Gefahr durch Asbest?

Nach Großbrand im Bremer Industriehafen: Große Verunsicherung bei Feuerwehr und Polizei

Großeinsatz im Industriehafen. Foto: DPA/SCHULDT
+
Großeinsatz im Industriehafen.

Nach dem Großbrand im Industriehafen Bremen ist die Verunsicherung unter Feuerwehrleuten und Polizisten groß. Schließlich sind Asbestrückstände gefunden worden.

Update, 23. Mai: Nach dem Großbrand am Industriehafen in Bremen hat die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert, dass eingesetzte Polizisten nicht genug vor Asbestbelastung geschützt worden sind. Tests der Feuerwehr hätten ergeben, dass die gesamte Einsatzbekleidung und alle Fahrzeuge kontaminiert gewesen seien, kritisierte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Jürn Schulze, in einer Mitteilung vom Samstag.

„Wir hatten der Polizeiführung vorgeschlagen, am Einsatzort getragene Kleidung beproben zu lassen“, sagte Schulze. Nach dem Einsatz Ende April habe niemand dafür gesorgt, dass die Kleidung der Polizisten von übriger Wäsche in den Haushalten sicher getrennt worden sei. Ein vollständiger Austausch aller Uniformteile sei nun die einzige Lösung. Außerdem müssten auch die am Brandort eingesetzten Polizeifahrzeuge untersucht werden. „Es ist doch ein Irrsinn, zu glauben, dass bei der Feuerwehr alles kontaminiert wurde, bei der Polizei aber nicht.“

Ende April hatte die Feuerwehr mehrere Tage gegen das Feuer in zehn Lagerhallen gekämpft. Danach gingen rund um den Brandort Asbestbruchstücke nieder. Ein Sprecher der Senatorin für Gesundheit sagte damals, die Stücke seien überwiegend im Umkreis von 200 bis 300 Metern rund um den Brandort gesichtet worden, sie seien so groß wie Münzen und sollten weder aufgehoben noch zerbrochen werden. Eine Gesundheitsgefährdung gehe davon aber aktuell nicht aus, hieß es damals. (dpa)

Großbrand in Bremer Industriehafen: Verunsicherung unter Feuerwehrleuten

Originalmeldung, 19. Mai

: Bremen - Wie gefährdet waren die Rettungskräfte beim

Großbrand

am 28. April im

Industriehafen Bremen

durch Asbest in den brennenden Hallen? Die Verunsicherung bei den Feuerwehrleuten ist groß. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass die Einsatzleitung die Kräfte nicht richtig über die Gefahren informiert hat und eine Kontamination in Kauf genommen wurde. Dem widerspricht das zuständige Innenressort entschieden. Es habe zwar an einer Stelle einen Fehler in der Kommunikation gegeben. Dennoch habe es aufgrund verschiedener Schutzmaßnahmen keine Gefährdung der Feuerwehrleute durch Asbest gegeben.

Nach Großbrand in Bremen: Umfassende Aufklärung gefordert

Das Feuer im Industriehafen in Bremen-Gröpelingen war Ende April aus bisher unbekannter Ursache ausgebrochen. Die Rauchsäule war weit über Bremen hinaus sichtbar. Die Flammen vernichteten zehn Hallen, Holz, Verpackungsmaterial und diverse Fahrzeuge. Ein Mitarbeiter und ein Feuerwehrmann wurden verletzt. Die Feuerwehr verhinderte auf dem riesigen Areal ein Übergreifen des Brandes auf weitere Hallen. Der Einsatz mit insgesamt etwa 850 Kräften dauerte bis zum 1. Mai.

Der Großeinsatz in der Louis-Krages-Straße habe bei vielen Kräften zu einer großen Verunsicherung geführt, sagte die Gewerkschaft Verdi. Sie fordert eine umfassende Aufklärung von der Feuerwehr-Leitung. Bis zum Schluss des fünftägigen Einsatzes hätten die Kräfte nicht gewusst, dass große Mengen Asbest an der Einsatzstelle freigesetzt worden seien. Klaus Schmitz, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe, befürchtet, dass etliche Einsatzkräfte mit Asbest kontaminiert worden sind. Es entstehe der Eindruck, dass den Feuerwehrleuten bewusst Informationen vorenthalten worden seien. Verdi forderte schnelle Aufklärung.

Großbrand im Bremer Industriehafen: Kommunikation hat gehakt

Feuerwehrchef Karl-Heinz Knorr meldete sich über die Feuerwehr-Gewerkschaft zu Wort und versprach, dass vorsorglich die komplette Schutzkleidung, Stiefel und Fahrzeuge speziell gereinigt werden sollen. Und so wird jetzt verfahren, versicherte Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innenressorts. Die Kosten dafür: 200.000 Euro. 

Inzwischen ist auch klar, dass es an einer Stelle in der Kommunikation gehakt hat. So habe Einsatzleiter Knorr seine Leute bei der Übergabe am Nachmittag informiert, dass es an einigen Hallen im südlichen Bereich ein Asbest-Problem in den Wänden gebe und die Einsatzstelle nass gehalten werden müsse. Das sei auch geschehen. Allerdings sei die Info nicht an alle Einsatzkräfte weitergegeben worden, so dass einige mit der möglicherweise kontaminierten Kleidung in die Fahrzeuge gestiegen seien. Von Asbest in den sanierten Dächern sei zu dem Zeitpunkt nichts bekannt gewesen.

Nach Feuer in Bremen: Feuerwehrleute wohl nicht gefährdet

Und dieser Punkt ist laut Gerdts-Schiffler bis heute nicht geklärt, die Untersuchungen liefen noch. Inzwischen wissen die Beteiligten allerdings dank eines Hinweises aus dem Gewerbeaufsichtsamt, dass in anderen sanierten Hallendächern auf dem Areal (die nicht brannten) noch Asbest stecke. An der Gefahreneinschätzung ändere das nichts, so die Sprecherin. Die Feuerwehrleute seien während des Großbrandes nicht gefährdet gewesen, da sie wegen der Hitze der Flammen großen Abstand gehalten und Atemschutz getragen hätten.

Zudem seien mögliche Asbestfasern mit der Rauchwolke in große Höhen gerissen, die Hallen nass gehalten worden. Die eingesetzten Polizeibeamten seien weit genug entfernt von der Brandstelle gewesen. Zudem, und das waren auch Forderungen der Gewerkschaften, sollen laut Gerdts-Schiffler alle Feuerwehrleute namentlich in die Zentrale Expositionsdatenbank (ZED) der Deutschen Gesetzlichen Unfallkasse eingetragen werden. Bei einem eventuellen Auftreten einer Berufskrankheit sei der Einsatz damit auch noch Jahrzehnte später dokumentiert.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Von Black Power bis George Floyd: Sport als politische Bühne

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Wolle, Wärme und Wandern im Sarntal

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Bürgermeister lobt Digitalstrategie

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Drogen, Lügen und ein geklautes Auto: Polizeikontrolle mit Überraschungen in Bremen

Anders lernen

Anders lernen

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Volker Lohrmann: „Wir reden über die breite Masse“

Kommentare