„Ich brauche nur Farben“

„Mein Kunst-Stück“ mit Vera Schöttler und „Inspiration aus der Natur“

Vera Schöttler setzt auf Farben und die Leuchtkraft ihrer Bilder. Hier präsentiert sie „Inspiration aus der Natur“. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Inspiration aus der Natur“ heißt die Werkreihe, zu der Vera Schöttlers Bild gehört, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist im Jahr 2005 entstanden und zeigt die Leuchtkraft ihrer Bilder.

Die „Inspiration aus der Natur“ entwickelte sich aus Vera Schöttlers Vorliebe, sich viel draußen aufzuhalten, egal bei welchem Wetter. Bei ihren Spaziergängen durch die Natur beobachtet sie alles um sie herum sehr genau.

„Freunde sagen: Es ist schön mit Dir zu laufen. Da sehen wir Sachen, die wir sonst gar nicht wahrnehmen“. Schöttler betrachtet nicht nur die Landschaft, sondern setzt den Fokus auch auf die kleinen Dinge und ungewöhnliche Ausschnitte. Die Ideen für Strukturen und Farben geben ihr unter anderem Knospen und Moose an den Bäumen und Steine, die sich im Wasser spiegeln. „Es sind immer die Farben, die mir Lust und Laune bereiten“, sagt Schöttler. „Selbst im Winter ist nichts schwarz und grau.“ Wenn sie während eines Spaziergangs interessantes Material findet, nimmt sie es mit, um damit zu experimentieren.

Das ausgewählte Bild ist aus Ölfarbe und in vielen Schichten aufgebaut. Schöttler spachtelte einen üppigen Farbauftrag, kratzte Schichten wieder ab, übermalte Teile und veränderte Strukturen. Erst auf der Leinwand mischte sie die Farben.

„Ich brauche nur meine Farben“

Malen, zeichnen und in der Natur Pflanzenteile sammeln, das tat die Künstlerin schon als Kind. Oft wurde sie von anderen gefragt, etwas für sie zu malen. Im Gegensatz zum Schreiben durfte die Linkshänderin beim Malen in der Schule auch die bessere Hand nutzen.

Lange blieb die Kunst bei Schöttler der Freizeit vorbehalten. Sie arbeitete in einem kaufmännischen Beruf. Irgendwann, sie hatte bereits Ausstellungen, sagte sie sich: „Jetzt reicht’s, ich halte es nicht mehr aus, Kunst nebenbei zu machen.“ Sie kündigte und studierte Kunsttherapie. Heute ist sie Künstlerin und arbeitet nebenbei als Kunsttherapeutin.

Zum Malen braucht sie weder Wein noch Muse. „Ich brauche nur meine Farben.“ Am liebsten arbeitet sie nachmittags. „Die Lerche bin ich nicht so.“ Die Herausforderung des Künstlerlebens ist für Schöttler, alles unter einen Hut zu bringen. Das heißt, Geld zu verdienen, Zeit fürs Malen freizuschaufeln und sich zu vermarkten. Da bleibt dann kaum noch Zeit zum Malen. Das Internet sei zwar praktisch, um Kontakte zu Galerien herzustellen, aber der Bilderkauf sei doch ein sinnliches Erlebnis, das online nicht denkbar sei. Die den Farben ganz eigene Energie übertrage sich nicht über den Bildschirm.

Von einem Bild einfach inspirieren lassen

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, obwohl und gerade, weil sie eigentlich sinn- und zwecklos ist. Das brauchen wir in unserer nach wirtschaftlichem Nutzen getakteten und bestimmten Zeit. Man kann sich in ihr fallen lassen. Sie gibt mir persönlich Leichtigkeit, Kraft und Energie.“

Zu den Künstlern, die für Schöttler besonders bedeutend sind, zählen der Niederländer Vincent van Gogh (1853 bis 1890) und der zeitgenössische deutsche Künstler Gerhard Richter. An van Gogh mag Schöttler seine Farben, das viele Gelb, das eingefangene sonnige Licht. Bei Richter denkt sie oft an dessen Satz, dass „Malen eine andere Form der Sprache ist“. Deswegen mache es keinen Sinn, über Bilder zu sprechen. Stattdessen solle man sich von einem Bild einfach inspirieren lassen.

Wenn Schöttler jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann würde sie ihre Bilder an unsere Schulen adressieren. „Um sie etwas bunter zu machen, mehr Leichtigkeit hineinzubringen. Die Fröhlichkeit und das schulische Wohlbefinden der Kinder fallen oft hinten runter“, sagt die Kunsttherapeutin. „Glück sollte ein Pflichtfach sein.“

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