Gericht sichtet Filmmaterial

Bremer Millionen-Coup: Details eines Diebstahls

Die Angeklagte schweigt seit dem Prozessauftakt im Dezember vergangenen Jahres.
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Die Angeklagte schweigt seit dem Prozessauftakt im Dezember vergangenen Jahres.

Bremen – Mehr als 100 Kameras überwachen den Innen- und den Außenbereich der Geldtransportfirma Loomis in Bremen – den Diebstahl von mehr als acht Millionen Euro (vermutlich durch die noch immer flüchtige Angestellte Yasemin Gündogan) konnte die Technik im Mai 2021 jedoch nicht verhindern.

Doch die Aufnahmen helfen dem Landgericht, vor dem sich eine mutmaßliche Komplizin wegen Beihilfe zum besonders schweren Diebstahl verantworten muss, nun bei der Rekonstruktion des Falls – Bild für Bild, Sequenz für Sequenz.

Prozess um Bremer Acht-Millionen-Coup

Mal sind es grüne Pakete, mal braune Bündel, mal verschwinden 100.000 Euro, mal 200.000 Euro und mehr in dem silberfarbenen Aluminiumcontainer mit der Nummer 06414. Würde man nicht wissen, dass die mutmaßliche Haupttäterin auf den Aufnahmen etwas Illegales tut, könnte man meinen, die 28-Jährige ginge ganz gewohnt ihrer Arbeit nach. Nur wer die Abläufe im sogenannten Cash Center kennt, versteht, dass das, was die 28-Jährige dort macht, einem Millionen-Coup gleichkommt.

Einer, der sich auskennt, ist der Prokurist von Loomis, der am Dienstag nun zum bereits zweiten Mal als Zeuge vor die Strafkammer 6 geladen wurde. Zusammen mit der Kammer geht der Mann Bild für Bild durch, erklärt, was zu sehen ist – und wie anscheinend selbstverständlich die abgebildete Frau Geldpaket für Geldpaket verschwinden lässt. Nach außen hin gelassen, öffnet sie verschiedene Geldkassetten und sogenannte Cashbags, sortiert die darin enthaltenen Scheine, scannt die Taschen – und macht sich nebenbei immer wieder Notizen auf einem Zettel.

„Kein Grund für Notizen“

„Es gibt keinen Grund, einen solchen Zettel zu führen“, sagt der Zeuge und schlussfolgert: Sie „führte offenbar Buch über das, was sie entwendete.“ Die Kameras zeigen, wie die Gesuchte insgesamt 4,953 Millionen Euro im Container platziert, so zumindest die Rechnung des Zeugen. Etwa 2,1 Millionen Euro befanden sich bereits zuvor im Container. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen Euro, die – so spätere Recherchen der Firma – im System fehlten. Macht in der Summe fast 8,2 Millionen Euro, womit die Gesuchte geflohen sein soll.

Die mutmaßliche Helferin der Frau schweigt zu den Vorwürfen, sie habe der 28-Jährigen bei der „Planung, Durchführung und Sicherung“ des Coups sowie bei der Verteilung der Beute an Familienangehörige in der Türkei geholfen und dafür mehr als 26.000 Euro erhalten. So lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die zudem sicher ist, die 24-Jährige habe die Gesuchte „in ihrem Willen zur Tatausführung bestärkt“. Die beiden Frauen sollen vor, während und nach der Tat telefoniert haben, Mitschnitte der Gespräche sollen demnächst in den Prozess eingeführt werden. Noch bis Mitte März hat das Gericht Termine angesetzt, im Falle einer Verurteilung drohen der möglichen Komplizin mehrere Jahre Haft.

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