„Halbwissen und Unwahrheiten“

Klimaforscher warnt vor Hysterie und kritisiert „Fridays for Future“-Bewegung

„Unreife, naive Worthülsen“ – so bezeichnet der Klimaforscher Hans von Storch manche Forderung auf Plakaten der „Fridays-for-Future“-Aktivisten. Auch in Bremen gingen 2019 mehrere tausend Menschen auf die Straße, um für Umweltschutz zu protestieren. Foto: KOLLER
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„Unreife, naive Worthülsen“ – so bezeichnet der Klimaforscher Hans von Storch manche Forderung auf Plakaten der „Fridays-for-Future“-Aktivisten. Auch in Bremen gingen 2019 mehrere tausend Menschen auf die Straße, um für Umweltschutz zu protestieren.

Bremen - Symbolischer Aktionismus, Schreckensmalerei und Hysterie: Für den Meteorologen Hans von Storch sind es diese Begriffe, die die aktuelle Diskussion um Klimaschutz beherrschen.

Am Donnerstagabend kam der Wissenschaftler auf Einladung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ins Dorint City Hotel nach Bremen – und forderte vor rund 400 Besuchern im ausverkauften Saal: Wissenschaftler sollten Wissen schaffen, keine endgültigen Wahrheiten.

In einem sind sich wohl viele einig, auch Hans von Storch widerspricht dem nicht: Der Klimawandel ist menschengemacht. Erderwärmung, Artensterben, Gletscherschmelze – all diese Phänomene seien real und könnten nur durch menschliches Handeln bekämpft werden. Auch hier geht der 70-jährige Wahl-Hamburger noch mit. Was dem Meteorologen und Mathematiker jedoch gehörig gegen den Strich geht, ist die „Panikmache“, die Hysterie in der aktuellen Klimadiskussion, wie er sagt. 

In seinem Vortrag widmet sich von Storch zunächst den nüchternen Fakten. Fakten, die er durch mathematische Modelle errechnet hat und die einen „objektiven Ist-Zustand“ beschreiben. Genau das, so von Storch, sei Aufgabe von Wissenschaft und Forschung. Es gehe nicht darum, Empfehlungen für politische Entscheidungen abzugeben, wie es vieler seiner Kollegen täten. Es gehe um Zahlen, Modelle, Berechnungen.

Klimaforscher geht mit „Fridays for Future“ hart ins Gericht

Wissenschaftler sollten „methodisch solide vorgehen“, sagt der ehemalige Professor vom Institut für Meteorologie der Universität Hamburg. Heute gewinne er vermehrt den Eindruck, Wissenschaft gelte nur dann als „gut“, wenn sie „die gesellschaftlich erwünschten Schlüsse legitimiert“. Damit verliere Forschung an Glaubwürdigkeit, und es werde zusehends schwerer, sie selbst nachhaltig zu gestalten.

Hans von Storch (r.) im Gespräch mit Moderator und Autor Martin Busch.

Dass es den Klimawandel gibt, darüber will von Storch nicht streiten. Doch in der aktuellen Diskussion über Wege, damit umzugehen, geht er vor allem mit den Aktivisten von „Fridays for Future“ hart ins Gericht. Wenn er sich die Transparente anschaue, die in die Luft gehalten würden, sehe er dort „am laufenden Meter eine Vermischung aus Halbwissen, wissenschaftlichen Argumenten und Unwahrheiten“. Der inoffiziellen Anführerin der weltweiten Proteste, der 17-jährigen Greta Thunberg, wirft er vor, „die Sichtweise des Westens zu absolutieren“, wenn sie sage, „Ich will, das Ihr in Panik geratet“. Ihre Argumente seien „einseitig“ und gingen an der Realität vieler Menschen vorbei. „An der schlimmen Arroganz und dem Kolonialdenken des Westens hat Frau Thunberg auch nichts geändert.“

Geschwindigkeit des Klimawandels bedenklich - Klima-Soli möglich

Von Storch, das betont der 70-Jährige mehrfach, gehe es nicht darum, Klimaveränderungen zu leugnen. Klimawandel habe es schon immer gegeben. „Es geht um die Geschwindigkeit“, hebt er hervor. Um die weltweite Erderwärmung durch Treibhausgase auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten nach seinen Berechnungen jährlich 38 Milliarden Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. 

Bis 2050 müsse zudem der Ausstoß von CO2 auf Null reduziert werden. „Auf Null“, macht von Storch mehrfach klar. Wie das gelingen könnte? Zum einen müssten Anreizsysteme, vor allem ökonomische, für Entwicklungs- und Schwellenländer geschaffen werden. „Wir müssen Maßnahmen aufzeigen, die sich zur Nachahmung eignen“, sagt er. Vorstellbar wäre für ihn ein Klima-Soli, eine auf Solidarität basierende Abgabe, um Innovationen im Bereich des Klimaschutzes voranzutreiben.

Das Klimapaket der Bundesregierung nennt von Storch indes „gut“, weil das Thema überhaupt erst angekurbelt wurde. Er spricht aber auch von „Lippenbekenntnissen“ in diesem Zusammenhang. Symbolische Akte des Einzelnen lobt er ebenso, fügt aber hinzu: „Damit darf es nicht getan sein. Mülltrennen reicht nicht.“

Zur Person: Hans von Storch

Hans von Storch ist einer der bedeutendsten deutschen Klimaforscher. Der 70 Jahre alte Meteorologe und Mathematiker war ehemals Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und unter anderem Professor an der Uni Hamburg und am Max-Planck-Institut für Meteorologie. 2019 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine Leistungen in der Klimaforschung.

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