„Mein Kunst-Stück“ mit Edith Pundt

„Das Double“: Beckmann zwinkert

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Der Bremer Schauspieler Mateng Pollkläsener als Max Beckmann – das Kunstwerk „Das Double“ von Edith Pundt ist kein Gemälde, sondern eine Videoprojektion.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Das Double“ heißt Edith Pundts Installation, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf den ersten Blick sieht das Bild im massiven Rahmen aus wie ein Gemälde. Doch der Eindruck täuscht: Es ist eine Videoprojektion.

Regungslos steht das Double im Bilderrahmen. Nur ab und zu blinzelt es. Und die Zigarette in seiner Hand qualmt vor sich hin. Die Idee zu dem Video-Gemälde „Das Double“ kam Edith Pundt, als ihr die Ähnlichkeit des Schauspielers Mateng Pollkläseners zu Max Beckmann auffiel. 2001 engagierte sie Pollkläsener für dieses Kunstwerk. Sechs Minuten steht das Beckmann- Double still, kaum ein Wackeln oder Blinzeln verraten das eigentliche Medium Film.

„Es war gar nicht so einfach, Max Beckmanns Selbstporträt in einer echten Szene nachzustellen“, sagt Pundt. Weder ließen sich die Hände real so verrenken wie gemalt, noch sei es einfach gewesen, Licht und Schatten in dieser besonderen Weise nachzustellen. Pundt und Pollkläsener probierten viele Varianten. Schließlich blieb es bei dieser äußerst reduzierten Version. Dass die Installation derzeit im Rahmen der Max- Beckmann-Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen sein würde, konnte die Künstlerin damals nicht ahnen.

Neben der Entwicklung von Video-Installationen malt die Bremer Künstlerin und sie experimentiert immer mit neuen Materialien. Beispielsweise näht sie mit schwarzen Baumwollfäden durch Papier oder schafft abstrakte Welten aus Filzwolle. „Es sind jeweils Phasen von Produktionsweisen“, sagt Pundt. Die ganze Vielfalt wird sie am 5. Mai in der Städtischen Galerie Buntentor zeigen. „Vor Ausstellungen arbeite ich immer besonders intensiv“, erzählt die Künstlerin. Am liebsten arbeitet sie am späten Vormittag oder bis in die Nacht.

Mit 17 zur Kunsthochschule

Schon als junges Mädchen malte und zeichnete Pundt gerne. Mit 17 Jahren bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule. Doch nach dem Studium folgten Heirat und vier Kinder. Erst Anfang der 70er Jahre besuchte die mehrfache Mutter als Gasthörerin wieder die Kunsthochschule. Die Kontakte von damals förderten auch weiterhin ihre Entwicklung, erzählt sie.

„Die größte Herausforderung in der Kunst ist es, mit wenig Geld auszukommen“, sagt Pundt. Deswegen hat sie immer nebenbei in der Requisite beim Fernsehen gearbeitet. Die Fernsehprojekte liefen meist über mehrere Wochen, gefolgt von einer freien Phase, in der sie viel Zeit für die Kunst hatte. So konnte sie immer ihre Miete zahlen. Allerdings hatte sie dadurch nicht die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten wie Vollzeitkünstler. Das holte Pundt nach, als sie aufhörte zu arbeiten. Sie bewarb sich auf Stipendien und widmete sich ganz der Kunst.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, denn Kunst spricht ganz andere Seiten unseres Lebens, Sehens und unserer Wahrnehmung an, als der Alltag. Die Fähigkeit, sich die Muße zu nehmen, bewusst zu sehen und sich auf Dinge einzulassen wird gefördert. Man sieht Dinge, de man sonst nicht wahrnimmt und die machen oft Freude. Unser Bewusstsein wird dadurch verändert.“

Zu den Künstlern, die für die Bremerin besonders bedeutend sind, zählen deutsche Maler Max Beckmann (1884 bis 1950) und der Brite David Hockney. Beckmann beeindruckte Pundt besonders in ihrer Jugend durch seine ausdrucksstarken, fast krassen Bilder. Die überdimensionalen Drucke Hockneys wiederum brachten die Bremerin dazu, selbst Bilder auf dem Tablet zu entwerfen.

Wenn Pundt jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Werk in den Grundstock des Nachlassvereins für Kunst. Sein Ziel ist es, einen Fundus zu schaffen, sich überregional auszutauschen und dafür zu sorgen, dass Werke verstorbener Künstler lebendig bleiben. „Allzu oft werden diese einfach entsorgt“, sagt die Künstlerin. Gerettete Werke sollen aber nicht in einem Keller lagern, sondern über den Verein immer wieder präsentiert werden.

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