Bremer gilt als Flugpionier

Tod beim Testflug: Vor 90 Jahren starb Georg Wulf

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Flugpionier Georg Wulf um 1920 in einer Focke-Wulf A7.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Zwei Männern ist es wesentlich zu verdanken, dass Bremen heute Luft- und Raumfahrtstandort ist – den Flugpionieren Henrich Focke (1890 bis 1979) und Georg Wulf (1895 bis 1927). Sie haben 1923 die Bremer Flugzeugbau-Gesellschaft gegründet, die im Folgejahr den Namen Focke-Wulf-Flugzeugbau AG bekam. Vor 90 Jahren, am 29. September 1927, ist Wulf beim Testen eines Prototyps ums Leben gekommen.

Um 1910 herum hatte Focke mit seinem Bruder Wilhelm (1878 bis 1974) ein erstes „Entenflugzeug“ entwickelt. Entenflügler sind Flugzeuge, bei denen das Höhenleitwerk vor den Tragflächen liegt – die recht weit hinten liegenden Flügel ähneln denen einer Ente. Die Experimente der Focke-Brüder weckten Wulfs Aufmerksamkeit. Er war vom Fliegen besessen und brach dafür sogar die Schule ab.

Nachdem er Georg Wulf kennengelernt hatte, wurde Henrich Fockes Luftfahrt-Tüftelei „in professionelle Bahnen gelenkt“, hat Dr. Jan Werquet einmal gesagt, der im Bremer Focke-Museum für den Bereich Stadtgeschichte zuständig ist.

Gemeinsam entwarfen und bauten Focke und Wulf Flugzeuge – so zum Beispiel 1912 einen tatsächlich flugfähigen Eindecker. Als nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland keine Motorflugzeuge gebaut werden durften, machten sie – so beflügelt wie beseelt – heimlich weiter.

Offizielle Werksgründung erst in den 20ern

In den 20er Jahren folgte dann ganz offiziell die Unternehmensgründung. Das Kapital dafür kam von Kaufleuten, unter ihnen der Unternehmer, Kaffee-Hag-Erfinder und Böttcherstraßen-Mäzen Ludwig Roselius (1874 bis 1943).

Focke-Wulf saß am Flughafen – Focke fungierte als Konstruktionschef, Wulf leitete die Erprobungsabteilung, er war technischer Betriebsdirektor. Erstes Serienprodukt war das 1924 präsentierte Kleinverkehrsflugzeug A 16, von dem 22 Exemplare gebaut wurden. 1927 ging das Verkehrsflugzeug A 17 „Möve“ (mit Vogel-„V“) an den Start – unter anderem für die Lufthansa.

Zum Focke-Wulf-Programm gehörten unter anderem auch noch das Kleinverkehrsflugzeug A 20 „Habicht“ (1928) und die A 21 „Photo“ (1929), ein Spezialflugzeug für Luftaufnahmen. In den 30er Jahren, in der NS-Zeit, wurde das Rüstungsprogramm massiv ausgebaut. Focke schied aus dem Unternehmen aus, das seinen Namen trug.

Am 29. September stürzt die „Ente“ ab

All dies hat der andere Namensgeber, Georg Wulf eben, nicht mehr erlebt. Am 29. September 1927 war der Firmengründer bei einem Testflug mit dem Prototypen Fw 19 „Ente“ ums Leben gekommen. Für Henrich Focke war der frühe Tod seines Pionier-Partners ein schwerer Schlag.

Die Leitung des Einflugbetriebs bei Focke-Wulf übernahm der Fluglehrer und Dauerflug-Rekordhalter Cornelius Edzard (1898 bis 1962), der 1933 Direktor des Bremer Flughafens wurde.

In der Nähe des Flughafens ist nach dem Krieg – Mitte der 50er Jahre – eine Straße nach Georg Wulf benannt worden. Auch in Berlin-Schönefeld trägt eine Straße den Namen des Bremers.

Der Mann, den die Flugleidenschaft das Leben gekostet hat, ist in seiner Heimatstadt begraben. Das Grab von Georg Wulf ist auf dem Osterholzer Friedhof (Feld E) zu finden – in der Nähe der Brücke zur Nordkapelle.

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