Kein Baustopp in der Pandemie

Bremer Handwerk in der Coronakrise: „Mit einem blauen Auge davon gekommen“

So vielfältig wie das Handwerk ist, so unterschiedlich sind auch die Herausforderungen in der Coronakrise. Die Handwerkskammer Bremen berichtet, wie sich das Virus auf die Gewerke auswirkt.

  • Laut Handelskammer kommt das Handwerk in Bremen in großen Teilen gut durch die Coronakrise.
  • Kosmetiker, Friseure und Handwerksberufe in der Lebensmittelbranche leiden am stärksten unter der Pandemie.
  • 2020 sind weniger Lehrstellen im Handwerk besetzt als noch in den beiden Vorjahren.

Bremen - Grundsätzlich sei das Handwerk mit einem blauen Auge durch die Coronakrise gekommen, sagt Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen: „Stand jetzt, denn derzeit kann sich die ganze Situation von Tag zu Tag wieder ändern und einige Bereiche hat es bereits schwer getroffen.“ Denn die Coronakrise habe auch im Handwerk Verlierer gefordert: „Das Handwerk ist so vielfältig, deshalb wirkt sich die Krise auch so unterschiedlich aus.“

Vor allem Friseure und die Kosmetik-Branche hätten im Frühjahr am meisten mit der Corona-Situation gekämpft. Die Kosmetik-Betriebe seien als einziges Handwerk derzeit von den aktuellen Corona-Einschränkungen betroffen und damit bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Coronakrise. Außerdem hätten mehrere Handwerksbetriebe in der Lebensmittelbranche - im Gegensatz zu Supermärkten - mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. „Viele andere Berufe sind bisher glimpflich durch das Jahr gekommen, vor allem in den klassischen Handwerksberufen“, erklärt Thomas Kurzke.

Vor allem Handwerker im Bauwesen sind derzeit mit vielen Aufträgen versorgt.

Handwerk: Viele Aufträge im Bauwesen in der Coronakrise

Insgesamt sei das Handwerk im Bauwesen mit Aufträgen sehr gut ausgelastet, viele Unternehmen sprechen von Auftragsanfragen, die theoretisch für die nächsten fünf Jahre reichen würden. Doch diese Euphorie, kann Thomas Kurzke nur bedingt teilen: „In der Tat sind viele Unternehmen extrem gut ausgelastet, aber das ist auch nur eine Momentaufnahme“ und er ergänzt: „Von Behauptungen, fünf Jahre ausgelastet zu sein, würde ich abraten.“

Grund für die Zurückhaltung des Bremer Handwerkskammer-Präses sei vor allem das Kundenverhalten in der Coronakrise: „Einige Investitionen wurden zurückgenommen, da die Auftraggeber nicht genau wissen, wo die Reise in der Pandemie hingeht.“ Wenn es auf Dauer der gesamten Gesellschaft durch Corona finanziell schlechter gehe, werde weniger gebaut und konsumiert. Dann könnte die Krise auch das Handwerk treffen: „Deshalb müssen wir die Entwicklung der Situation genau beobachten.“ Von der Politik fühle man sich insgesamt gut eingebunden.

Laut Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen, kommt das Handwerk insgesamt gut durch die Coronakrise - jedoch mit Ausnahmen.

Im Corona-Arbeitsalltag habe sich laut Thomas Kurzke bereits ein funktionierender Ablauf eingespielt: „Die Hygienekonzepte gelten natürlich überall, die meisten Betriebe gehen sehr verantwortungsvoll damit um.“ Auf Baustellen würden - wenn erforderlich - Masken getragen werden und auch Desinfektionsmittel steht mittlerweile an der Tagesordnung. Doch besonders effektiv sei, dass verschiedene Gewerke oft nur noch alleine auf der Baustelle arbeiten würden: „Das ist dann ein fließender Prozess, bisher kann man nicht sagen, dass sich die Bauzeit dadurch verlängert hat.“

Keine Corona-Hotspots in Bremer Handwerksbetrieben

Für den Kunden ändere sich grundlegend kaum etwas: „Im Frühjahr waren Kunden und Arbeiter oftmals verunsichert, im Laufe des Jahres hat sich das wieder etwas gelegt“ erklärt Thomas Kurzke. Jedoch sei mit der zweiten Coronawelle wieder vermehrt Anspannung spürbar: „Ich denke, das ist keine spezielle Handwerks-Angelegenheit, das spürt man derzeit überall.“ Einen schweren Corona-Hotspot habe es bei Handwerksbetrieben in Bremen bisher nicht gegeben.

Einer der rundum positiven Effekte der Coronakrise sei laut Thomas Kurzke die Digitalisierung in den Betrieben: „Da geht es seit der Krise ordentlich voran.“ Auch Homeoffice stehe für einige Handwerksbetriebe in ihrer Büroarbeit mittlerweile auf dem Dienstplan. Durch technische Verbesserungen würden viele Abläufe deutlich schneller werden.

Ausbildung in Corona-Zeiten: Schwerer Rückschlag abgewendet

In Sachen Ausbildung haben die Handwerker in Bremen einen schweren Schlag noch abwendet, dennoch sieht die Situation in diesem Jahr etwas schlechter aus als in den Vorjahren: „Derzeit sind wir 9 Prozent unter dem Vorjahreswert, im Sommer waren es jedoch noch 30 Prozent weniger Neuverträge“, erklärt Thomas Kurzke.

Hauptgrund für den Rückgang seien ausbleibende Berufsorientierungs-Messen und abgesagte Praktika in den Betrieben gewesen. Doch mit einer Offensive, auch durch die Handwerkskammer Bremen und die Arbeitsagentur Bremen, konnten noch viele Stellen im Herbst nachbesetzt werden. Auf der Internetseite www.es-ist-deine-staerke.de bietet die Handwerkskammer eine Lehrstellenbörse für Bremen an: „Da kann man auch jetzt noch viele unbesetzte Stellen finden“, verrät Thomas Kurzke.

In einigen Berufen zeichne sich dennoch ein Trend ab, dass viele lieber studieren würden, als eine Ausbildung zu beginnen, obwohl die Übernahme Chancen laut Thomas Kurzke derzeit sehr gut stehen würden. Am stärksten betroffen sei die Kfz-Branche: „Die Umstellung der Verbrenner und die E-Mobilität sorgen für eine Verunsicherung, weil niemand so richtig weiß, wie sich die Branche entwickeln wird.“ Deshalb würden dort immer weniger Ausbildungsstellen besetzt werden.

Rubriklistenbild: © dpa/Hauke-Christian Dittrich

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