Hindus bauen Tempel am „Ellener Hof“

„Madel“ grast: Das Urteil der Heiligen Kuh

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Ein Mann hält auf einem Baugrundstück eine Grafik des hier geplanten Hindu-Tempels. 

Bremen - Von Steffen Koller. Bleibt sie oder geht sie? Das ist am Mittwoch auf dem Gelände des Stiftungsdorfs „Ellener Hof“ in Blockdiek die alles entscheidende Frage. Auf dem Areal soll bis Herbst 2019 ein hinduistischer Tempel entstehen. Wie die Tradition es vorsieht, muss das Baugrundstück zunächst von einer Kuh geprüft werden. Trotz des ganzen Medienrummels zeigt Kuh „Madel“ keine Nerven und grast auf der Wiese. Ein gutes Zeichen, der Bau kann beginnen.

So viel Aufmerksamkeit hat Milchkuh „Madel“ wohl noch nie erfahren. Mehrere Kamerateams und Fotografen umringen das Tier, als es auf den zukünftigen Bauplatz eines hinduistischen Tempels geführt wird. Verdutzt schaut die dreijährige Kuh in die Objektive, dann verrichtet sie seelenruhig ihr „kleines Geschäft“ und fängt prompt an zu grasen. Ähnlich erstaunt über das große Interesse ist Landwirt Frank Imhoff, der als CDU-Bürgerschaftsabgeordnete und Vizepräsident des Parlaments durchaus presseerprobt ist. Ihm gehört „Madel“. Und er steht den Medienvertretern Rede und Antwort. „Echt locker“ sei seine Kuh drauf, ein „wahrer Profi.“ „Alles easy going“, sagt Imhoff weiter und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. So viel Rummel um eine Kuh?

Doch nach hinduistischem Brauch ist das Urteil der Kuh entscheidend dafür, ob ein Baugrundstück geeignet ist oder nicht, sagt Gemeindemitglied und Initiator Pathmakaran Pathmanathan, der 1989 aus Sri Lanka nach Deutschland kam und in Bremen einen Verein für gläubige Hindus gründete. „Bleibt sie dort, ist es ein guter Ort, um ein Haus oder einen Tempel zu errichten. Macht sie sich davon, sollte man das Vorhaben noch einmal überdenken“, sagt der 45-Jährige, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Bremen lebt.

Hindu-Priester Prasad Agilandam legt der Kuh „Madel“ von Landwirt Frank Imhoff einen Blumenkranz um. „Madel“ soll über das Baugrundstück eines neu geplanten Hindu-Tempels laufen und prüfen ob das Grundstück ein guter Ort für den Tempel ist.

Überdenken muss am Mittwoch niemand etwas. „Madels“ Befund ist eindeutig. In aller Seelenruhe frisst die Kuh, schaut sich neugierig um und posiert mit Bauer Imhoff für die Kameras. Und auch die vorherige Segnung durch Priester Prasad Agilandam verläuft ohne Komplikationen.

Ab Frühjahr sollen – vorausgesetzt, der Bau überspringt auch alle bürokratischen Hürden – die ersten Straßen rund um das 1 200 Quadratmeter große Gelände errichtet werden. Im Sommer oder Herbst soll dann der Bau des eigentlichen Tempelgebäudes beginnen, die Fertigstellung wird für Herbst 2019 anvisiert. Der Bau werde rund 400.000 bis 500.000 Euro kosten, sagt Gemeindemitglied Pathmanathan.

Rund 400 Mitglieder in Bremen

Für Alexander Künzel, Vorstand der Heimstiftung, ist die hinduistische Gemeinde, die in Bremen rund 400 Mitglieder zählt, ein „ganz willkommener Partner mit respektablen Leuten“. Er sei froh, dass die Gemeinde nicht „in irgendein Industriegebiet“ ziehen müsse und betont: „Sie und ihre Tempel gehören zu uns wie Kirchen und Moscheen.“ Der Hindu-Tempel werde einer von vielen Farbtupfern auf dem insgesamt etwa 100.000 Quadratmeter großen Gebiet, auf dem eine sozial-ökologische Siedlung entstehen soll. „Das Spannendste ist der Turm. Er darf zwölf Meter hoch sein“, sagt Künzel.

Sollte alles glatt gehen, wird es ein Wiedersehen mit „Madel“ geben. Sie und Landwirt Imhoff sind zur geplanten Eröffnung jetzt schon eingeladen worden. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Imhoff und streichelt „Madel“ den Kopf. Mit einem kräftigen „Muh“ stapft die Kuh zurück auf den Hof.

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