Ende der grünen Spielwiese: „Verschenkte Zeit“

Martinistraße: Freie Fahrt auf einer Spur in beide Richtungen

Noch ist die Martinistraße gesperrt, doch ab Mittwoch gibt es für Autos & Co. wieder freie Fahrt, zumindest auf einer Fahrspur je Richtung. Anschließend (ab 11. September) wird in einem Teilbereich eine Einbahnstraßenregelung erprobt.
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Noch ist die Martinistraße gesperrt, doch ab Mittwoch gibt es für Autos & Co. wieder freie Fahrt, zumindest auf einer Fahrspur je Richtung. Anschließend (ab 11. September) wird in einem Teilbereich eine Einbahnstraßenregelung erprobt.

Drei Wochen grüne Spielwiese auf der gesperrten Bremer Martinistraße mit Rollrasen und Liegestühlen - das ist vorbei. Aus Opposition und Wirtschaft gibt es viel Kritik zu dem Versuch. Autofahrer dürfen sich freuen: Ab Mittwoch ist die Fahrt auf einer Spur je Richtung wieder frei.

Bremen – „Das war verschenkte Zeit“ – das ist das Fazit der größten Oppositionsfraktion in Bremen, der CDU, und der Vertretung der Wirtschaft, der Handelskammer, zur dreiwöchigen grünen Spielwiese auf der gesperrten Martinistraße. Ganz anders Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), die den Verkehrsversuch als „sehr positiv“ bewertet. Ab Mittwoch (11. August) kann der motorisierte Verkehr nun wieder in beide Richtungen fließen, allerdings ein- statt zweispurig und mit Tempo 20.

Zum Ferienbeginn startete der zunächst bis zum 18. April 2022 terminierte Verkehrsversuch des grünen Ressorts, der insgesamt 1,3 Millionen Euro kostet. Die vierspurige Martinistraße wurde im Bereich Pieperstraße gesperrt. Stattdessen gab"s eine Surfwelle, Holztürme, Rollrasen, Liegestühle und große, bepflanzte Sitzbänke, zeitweise ein wenig Kulturprogramm. An der Surfwelle versuchten sich stets ein paar Sportler, 650 Surfer sollen es über den Zeitraum gewesen sein.

Martinistraße: „Bremen vergrault Besucher“

Die Reaktionen zum Versuch waren unterschiedlich. So freuten sich manche Passanten, eine Pause zwischen Grün einlegen zu können, Radfahrer über viel Platz und wenig Autos. Andere O-Töne von Lesern waren: „Was soll denn der Pipifax?“ oder „Damit vergrault Bremen noch die letzten Besucher“.

Handelskammer: Schlecht investiertes Geld

Während Verkehrs- und Bausenatorin Schaefer sich vollauf zufrieden mit dem Projekt zeigte, kann das die Handelskammer nicht nachvollziehen. Olaf Orb, Geschäftsführer Standortpolitik bei der Kammer, bezeichnete die Umsetzung des Versuchs als „dürftig“. Orb: „Das ist mit 500 000 Euro für drei Wochen schlecht investiertes Geld und verschenkte Zeit.“ Die Mittel hätte er sich für Hanseatenhof, Ansgarikirchhof und Obernstraße gewünscht, „die sollten doch gestärkt werden“.

Nach Orbs Beobachtung haben auswärtige Kunden auf den Innenstadt-Besuch verzichtet. Das sei auch an den geringeren Nutzerzahlen der Parkhäuser – verglichen mit den Sommerzahlen aus dem Vorjahr – abzulesen. Besonders ärgere sich die Handelskammer über ein verlorenes Jahr, da die Lösung für die städtebauliche Aufwertung der Martinistraße längst auf dem Tisch liege: zwei statt vier Spuren, Tempo 30, eine erleichterte, inszenierte Querung an der Pieperstraße („mit Highlight“) zur Schlachte, kein Schwerlastverkehr mehr. Die rechte Fahrspur könne dann der Radverkehr nutzen, auf dem bisherigen Radweg könnten Bäume gepflanzt werden, so Orb.

Mit diesen Veränderungen, so der Handelskammer-Fachmann, hätte Bremen längst beginnen können statt Versuche zu starten. Eine Einbahnstraße, wie sie ab Mitte September bis 21. November erprobt werden soll, könne aus seiner Sicht nicht funktionieren. Das sende an Kunden aus dem Umland die Botschaft: „Mit dem Auto seid Ihr nicht erwünscht.“

Sitzmöglichkeit mit Grün im Zuge des Verkehrsversuchs an der Martinistraße.

CDU: Verzögerung „skandalös“ - Umbau längst Konsens

CDU-Fraktionschef Heiko Strohmann äußerte sich ähnlich. „Den Versuch hätte man sich schenken können. Seit 2014 ist es Konsens unter allen Beteiligten, wie die Martinistraße umzubauen ist“, so Strohmann. Er nennt die gleichen Aspekte wie die Kammer und hält Verzögerung wie auch „Bespaßung“ für „skandalös“. Bei etwa 12 000 Fahrzeugen am Tag auf der Martinistraße lasse sich eine Fahrspur je Richtung mit Tempo 30 gut umsetzen. Doch nichts sei seit sieben Jahren geschehen. Das Ressort „versucht, uns für dumm zu verkaufen“. Die grüne Botschaft, auch ans Umland, laute, „wir wollen Eure Autos nicht“, so Strohmann. Der CDU-Mann wirft den Grünen vor, lediglich ihre Ideologie durchsetzen zu wollen.

FDP: Rückmeldung der Bremer zum Versuch „verheerend“

FDP-Landeschef Thore Schäck teilt die Begeisterung der Senatorin für das Projekt ebenfalls nicht. Von „Surferparadies“, Strandgefühl“ und „parkähnlichem Ambiente“ zu sprechen, das sei peinlich und zeige, wie sehr die Senatorin den Kontakt zur Bevölkerung verloren habe. Schäck: „Das Ambiente zwischen Häuserschluchten mit Blick auf Beton lädt nicht zum Verweilen ein, ein Großteil der Anlage ist regelmäßig verwaist.“ Die Rückmeldung der Bremer sei „verheerend“. Auch die FDP begrüße „eine kluge Verkehrsberuhigung“ und „mehr attraktive Aufenthaltsqualität“ an der Martinistraße, aber einen gewissen Mindestanspruch solle man da auch im rot-grün-roten Senat haben, sagte der Liberale.

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