. Seit Mitte August verhandelt das Bremer Landgericht gegen ihren ehemaligen Verlobten Wolfgang O., der seit Prozessbeginn seine Unschuld beteuert. Der 58-Jährige muss sich wegen Mordes verantworten – obwohl nie eine Leiche gefunden wurde. Ein Jahr nach dem Verschwinden von Jutta Fuchs fischten Jugendliche eine mit Steinen beschwerte Tüte vom Grund des Sees. Darin befanden sich unter anderem der Verlobungsring und diverse Schminksachen der Frau.

Der Tietjensee ist leer gepumpt

 © Koller
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Das Verfahren gegen den Mann werde „wie gewohnt“ fortgeführt, sagte Gerichtssprecher Gunnar Isenberg. Sollte die Untersuchung zu lange dauern, könne der Prozess ausgesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. Isenberg weiter: „Wir müssen diese Durchsuchung jetzt machen. Sollte in drei Jahren jemand zum Beispiel eine mögliche Tatwaffe finden und der Angeklagte ist da bereits freigesprochen, kann er nicht mehr belangt werden.“ Als Gericht sei man es dem Opfer und den Angehörigen schuldig, „alles Menschenmögliche zu tun“, sagte Isenberg. Angeklagt sei immerhin ein Kapitalverbrechen.

Wie viele Polizisten letztlich am Einsatz beteiligt sein werden, stehe noch nicht fest, sagte Nils Matthiesen. Auch zu den Kosten könne man aktuell keine Angaben machen. Isenberg hielt sich ebenfalls bedeckt und sagte, die Aktion werde „sicherlich nicht ganz günstig“.

Lesen Sie auch: Polizei beginnt mit Ermittlungen

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