„So viel Futter wie möglich holen“

Jungunternehmerin rät Gründern zu vielen Seminaren

Katrin Grosch in ihrem Findorffer Käsekontor. Die ausgebildete Fromelière, also ausgewiesene Fachfrau in Sachen Käse, hat sich vor einem Jahr mit Hilfe der Förderbank BAB selbstständig gemacht. - Foto: WFB/Jann Raveling

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Käse, nichts als Käse. Etwa 150 verschiedene Sorten bietet Katrin Grosch in ihrem Findorffer Käsekontor an der Hemmstraße an. Die 37-Jährige hat sich dabei auf Käse von bäuerlichen Kleinbetrieben und ökologischen Höfen konzentriert. Drei Meter lang ist ihr Käsetresen. Die ausgebildete Fromelière ist seit einem Jahr selbstständig. Sie ist ein Beispiel für die Arbeit der Förderbank BAB, die gestern ihren Geschäftsbericht vorlegte.

Die Förderbank hat 2016 93,4 Millionen Euro (2015: 95 Millionen Euro) an Krediten vergeben, entweder gemeinsam mit örtlichen Banken oder im Auftrag des Landes. Die Geschäftsführer Ralf Stapp und Jörn-Michael Gauss zogen eine positive Bilanz. Besonders gefragt waren ihren Angaben zufolge der Unternehmerkredit und der Gründerkredit. Allein in diesen beiden Programmen zahlte die BAB rund 55 Millionen Euro aus. „Viele Existenzgründer nutzten diese Kredite“, so Stapp. 100 Gründer waren es im Jahr 2016 (115).

Eine von ihnen ist Katrin Grosch. Beim Thema Käse macht der Mutter eines Sohnes so schnell niemand etwas vor. Kein Wunder, seitdem sie 18 ist, hat sie neben der Schule oder dem Studium auf dem Wochenmarkt Käse verkauft. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Und irgendwann ließ sich Grosch im Süden zur Fromelière ausbilden. Sie lernte bei einer Mikrobiologin, wie aus Milch Käse wird, besuchte verschiedene Höfe, lernte etwas über die Sensorik und stellte selbst Käse her. Später nahm sie praktisch heimlich an Existenzgründungsseminaren der Handelskammer teil, erinnert sie sich schmunzelnd. Und sie hat einen Tipp für potenzielle Gründer: „Wer gründen will, sollte sich so viel Futter wie möglich holen und sich nur mit etwas selbstständig machen, mit dem er sich auskennt.“ Sie selbst nutzte die Bremer Gründungsleitstelle „B.E.G.IN“, ein Netzwerk aus etlichen Institutionen, und das RKW (Rationalisierungskuratorium der Wirtschaft).

Findorff oder Schwachhausen? Es galt unter anderem, einen Standort für den Käseladen zu finden. Die Unterstützung hat die 37-Jährige als sehr hilfreich empfunden. Die Immobilie war gefunden, die Förderbank kam ins Spiel. Das Konzept erläutern, Businessplan, mutmachende Gespräche, Tipps, was bedacht werden muss – das waren die weiteren Schritte. Vor etwa einem Jahr war es so weit: Katrin Grosch eröffnete ihr Käsekontor. Bereut hat sie das bisher nie, sagt sie. Dass sie mit ihrem Laden nicht reich werden wird, das weiß sie. Aber sie liegt nah an ihrem Businessplan. Das eigene Geschäft mit allem Drumherum ist viel Arbeit. „Aber es ist viel besser als auf dem Wochenmarkt. Ich bekomme mehr Schlaf“, sagt sie lachend. Im 60 Quadratmeter großen Kontor gibt es, wie geplant, doch noch ein wenig mehr als Pineta (Schnittkäse mit Pinienrinde) aus der Schweiz, Thybo („ein bisschen süß und salzig“) aus Dänemark und Beaufort AOP aus Frankreich („wird nur im Sommer aus Rohmilch hergestellt“). Grosch bietet auch Dips und Geschenkartikel an. „Alles, was man braucht, um eine schöne Käseplatte zu gestalten“, betont sie. Zum Konzept gehören außerdem Verkostungen im Laden.

Zurück zur Förderbank, deren Eigenkapitalquote 38 Prozent beträgt. Die Bilanzsumme lag 2016 bei 1,16 Milliarden Euro. Die Gründer sind 20 bis 40 Jahre alt. Vom ersten Kontakt bis zur Umsetzung der Idee können sowohl acht Wochen als auch zwölf Monate vergehen, sagt Gauss. Vorfinanzierung des Elterngeldes, Wohnraumförderung und Unterstützung von Firmen, die in Schieflage geraten sind oder beispielsweise neue Maschinen für neue Arbeitskräfte brauchen, das sind weitere Themen, die die BAB bearbeitet.

„Ein Enkelkind Bremens“ 

Die Förderbank BAB mit jetzt 65 Mitarbeitern wurde im Jahr 2001 gegründet. Gesellschafter ist die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), eine Tochter Bremens. „Wir sind praktisch ein Enkelkind Bremens“, sagen die Geschäftsführer Jörn-Michael Gauss und Ralf Stapp. Das Land hat die Bank mit einem Eigenkapital in Höhe von 110 Millionen Euro ausgestattet. Ihre Aufgabe ist es, Gründer zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern. Sie darf nicht in Konkurrenz zu Banken treten. Vielmehr arbeitet sie mit ihnen zusammen. 

Die Förderbank gibt Gründern Kredite, wo Banken aufgrund des Risikos abwinken, alles allein zu finanzieren. Hat die BAB eine Gründungsidee auf Herz und Nieren geprüft, gibt sie Kredite in ganz unterschiedlichen Höhen. Das können ebenso 10.000 wie 70.000 Euro sein. Im Boot sind meist auch Geldinstitute. Die Rückzahlung beginnt in kleinen Raten, oft auch erst nach Monaten. Im Schnitt zahlen die Gründer den Kredit in etwa fünf Jahren zurück. Trotz der Prüfung der Ideen durch Fachleute, seit jüngstem auch einige von der WFB, läuft es letztlich bei etwa 20 Prozent nicht. Sie müssen wieder aufgeben. Beispiele für erfolgreiche Projekte sind „Papa Türk“ (Knoblauchkiller) und „Piekfeinde Brände“.

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