SPD kämpft gegen Umfragewerte

Interview mit Carsten Sieling: „Bremen geht es wirtschaftlich gut“

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Bürgermeister Carsten Sieling beim Interview in seinem Dienstzimmer im Bremer Rathaus.

Bremen – Mal ist es ein Kopf- an-Kopf-Rennen, mal liegt die CDU leicht vor der SPD – wie jetzt im neuen ZDF-Politbarometer, das den Bremer Sozialdemokraten für die Bürgerschaftswahl am 26. Mai deutliche Verluste prognostiziert. Spitzenkandidat der Bremer SPD ist Bürgermeister Carsten Sieling. In der Reihe unserer Spitzenkandidaten-Interviews gibt er sich kämpferisch.

Herr Sieling, Umfragen lassen es möglich erscheinen, die SPD könnte am 26. Mai nur zweitstärkste Kraft werden. Sind Sie auf Abschiedstour?

Nein, ganz und gar nicht. Ich bin viel unterwegs in Bremen und Bremerhaven – weil ich dafür kämpfe, dass die SPD wieder stärkste Partei wird und ich Bürgermeister bleibe.

Was machen Sie am 27. Mai, dem Tag nach der Wahl?

Da werde ich morgens zum SPD-Parteivorstand nach Berlin fahren, um zusammen mit der Europa-Spitzenkandidatin Katarina Barley die hoffentlich guten Wahlergebnisse der SPD zu feiern. Und danach geht’s schnell wieder nach Bremen zurück.

Nennen Sie mir bitte – politisch gesehen – drei Dinge, die Sie im Land Bremen sofort ändern würden, wenn Sie es denn alleine entscheiden könnten!

Wenn ich ganz alleine entscheiden dürfte, würde ich erstens den Wohnungsbau noch stärker vorantreiben und so dafür sorgen, dass die Mieten bezahlbar bleiben. Zweitens: für Kindergärten und Schulen sofort 500 Erzieherinnen und Lehrer einstellen. Drittens würde ich bremische Unternehmen dazu bewegen, dass sie alle einen Auszubildenden mehr einstellen.

In der „Bild“-Zeitung haben Sie gesagt, Sie hätten Bremen „wachgeküsst“. Woran merkt man das?

Das war der Phantasie des Redakteurs geschuldet. Es ging darum, dass Bremen angeblich schläft. Und das ist schlicht falsch. Bremen ist schon lange hellwach! Das merkt man auch daran, dass es Bremen wirtschaftlich richtig gut geht.

Schon gelesen? Unser Ticker im Vorfeld der Bürgerschaftswahl

Probleme an Schulen, Ärger über Staus, Wohnungsnot trotz SPD-Regierung – wieso sollten die Bremer trotzdem wieder SPD wählen?

Seit 2015 sind 20. 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Bremen ist wirtschaftlich die Nummer 1 im Norden und die Arbeitslosigkeit sinkt. Während in Berlin über Enteignungen von Wohnungsbaugesellschaften gestritten wird, haben wir die Brebau gekauft, um den Mietern Sicherheit und stabile Mieten zu gewährleisten. Wir haben die Finanzen des Landes in Ordnung gebracht und können wieder investieren: in Schulen, Straßen und neue Arbeitsplätze. Und gerade im Bildungsbereich haben wir in den letzten beiden Jahren eine Menge vorangebracht. Wir haben über 3.000 neue Kitaplätze geschaffen, die Bildungsausgaben um 200 Millionen Euro erhöht und bilden wieder verstärkt Erzieherinnen und Erzieher und Lehrerinnen und Lehrer aus. Es gibt viele gute Gründe, die SPD zu wählen.

Sie haben Schwachhausen und Oberneuland im Fernsehen als „problematische Stadtteile“ bezeichnet – würden Sie diese Antwort so noch einmal geben?

Ja, denn mich nervt das total – diese Frage nach schwierigen Quartieren wird immer mit dem Ziel gestellt, bestimmte Stadtteile zu nennen. Mich ärgert diese Debatte schon lange, weil dadurch die Herausforderung verdeckt wird, dass wir alle gemeinsam in allen Quartieren die Stärken entwickeln und den Zusammenhalt in den Stadtteilen und zwischen den Stadtteilen stärken müssen.

Lesen Sie auch: Alles Wichtige zur Bürgerschaftswahl

Der Live-Ticker zu allen aktuellen Ereignissen der Bremen Wahl informiert sie bis spät in die Nacht.

Wer kommt für Sie als Koalitionspartner infrage?

Erstmal wird gewählt. Und nach der Wahl werde ich mit allen demokratischen Parteien Gespräche führen. Die Koalition mit den Grünen war im Übrigen in den letzten Jahren sehr erfolgreich.

Ist auch Rot-Rot-Grün für Sie denkbar?

Nach der Wahl wird sich zeigen, was zusammenpasst.

Bremer Bürgerschaftswahl 2019: SPD im Plakat-Wahlkampf

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Was muss Bremen für die Innere Sicherheit tun?

Wir werden den Weg fortsetzen, den wir eingeschlagen haben, und verstärkt ausbilden für die Polizei, damit wir das Ziel von 2 .900 Polizisten erreichen. Und wir werden den neu geschaffenen Ordnungsdienst weiter verstärken.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von Bremen und dem Umland?

Ich finde, es ist eine große Chance für die gesamte Region, wenn wir vernünftig zusammenarbeiten. In den vergangenen Jahren sind wir da gut vorangekommen, das gemeinsame Gewerbegebiet Achim-West zeigt das sehr gut. Und das gilt auch für die Zusammenarbeit im Kommunalverbund, wo wir uns dem Thema Wohnungsbau gemeinsam für die Menschen in der ganzen Region stellen.

Die wichtigsten Spitzenkandidaten für das Wahlgebiet Stadt Bremen im Interview:

Zur Person: Carsten Sieling

Carsten Sieling wurde am 13. Januar 1959 in Nienburg geboren. Sein Vater war Arbeiter bei VW, seine Mutter Postangestellte. Sieling trat 1976 in die SPD ein. Er machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann und studierte über den zweiten Bildungsweg Wirtschaftswissenschaften. Das Studium war es auch, das ihn in den 80er Jahren nach Bremen führte. 

Sieling wurde Referent bei der Arbeitnehmerkammer und 1999 mit einer Arbeit über Rüstungskonversion als Mittel regionaler Strukturpolitik promoviert. Er war ab 1995 Bürgerschaftsabgeordneter und von 2005 bis 2009 SPD-Fraktionschef. Von 2009 bis 2015 saß er für Bremen im Bundestag. Der 60-Jährige ist seit 1999 mit Alexia Sieling verheiratet und hat drei Kinder, die elf, 16 und 23 Jahre alt sind. 

Auf die Frage nach seinen Hobbys nennt er als erstes: „Fahrradfahren – gerne, wenn ich Zeit habe, mit dem Rennrad.“ Weitere Hobbys? „Lesen und Abhängen.“ Gelesen hat Sieling, Präsident des Senats seit dem 15. Juli 2015, zuletzt unter anderem „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari, „Überlebenskünstler – 99 literarische Vignetten aus dem 20. Jahrhundert“ von Hans Magnus Enzensberger und „einen Krimi mit Commissario Montalbano“ (von Andrea Camilleri).

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