Bis zu 32 Millionen Euro Jahresverlust sind möglich

Gesundheit Nord: Defizit wächst in rasantem Tempo

Der neue Haupteingang des Klinikums Bremen-Mitte an der St.-Jürgen-Straße ist eröffnet. Durch die weiße Rotunde gelangt man direkt in den Neubau. Der Umzug läuft aktuell „planmäßig und hervorragend“. Das Defizit der Klinikholding Gesundheit Nord hingengen steigt womöglich weiter an. Foto: ESSER.

Bremen - Von Jörg Esser. Der kommunale Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) mit seinen vier städtischen Krankenhäusern Mitte, Ost, Nord und Links der Weser hängt am finanziellen Tropf des Landes. Und immer höhere Millionenbeträge fließen in die Häuser.

Das prognostizierte Defizit steigt in beachtlichem Tempo: Wurde Anfang Oktober noch mit Verlusten von 17,7 Millionen Euro für das Jahr 2019 gerechnet, so wird jetzt ein Minus von 27,8 Millionen Euro erwartet. Mindestens. Läuft unter anderem beim Umzug in den Teilersatzneubau nicht alles glatt, steigen die Verluste weiter an – im schlimmsten Fall auf rund 32  Millionen Euro, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) auf der Sitzung der Gesundheitsdeputation. Sie kündigte eine schonungslose Analyse der Situation bei der Geno an: „Ich stelle alles infrage.“

Der Vorstand der Geno war erneut zum Rapport bestellt. Jutta Dernedde, seit mehr als sieben Jahren Geno-Chefin, sagte: „Innerhalb weniger Wochen eine Prognose nach unten korrigieren zu müssen, fällt schwer.“ Doch die Anfang des Monats vorgelegten Zahlen basierten auf der August-Abrechnung. Und dann habe der September eine weitere Verschlechterung gebracht und sei „weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben“. Probleme, die der Geno „schwerer zu schaffen machen“, habe man jedenfalls identifiziert: gesperrte Betten und OP-Säle, nicht vorhandenes Personal wegen Fachkräftemangels.

Die Deputation jedenfalls zeigte eher wenig Verständnis für den rasanten Sinkflug. „Das ist absolut unnachvollziehbar“, sagte Senatorin Bernhard. Magnus Buhlert (FDP) sprach von einem „Fass ohne Boden“. Die neuen Zahlen seien ja nicht die erste negative Überraschung in Millionenhöhe, die der Deputation präsentiert werde.

Lösungen für die finanzielle Schieflage werden gesucht. „Die Analyse ist nicht ganz unkompliziert“, sagte Bernhard. Die bisher von der Geno-Spitze vorgestellten Maßnahmen reichten nicht aus. Es gebe ein „Sammelsurium von Ursachen“. Sie forderte schonungslose Offenheit, kündigte Gespräche mit Krankenhausdirektoren und Betriebsräten sowie eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung an. „Ich denke, dass allen klar ist, was auf dem Spiel steht“, sagte Bernhard. „Wir brauchen einen Klinikverbund, der in Zukunft überlebensfähig ist.“ Alle vier Standorte sollen erhalten werden, auch daran besteht Einigkeit.

Rainer Bensch (CDU) brachten einen externen Sanierer als Problemlöser ins Spiel: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Eine externe Begutachtung werde geprüft und „steht auf der Liste“, so die Senatorin. „Es ist höchste Zeit zu handeln“, sagte FDP-Mann Buhlert. Und: „Wir müssen mit Fehlern offen umgehen.“ CDU und FDP wollen jedenfalls alle Bremer Krankenhäuser in die Zukunftsplanung einbeziehen. Buhlert: „Wir müssen durch den Sturm.“ Bremen werde nicht darum herumkommen, bestimmte Leistungen an bestimmten Krankenhäusern streichen zu müssen.

Zumindest eine gute Nachricht verkündete die Geno-Führung doch: Der Umzug von Intensivstation und OP-Sälen in den Neubau laufe derzeit „planmäßig und hervorragend“. 360 von 818 Betten seien bislang umgezogen. Die Radiologie folge im November, weitere Stationen bis Ende Februar und bis Ende 2020 auch die Kinderklinik. Und läuft es weiter glatt, muss womöglich kein neues Defizit verkündet werden. Die Senatorin: „Das Prinzip Hoffnung hat in den Prognosen nichts zu suchen.“

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