150 Mitarbeiter im Einsatz

Entsorgung Nord: Nachtschicht auf Abruf

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Eine ordentliche Reserve: Betriebsleiter Frank Kunst steht vor einer Lagerhalle voll mit Streusalz auf dem Betriebshof der Entsorgung Nord in Findorff.

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Guten Morgen. Bitte zum Dienst kommen!“ Dieser Anruf erreicht die Mitarbeiter des Winterräumdienstes der Entsorgung Nord (Eno) meist um 1 Uhr in der Nacht. Dann heißt es: raus aus dem Bett und ab zum Betriebshof in der Juiststraße in Findorff und rauf auf die Fahrzeuge. Die Eno, eine Tochter des Entsorgungsspezialisten Nehlsen, ist im Auftrag der Stadt für 70 Prozent der Straßen und Radwege in Bremen zuständig, die im Streuplan der Stadt verzeichnet sind, sagt Pressesprecher Michael Drost.

In Bremen-Nord übernimmt diese Aufgaben der Umweltbetrieb Bremen, für Autobahnen und mehrere Stadtteile wie Arsten und Kattenturm ist das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) zuständig. „Eine bedeutende Rolle spielen auch die etwa 300.000 Haushalte, die der Anliegerverpflichtung unterliegen“, sagt Drost. Während der Wintersaison vom 15. Oktober bis 15. April sind die Räumungskräfte einsatzbereit.

Auf dem Eno-Gelände in Findorff stehen drei große Silos, am unteren Ende ausgestattet mit Befüllungsanlagen. „Hält ein Streufahrzeug darunter, ist es in eineinhalb bis drei Minuten mit Streusalz befüllt“, erklärt Frank Kunst, 56 Jahre alt, Betriebsleiter und seit 30 Jahren im Bereich der Winterräumung tätig. „Wer ankommt, fährt zur Befüllung, und dann geht es los.“

Drei weitere Silos sind gefüllt mit Quarzsand. Die Vorräte in großen Schuppen reichen für drei „normale Winter“, was auch immer das sein mag. . . Genaue Zahlen gibt die Eno nicht preis. Nachlieferungen seien unproblematisch, betont Drost.

20 große Streufahrzeuge einsatzbereit

20 große Streufahrzeuge, Zwei- und Drei-Achser, verteilen Streusalz auf den wichtigen von öffentlichen Verkehrsmitteln genutzten Straßen.

Hinzu kommen 30 kleinere Fahrzeuge, die Radwege mit Sand bestreuen. Für die sogenannten Handtruppen stehen zudem 30 kleine Lkw bereit. Auf jedem dieser Fahrzeuge sitzen drei bis fünf Männer, ausgestattet mit Eimern, Schaufeln und Schneeschiebern. Sie räumen Kreuzungen und die Bereiche vor Ampeln – pure Handarbeit. Diese Lkw haben Salz und Sand geladen.

80 Fahrzeuge und bis zu 150 Mitarbeiter sind bei der Entsorgung Nord im Winterdienst einsetzbar. Drei Disponenten und ein Wächter stehen nachts zur Verfügung, um sie aus dem Bett zu klingeln. Bevor es so weit ist, hat die Eno schon eine Menge Informationen gesammelt.

„Wir haben eigene Leute draußen und bekommen Hinweise von der Verkehrsmanagementzentrale, Polizei, Feuerwehr, Bremer Straßenbahn und auch Taxi-Unternehmen. Ab null Grad fahren wir neuralgische Punkte an“, erklärt Kunst. „Treppen und Brückenanlagen gefrieren als erstes. Wir gucken zum Beispiel bei der Stephani- und der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Sind die eingefroren, kann es in zwei oder drei Stunden auf den Fahrbahnen losgehen.“

Kontrollfahrer haben Straßen im Blick

Zwei Kontrollfahrer nehmen die Straßen laut Kunst in den Blick. Natürlich trifft es nicht immer ganz Bremen. „Es kann in der Neustadt schneien, während im Osten der Stadt nichts los ist.“ Die Entscheidung zum Einsatz trifft die Eno selbstständig. Die Polizei und auch das ASV werden aber informiert.

Wintereinsätze beginnen gewöhnlich zwischen ein und zwei Uhr in der Nacht, damit für den Berufsverkehr alles frei ist. „Das Personal muss seinen Lebenstil im Winter darauf einstellen“, sagt Kunst. „Die Flasche Bier zum Abend ist dann nicht drin.“ Zur Rush-Hour ist alles frei, sofern der Schneefall aufhört. „Vor zwei Jahren hat es weiter geschneit. Zur Rush-Hour fuhren die Autos sehr langsam. Darum hat sich das Salz nicht verteilt, wie wir es brauchen“, sagt Kunst.

Das Salz werde mit einem Streuteller verteilt, der sich, je nach Fahrtgeschwindigkeit, ungefähr 40-mal in der Minute dreht. Kommt das Fahrzeug nicht voran, bleibe Streusalz an einer Stelle liegen. „Wir brauchen schon so 30 Stundenkilometer“, sagt Kunst. Beim jüngsten Großeinsatz am 10. Dezember lief aber alles – pardon – glatt. Sechs kleinere Einsätze hat es zudem in der laufenden Saison gegeben.

Ab 1. Juli wird die Eno ihren Winterdienst als Dienstleister der neuen „Bremer Stadtreinigung“ erbringen. An der Gesellschaft hält Nehlsen einen Anteil von 50,1 Prozent. Der Rest befindet sich in den Händen der Stadt.

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