Wöchentliche Demo

Alarmstufe Rot: Kampf ums Überleben für Bremer Veranstaltungsbranche

„Alarmstufe Rot“: der Demonstrationszug der Bremer Veranstaltungsbranche. Die Teilnehmer rollen Show-Cases und tragen alle einen Mund-Nasen-Schutz. Vorneweg: Der Bremer DJ Toddy.
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„Alarmstufe Rot“: der Demonstrationszug der Bremer Veranstaltungsbranche. Die Teilnehmer rollen Show-Cases und tragen alle einen Mund-Nasen-Schutz. Vorneweg: Der Bremer DJ Toddy.

Bremen – Verantwortungsvoll: Ein Demonstrationszug zieht am Mittwochmittag von Leibnizplatz zum Marktplatz, mit Mund-Nasen-Schutz und mit Corona-Sicherheitsabstand, organisiert vom Aktionsbündnis in der Veranstaltungsbranche „Alarmstufe Rot“. Auch der Bremer Veranstaltungsbranche geht in der Corona-Pandemie die Luft aus. Sie will von nun an wöchentlich demonstrieren.

Vorneweg geht mit einem Megaphon einer der bekanntesten Bremer DJs: Toddy. „Auch Ihre nächste Feier ist in Gefahr. Ihr Lieblingsclub und Ihre Lieblingsdisco sind in Gefahr“, ruft er. Bundesweit seien rund 3,6 Millionen Jobs gefährdet, wenn man alle Menschen hinzuzähle, die von der Veranstaltungsbranche abhängig seien. Der DJ befürchtet, dass es viele wichtige Dienstleister in der Eventbranche nach der Krise nicht mehr geben wird.

Die Demonstranten rollen Show-Cases, mobile Veranstaltungsboxen, und tragen Plakate, auf denen Forderungen stehen. Auf dem Marktplatz angekommen, geht DJ Toddy auf eine Bühne. „Viele Kollegen sind nervlich am Ende und haben teilweise fast den Strick in der Hand“, sagt er vor etwa 80 Mitstreitern aus der Szene. Die Zahl der Teilnehmer, so Toddy, hätte fünfmal so groß sein können, aber viele hätten sich bereits andere Jobs gesucht und müssten arbeiten.

Bremer Veranstaltungsbranche in großen Nöten: „Alarmstufe Rot“

Das Bündnis „Alarmstufe Rot“ fordert unter anderem ein Überbrückungsprogramm mit einem Zuschuss von 75 Prozent zu den Fixkosten und Kreditlaufzeitverlängerungen auf bis zu 15 Jahre. Steuerliche Veränderungen sind eine weitere Forderung. Und die Branche möchte, dass Mitarbeiter trotz 100 Prozent Kurzarbeit für das Unternehmen wichtige Tätigkeiten durchführen dürfen.

Mit Blick auf mögliche Lockerungen in der Corona-Pandemie sagt DJ Toddy: „Wichtig ist eine kontrollierte Öffnung bei den Veranstaltungen.“ Registrierung von Besuchern, Schnelltests – alles mit Vorsicht und abhängig vom Infektionsgeschehen, so stellen sich die Veranstalter den Wiederbeginn bei Events und Konzerten vor. Die Regelungen sollten bundesweit einheitlich sein, fordern sie.

Die Politik ist am Mittwoch zum Gespräch eingeladen: Vor der Bühne steht eine große Tafel mit vielen Plätzen. Darauf Namensschilder von Bundespolitikern und auch Lokalpolitikern. Die Plätze der Bundesprominenz bleiben leer. Aber aus dem Bremer Politikbetrieb sind Staatsrat Sven Wiebe, der Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) vertritt, und Jens Eckhoff, stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, gekommen.

Bremer Veranstaltungsbranche in großen Nöten: Hilfen reichen nicht aus

Wiebe räumt ein, dass die bisherigen Hilfen für kleine und mittelständische Unternehmen sowie die Überbrückungshilfen nicht ausreichten. Angesichts der bundesweiten Dimension der Krise könne eine angemessene Förderung nur vom Bund kommen. Ende August wollen die Länder mit dem Bundeswirtschaftsminister verhandeln, heißt es. Nach den Ferien werde zudem über weitere Lockerungen für Veranstaltungen gesprochen, sofern die Pandemielage stabil bleibe. Jens Eckhoff sieht auch das Bundesland Bremen in der Pflicht: Wenn der Bund nicht alle Lücken füllen könne, müsse es Hilfen aus dem Bremen-Fonds mit 1,1 Milliarden Euro geben. Bisher seien die Anliegen der Soloselbstständigen zu wenig gehört worden, so Eckhoff. Das sei die erste große Aufgabe nach den Ferien. Hier sieht auch DJ Toddy das Hauptproblem: Die Hilfen seien nicht abgestellt auf Soloselbstständige.

DJ Toddy erzählt beispielhaft von einem Kollegen, der Hartz IV beantragen musste. Davon müsse dieser unter anderem die Krankenkasse bezahlen. „Bei mir sind das 1 100 Euro mit zwei Kindern.“ Man bekomme lediglich den halben Basisbetrag der privaten Krankenkasse, in seinem Fall 250 Euro.

Er fragt die Mitstreiter auf dem Marktplatz: „Wer von Euch macht gerade Schulden?“ Die Mehrzahl der Hände geht nach oben, die Gesichter sind ernst. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, dieser Satz ist gleich mehrfach zu hören.

Von Martin Kowalewski

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