Praxis-Mitarbeiterin unter Verdacht

Bremer Polizei ermittelt: Impfpässe gefälscht?

Testen ist hilfreich, nur sollte auch die Auswertung ordnungsgemäß erfolgen.
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Testen ist hilfreich, nur sollte auch die Auswertung ordnungsgemäß erfolgen.

Gefälschte Impfpässe, falsche Testbescheinigungen – die Corona-Pandemie lässt Betrüger auch in Bremen kreativ werden, allerdings in keinem guten Sinne.

Bremen - Eine Mitarbeiterin einer Arztpraxis in Findorff steht unter dringendem Verdacht, Impfpässe gefälscht und verkauft zu haben. Das berichtete am Freitag die Polizei. Zudem wird gegen einen Corona-Test-Anbieter wegen falscher Bescheinigungen ermittelt.

Die mutmaßliche Betrügerin, 29 Jahre alt, arbeitete in einer Gemeinschaftspraxis und hatte nach Polizeiangaben Zugriff auf Impfdosen, Aufkleber mit den Chargenbezeichnungen und Blanko-Impfpässen. Ein Tipp führte die Polizei auf die Spur der Frau, wie Polizeisprecher Nils Matthiesen sagte. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Wohnungsdurchsuchung an. Und siehe da, die Ermittler fanden 14 Blanko-Impfbücher, 74 Chargen-Aufkleber, drei gefälschte Impfbücher und drei Stempel, die im Herbst 2021 in der Praxis gestohlen worden waren. Zudem stellten die Beamten zwei auf den Namen der Frau ausgestellte Impfpässe sich.

Verdacht auf Fälschung in 185 Fällen

Laut Matthiesen beschäftigen mittlerweile zahlreiche Fälschungen die Polizei. Die Beamten ermitteln in 185 Fällen, in denen der Verdacht auf falsche Impfpässe besteht. Der Sprecher warnt davor, ein Bild seines Impfpasses in soziale Netzwerke zu stellen. Kriminelle nutzten die Daten, zum Beispiel die abgebildeten Chargennummern des Impfstoffes, dazu, Impfpässe zu fälschen und dann im Netz zum Verkauf anzubieten. Und: „Nicht nur die Fälscher begehen eine Straftat, sondern auch die Käufer“, so Matthiesen.

Negative Testzertifikate - aber ohne Untersuchung der Probe

Wegen des Vorwurfs, gefälschte Corona-Testzertifikate ausgestellt zu haben, ermittelt die Polizei zudem gegen einen Anbieter von Corona-Tests. „Wir prüfen den Anfangsverdacht einer Straftat“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Anlass für die Ermittlungen ist ein Bericht von Radio Bremen. Nach Recherchen des Regionalmagazins „buten un binnen“ soll der Anbieter negative PCR-Testzertifikate an Kunden ausgegeben haben, ohne dass alle Abstriche untersucht worden seien. Dem Sender zufolge geht es um Teststationen am Loriotplatz und in der Böttcherstraße.

Der Verantwortliche der Station hat dem Bericht nach einige wenige Probleme mit PCR-Tests am ersten Weihnachtstag eingeräumt. Er habe auch von Abspracheproblemen zwischen ihm und seiner Belegschaft gesprochen, hieß es in dem Medienbericht. Nach Behauptungen von Mitarbeitern soll es aber mehr Fälle gegeben haben. Mindestens bei einem jungen Mann soll der Test in Wahrheit positiv gewesen sein. Da dieser selbst Zweifel an dem negativen Ergebnis hatte, beharrte er auf einem weiteren PCR-Test. Eine Anfrage an eine Firma im hessischen Dillenburg, in deren Auftrag die Bremer Teststationen betrieben werden, blieb zunächst unbeantwortet. Das Gesundheitsressort hat dem Anbieter die Betriebsgenehmigung für die zwei Teststellen mit sofortiger Wirkung entzogen worden.

Corona: Inzidenzwert in der Stadt Bremen erstmals über 1 000

Das Ressort hat am Freitag 1 866 neue Corona-Fälle für das Land Bremen gemeldet, davon 1 683 in der Stadt Bremen. Hier stieg der Sieben-Tage-Inzidenzwert sprunghaft an: Erstmals seit Ausbruch der Pandemie vor zwei Jahren liegt er über 1 000 (Vortag: 851) – genau bei 1 052,6 (Bremerhaven: von 545,1 auf 640,2). Auch die Hospitalisierungsinzidenz nahm deutlich zu, sie stieg von 13,6 auf 15,18. In Kliniken des Landes werden 116 Covid-19-Patienten versorgt (Vortag: 109), allein 109 in der Stadt Bremen. Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen blieb jedoch mit 21 gleich.

Die Stadt Bremen wechselt wegen der hohen Inzidenzen und der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante am Montag, 10. Januar, in die Warnstufe 4. In vielen Einrichtungen wie Theater, Museum, Kino, Kletterhallen, Messen, Fitnessstudios, Restaurants, Hotels, Friseurgeschäften und mehr gilt dann 2G-plus. Zutritt haben nur Geimpfte und Genesene, die zusätzlich einen negativen Corona-Test vorlegen müssen. Ausnahmen gelten lediglich für frisch Geimpfte (in den ersten drei Monaten nach dem zweiten Piks) und Geboosterte. Beim Zutritt zu Behörden gilt 3G, auch das ist neu. Im Einzelhandel dürfen nicht mehr die Flattermasken getragen werden, sondern FFP2-Masken werden Pflicht, ab 24. Januar auch in Supermärkten (Kunden ab 16 Jahren).

Bremen hat das zunächst befristete Impfen ohne Termin im Zentrum am Brill vorzeitig verlängert. Hier können sich alle Bremer täglich von 9 bis 19 Uhr gegen Corona impfen, Menschen aus dem Umland, die in Bremen arbeiten, boostern lassen. Laut Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) haben das in drei Tagen mehr als 1 000 Menschen genutzt. Mehr unter „www.impfzentrum.bremen.de“.  (gn/dpa)

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