„Bremen global“: Übersee-Museum verabschiedet Historiker Roder mit Buch

Tradition und Veränderung

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Kekse, Chips, Süßigkeiten, Zeitschriften und jede Menge Gewürze: Dr. Hartmut Roder im Gewürzladen aus dem südindischen Madurai, der seit 2015 in der Asien-Ausstellung des Übersee-Museums steht.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das ist heimlich entstanden“, sagt Dr. Hartmut Roder. Der Historiker, lange Leiter der Abteilung Handelskunde des Übersee-Museums, hat sich jüngst mit einer Fotoausstellung über Bremens Häfen in den Ruhestand verabschiedet. Piraten, Schokolade, „Handelsstadt am Fluss“ – mit so publikumswirksamen wie -trächtigen Ausstellungen hat er das Museum über Jahre geprägt.

Und nun so ein Satz: „Ich hatte keine Ahnung.“ Was da in den vergangenen Monaten heimlich entstanden ist? Die neue Ausgabe des Museums-Jahrbuchs, der neue Band der Reihe „Tendenzen“ also. Mit dem Titel „Bremen global“ ist das 168-Seiten-Werk (Preis: 12,80 Euro), das René Paul Niemann herausgegeben hat, praktisch Roder und Roders Wirken gewidmet.

Kaleidoskop der Handelskunde

Denn es rückt einmal mehr Roders zentrale Themen in den Fokus, wie Professorin Wiebke Ahrndt, die Direktorin des Hauses, sagt. Niemann hat den Band dazu in drei Teile gegliedert: „Bremer Waren – auf dem Weg in die Zukunft“, „Menschen und Motivationen – Bewegung um die Welt“, „Kultur – schaffen, bewahren, aufarbeiten“.

Unter diesen Überschriften öffnet sich ein Kaleidoskop der Handelskunde. Einmal mehr geht es auf die Reise von der alten Handelsstadt in den so globalisierten wie entfesselten Welthandel – eine Reise, bei der nur die Veränderung beständig ist. Was von den Traditionen bleibt, ist zuweilen nur die Erinnerung. Erinnerung an Zeiten zum Beispiel, in denen es im Hafen brummte, wenn Kaffeesäcke, Tabakladungen und Baumwollballen kamen.

Faserinstitut gibt der Baumwollstadt Bremen Weltgeltung

Waren, die Bremen reich gemacht haben. Waren, die hier verladen und gelagert, gehandelt und verarbeitet wurden. Gehandelt wird etwa mit Baumwolle noch immer. Aber der Rohstoff kommt dazu längst nicht mehr nach Bremen. Wozu auch, wenn mit der Hilfe zeitgenössischer Kommunikationstechnik über Preis und Käufer entschieden wird.

1991, als Roder am Übersee-Museum anfing, war das noch anders. Nicht mehr so wie in den 60ern, in der Vor-Container-Zeit, aber eben auch anders als heute. „Baumwolle verbindet Bremen mit der Welt“, heißt es im Jahrbuch des Museums. Weltgeltung hat etwa die Baumwollbörse, hat die Baumwollstadt Bremen durchaus noch – durch das Faserinstitut, wie Roder sagt.

Das alte Handelsgut Tabak hingegen sei „eines der inkriminiertesten Produkte überhaupt“ geworden. „Verdrängt in die Randbereiche der Welt.“ Jedenfalls von Bremen aus betrachtet. . . Roder: „Russland und China, das sind heute die großen Raucher.“ Und Bremen? Hat sich als Tabakstandort in einem Nischenmarkt gehalten – bei den Zigarren. Bleibt die Frage, wie lange noch.

Logistik, Migration, Marinemalerei – viele Themen sind es, die die Autoren des Bandes erörtern. Ein Beitrag beschäftigt sich mit Geschichte und Entwicklung der Handelskundeabteilung des Museums, in der es durchaus massive Instrumentalisierungs- und Einflussnahmeversuche gegeben hat – zum Beispiel durch Unternehmen. Auch auf Roders Werk und Wirken wird geblickt.

Und auf bremische Unternehmen wie die Vulkan-Werft. Der Vulkan, so Roder, sei „zum Riesenkonzern aufgeblasen“ worden und dann „in sich zusammengefallen“. Beim Versuch, ein „internationaler Player“ zu werden, habe man sich „übernommen“. Roder ist überzeugt: „Das Unternehmen hätte nicht kaputtgehen müssen.“

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