„Mein Kunst-Stück“ mit Mona Koliwer und ihrem Werk „Wo bist Du?“

Die Ahnung einer Gestalt

Mona Koliwer präsentiert in unserer Serie ihr Werk „Wo bist Du?“, das zu drei zusammengehörigen Bildern im Format 50 Zentimeter mal 50 Zentimeter zu ebenjenem Thema gehört. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Wo bist Du?“ lautet das Thema, zu dem Mona Koliwer drei Bilder parallel gemalt hat. Eins davon stellt sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vor. Ohne gegenständlich zu werden, vermittelt es die Ahnung von einer menschlichen Gestalt.

Das Bild, das Mona Koliwer ausgesucht hat, ist eins von drei zusammengehörigen Werken zu dem Thema „Wo bist Du?“. Alle drei messen 50  Zentimeter mal 50 Zentimeter, sind aus derselben selbstgestellten Farbauswahl und mit derselben Technik entstanden. Koliwer malte sie parallel.

So konnten die verschiedenen Farbschichten des einen trocknen, während sie an dem anderen arbeitete. Durch das Format und die vorgegebene Farbauswahl zeigen die Bilder Ähnlichkeiten, die sie zu einer Dreiergruppe werden lassen. Sie entstanden vor zwei Jahren, als sich die Koliwer mit ihrer Berliner Künstlergruppe in Ahrenshoop traf. Während dieser Treffen arbeiten fünf befreundete Frauen konzentriert an einem Thema und üben gegenseitige, konstruktive Kritik. „Es sind alles gute Malerinnen“, sagt Koliwer. Die Arbeit sei sehr intensiv. Wenn man nicht mehr könne, gehe man einmal kurz ans Meer, um dann weiterzumachen.

Spannend fand die Wahl-Bremerin, etwas Menschliches zu thematisieren, ohne es figürlich darzustellen. Mona Koliwer arbeitet nicht ausschließlich abstrakt. Zu ihren Werken zählen ebenso großformatige Landschaftsbilder wie ausgefallene Tongefäße, Keramikskulpturen und Objekte. Mit Nachdruck kam Koliwer auf die Kunst, als ihre Kinder aus dem Haus waren, sie sich von ihrem Mann getrennt hatte und wieder zurück in ihre Heimatstadt Berlin gezogen war.

„Da konnte ich machen, was ich wollte“, erzählt sie. Durch Zufall wurde sie in einer Künstlergruppe aufgenommen, mit der sie nach Umbrien reiste. Dort entdeckte sie die freie Malerei für sich. Es entstanden Freundschaften und auch jene Gruppe Malerinnen, mit der sie regelmäßig nach Ahrenshoop fährt. An der freien Malerei ist die Künstlerin hängengeblieben. „Ein Bild der Natur nachzumalen, ist viel leichter, als alles aus dem Bauch zu schaffen, mit Perspektive, Rand und Tiefe“, sagt sie.

Die Herausforderung in der Kunst sieht Koliwer darin, dass die eigenen Werke vor dem eigenen inneren Auge bestehen müssen. Den Ehrgeiz auszustellen, hatte sie von Beginn an. In Berlin sei sie frech, aber gut vorbereitet, von Galerie zu Galerie gegangen und habe in fast allen ausstellen dürfen.

Bei sich zu Hause hängen vor allem die Bilder, zu denen sie einen persönlichen Bezug hat. Ihr Atelier in einer dritten Etage ohne Fahrstuhl hat sie aufgegeben. Aber kleinere Formate gelingen auch zu Hause.

Ob wir Kunst brauchen? „Wenn man künstlerisch arbeitet, ist das Leben schöner“, sagt Koliwer. „Man ist gedanklich immer unterwegs und hat Augen für vieles, was andere überhaupt nicht sehen.“ Das sei viel Schönes, dass für Depressionen kein Platz bleibe. Jedem könne Kunst einen Weg aus dem Alltag bieten, jeder etwas nach seinem Geschmack finden. Und gerade in schlechten Zeiten gedeihe die Kunst gut, weil man dem Schlechten etwas entgegensetzen möchte.

Zu den Künstlern, die für Koliwer besonders bedeutend sind, zählen der Schweizer Künstler Arnold Böcklin (1827 bis 1901) und der deutsch-amerikanische Maler Lyonel Feininger (1871 bis 1956). Ihr Lieblingsbild von Böcklin ist die „Toteninsel“, von dem es gleich fünf Versionen gibt. „Es sind dunkle, aber schöne Bilder“, sagt Koliwer. „Eine schöne Darstellung des Todes.“ An Feininger gefallen der Künstlerin die verschiedenen Schichten seiner Bilder. Feininger schaffe so aus Licht und Schatten ständig etwas Neues, sagt Koliwer.

Wenn sie jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann gingen ihre einst gefertigten Akt-Skizzen an die Angehörigen der Modelle. Teils seien die Modelle gestorben, aber in den rasch gefertigten Skizzen sei etwas Wesentliches von ihnen festgehalten. „Meist waren die Angehörigen dabei, und so gilt das Bild als Andenken an ein gemeinsames Erlebnis.“

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