„Oldtimer Day“: Geschichten um Borgward, Corvette und mehr

Bremen: Hauch von weiter Welt

Parade am „Oldtimer Day“ mit einigen rollenden Schätzchen an der unteren Schlachte – direkt an der Weser.
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Parade am „Oldtimer Day“ mit einigen rollenden Schätzchen an der unteren Schlachte – direkt an der Weser.
  • Martin Kowalewski
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Bremen – Ein Hauch von großer weiter Welt in der Obernstraße: Die Interessengemeinschaft US-Car-Freunde ist mit einigen Autos gekommen. Besonders schnittig ist die Corvette C3, mit der Dieter Kühn (58) und Sabine Viebrock (59) aus Bremen vorgefahren sind.

Der „Oldtimer Day“ am Sonnabend in Bremen, organisiert von der City-Initiative, war mit gut 60 rollenden Schmuckstücken – verteilt in der Innenstadt – ein Ersatz für die coronabedingt ausgefallenen „Bremen Oldtimer Classics“.

Die Corvette von General Motors, Baujahr 81, aber in den späten 60ern entwickelt, würde mit ihrer spitzen und äußerst aerodynamischen Form eine gute Figur in Action- oder Agentenfilmen machen. Mit 202 PS erreiche sie 180 „Sachen“. Sie sei nicht so auf Endgeschwindigkeit hin gebaut, sagt Kühn „Am besten, man fährt 90 auf der Landstraße.“ Eine Besonderheit: Die Karosserie ist nicht aus Metall, sondern aus GFK, glasfaserverstärktem Kunststoff. Bei so einem Auto habe man keine Chance, mit Werkzeug in Zentimetergröße, sondern brauche Werkzeug in Zoll, sagt Kühn.

Gleich nebenan steht das Gegenteil: ein großer, schwerer, breiter US-Schlitten vom Typ Pontiac GTO von 1967, 400 PS stark. Damit ist Heiko Bolte (49) aus Bremen gekommen. Er sagt, er habe das Auto per Zufall 2018 in Kalifornien entdeckt und den Vorbesitzer drei Wochen lang überredet, es ihm zu verkaufen. Er setzt sich ins Auto und zeigt die Schaltung für das Drei-Gang-Getriebe. Diese trägt die heute belustigend wirkende Bezeichnung „His-and-hers-shifter“, eine Gangschaltung für „sie“ und „ihn“ mit Umschaltmöglichkeit. Für die Frau sei die Automatik gedacht, sagt Bolte, für den Mann die Einzelgangschaltung.

„Oldtimer Day“ in Bremen: Nur 355 Borgward Hansa 2400 Pullman gebaut

Ein Passant (84) aus Lilienthal betrachtet die Corvette und die anderen Autos. Er vermutet, dass es für die großen unter den Fahrzeugen wohl keine passenden Garagen gibt. Er findet die Oldtimer aber interessant und hat sich auch schon einige Borgwards angeschaut.

Norbert Hilker (57) aus Lohne steht mit seinem Borgward Hansa 2400 Pullman aus dem Jahr 1956 auf dem Marktplatz. „Davon wurden nur 355 Stück gebaut“, sagt er. Eine Besonderheit: die „Selbstmordtüren“. Sie gehen nach hinten auf. Gingen die Türen bei der Fahrt auf, würde der Fahrtwind sie weiter aufreißen statt sie zuzudrücken.

Hilker, Mitglied im Bremer Borgward-Club, erzählt, der legendäre Bremer Autobauer Carl Friedrich Wilhelm Borgward (1890 bis 1963) persönlich sei diesen Typ gefahren. Hilkers Wagen, einer von weltweit noch 33 dieses Typs, hat die gleiche Farbkombination, wie sie der Firmenchef hatte. Die große Limousine ist überall mit edlem Leder verkleidet, bietet jedem Mitfahrer einen Aschenbecher und hinten eine enorme Beinfreiheit.

„Oldtimer Day“ in Bremen: Parade an der Schlachte

Lutz Howald (77) zeigt seinen Borgward P 100 mit eleganten Rundungen, Baujahr 1960 mit sechs Zylindern, 100 PS stark, 1 400 Kilo Gewicht und immerhin 160 km/h schnell. Die Stoßdämpfung erfolge per Luftfederung. Ein Gummibalg sei mit Luft vollgepumpt, auf Stöße mit darauffolgendem Überdruck reagierten Ventile.

Am frühen Abend beteiligen sich etliche der gut 60 Oldtimer an der Parade zur und über die Schlachte. Einige Oldies bleiben an der unteren Schlachte stehen, darunter auch Dirk Proeger (56) aus Etelsen mit seinem VW Karmann Ghia Cabriolet, das auf VW-Käfer-Technik basiere. „Das ist seit 50 Jahren mein Traumauto. Meine Tante fuhr so eins, als ich sechs war“, sagt er. Das Cabrio von 1967 sei nicht in Wolfsburg, sondern bei der Firma Karmann in Osnabrück gebaut worden.

Übrigens: Für die „Bremen Oldtimer Classics 2021“ gibt es bereits einen Termin: den 26. Juni 2021.

Von Martin Kowalewski

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