Privatinsolvenzen plus 51 Prozent

Bremen ist Spitzenreiter – bei den Firmenpleiten

Bremen führt mal wieder eine Negativtabelle an. 2020 war es mit 8,3 Unternehmens-Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen mit Abstand am stärksten betroffen.

Bremen – Die beiden Stadtstaaten Bremen und Berlin sind vergleichsweise stark von Insolvenzen betroffen. Dies geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Konkret: Mit 8,3 beantragten Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen im Monatsdurchschnitt war der Stadtstaat 2020 unter den 16 Bundesländern mit Abstand am stärksten betroffen.

BundeslandBremen
Einwohner569.352 (2019)
BürgermeisterAndreas Bovenschulte
Vorwahl0421

Der bundesweite Durchschnitt der Insolvenzhäufigkeit für das Jahr 2020 lag nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom Freitag bei 4,0. Das heißt von 10.000 Unternehmen rutschten durchschnittlich im Monat vier in die Pleite. Im Jahr 2019, also vor der Corona-Pandemie, waren es 4,8 pro Monat. Bremen war den Angaben zufolge das einzige Bundesland, in dem im Corona-Jahr 2020 mehr Unternehmensinsolvenzen beantragt wurden als 2019 (6,9), bevor Sonderregelungen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Kraft getreten waren.

Im vergangenen Jahr war dem Bundesamt zufolge Berlin mit 6,1 Unternehmensinsolvenzen pro 10.000 Unternehmen am zweitstärksten betroffen. Nordrhein-Westfalen war 2020 das Flächenland mit dem höchsten Wert (5,4). Über dem Bundesschnitt lagen auch das Saarland (5,0), Hamburg (5,0), Sachsen-Anhalt (4,6) und Hessen (4,2). In Thüringen war die Insolvenzhäufigkeit mit 2,5 Fällen pro 10.000 Unternehmen am niedrigsten.

In Bremen sind überdurchschnittlich viele Unternehmen insolvent. (Symbolbild/kreiszeitung.de-Montage)

Zum Hintergrund: Um eine Pleitewelle in der Corona-Krise zu verhindern, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt eines Insolvenzgrundes wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt. Seit dem 1. Mai 2021 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang.

Die befürchtete Welle an Firmenpleiten zeigt sich bislang aber nicht in der amtlichen Statistik. Mit 7408 Fällen lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2021 nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes sogar um 17,7 Prozent unter dem Wert der ersten sechs Monate 2020. Es ist davon auszugehen, dass die staatlichen Konjunkturhilfen für die Unternehmen sowie die erst ab Mai 2021 wieder durchweg geltende Insolvenzantragspflicht zu den niedrigen Insolvenzzahlen im Jahr 2020 beigetragen haben, so die Vermutung des Bundesamts.

Insolvenz: Phänomen der Stadtstaaten

Die Handelskammer Bremen erklärt bereits im Juli, dass die hohe Insolvenzhäufigkeit als ein Phänomen der Stadtstaaten. Das liege auch daran, dass in städtische Ballungsräumen mehr Menschen gründen, „mehr Start-ups, aber es scheiden auch mehr Unternehmen aus,“ sagte damals Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen.

Betroffen von einer Firmenpleite war auch das Segelschulschiff Gorch Fock. Im Rahmen der Sanierung meldete die Elsflether Werft Insolvenz an.

Die jüngsten Zahlen stammen aus dem Monat August. In Bremen meldeten pro 10.000 Unternehmen 15,1 Insolvenz an. Ebenfalls ein negativer Spitzenwert, gefolgt von Sachsen mit 9,7. Thüringen steht mit einem Wert von 5,4 auf dem drittletzten Platz. Die geringste Insolvenzhäufigkeit im August 2021 weist das Saarland mit 4,1 beantragten Regelinsolvenzverfahren pro 10.000 Unternehmen auf. 

Insolvenzen bei Verbrauchern stark gestiegen

Neben Firmen können auch Privatpersonen Insolvenz anmelden, sogenannte Verbraucherinsolvenzen. Ihre Zahl ist im 1. Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen. 42.304 Verbraucher stellten einen Insolvenzantrag, das war ein Anstieg um mehr als die Hälfte (+51,1  Prozent) gegenüber dem 1. Halbjahr 2020.

Der starke Anstieg ist im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu sehen. Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren. 

Je eher sich ein Verschuldeter meldet, desto besser sind die Aussichten, aus der Misere herauszukommen.

Privatpersonen können ihre Finanzen mit externer Hilfe wieder in den Griff bekommen. Hilfestellungen können Schuldnerberatungen geben.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/Swen Pförtner/dpa

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