Heimbewohnerin in Lebensgefahr

Falsche Medikation: Staatsanwaltschaft klagt Pflegehelfer wegen versuchten Mordes an

Ein Pflegehelfer wird sich aller Voraussicht nach wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten müssen. Foto: kuz

Ein Pflegehelfer soll in Bremen zwei Bewohnerinnen eines Pflegeheims Medikamente verabreicht haben. Bremer Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erhoben.

  • Ein Pflegehelfer soll in Bremen zwei Bewohnerinnen eines Pflegeheims Medikamente verabreicht haben
  • Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes erhoben
  • Der Fall erinnert an den verurteilten Patientenmörder Niels Högel

Bremen – Die Bremer Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes gegen einen 39 Jahre alten Pflegehelfer erhoben. Dieser soll Ende März zwei Bewohnerinnen eines Pflegeheims in Bremen vorsätzlich Medikamente verabreicht haben, ohne dass es dafür eine medizinische Notwendigkeit gab. Neben versuchten Mordes lautet die Anklage auch auf gefährliche Körperverletzung.

Eine Bewohnerin sei in Lebensgefahr geraten, teilte Staatsanwältin Claudia Kück am Dienstag mit. Es werde nicht ausgeschlossen, dass es weitere Taten gibt. Die Ermittlungen laufen. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe wurde eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen „Lotus“ eingerichtet. Aus ihr ist inzwischen die Sonderkommission „Weser“ geworden, wie Polizeisprecher Nils Matthiesen am Dienstag auf Nachfrage sagte. Zehn Polizeibeamte untersuchen, ob es an früheren Arbeitsstellen des Pflegers womöglich ähnliche Vorfälle gab. Bei Bedarf werden Experten von außen hinzugezogen, sagte Matthiesen. Zu neuen Erkenntnissen gab es keine Angaben.

Bremen: Pfleger in 30 Heimen eingesetzt

Der Verdächtige arbeitete bei einer Zeitarbeitsfirma und war in gut 30 Einrichtungen eingesetzt worden. Im April wurde er festgenommen. Bei der Vernehmung gestand er, einer 75-Jährigen in einem Heim absichtlich unnötige Medikamente gegeben zu haben. Anschließend leitete er laut Staatsanwaltschaft Rettungsmaßnahmen ein. Die Seniorin kam ins Krankenhaus. Um welche Medikamente es sich handelte, wollten Staatsanwaltschaft und Polizei im April nicht sagen. Auch einer zweiten Bewohnerin soll der 39-Jährige medizinisch nicht indizierte Arzneimittel gegeben haben.

Heimbewohnerin in Bremen bekam falsche Medikamente

Bemerkt hatte die Ungereimtheiten die Bremer Klinik, in die die 75 Jahre alte Frau aufgrund extrem niedriger Blutzuckerwerte eingeliefert worden war. Die Klinik behandelte die Seniorin intensivmedizinisch, bis sich ihr Zustand stabilisierte. Den Medizinern war aufgefallen, dass die 75-Jährige Medikamente bekommen hatte, die gar nicht verschrieben worden waren. Das Krankenhaus schaltete die Polizei ein, Ermittlungen führten zum Krankenpfleger aus dem diakonischen Pflegezentrum Am Doventor. Das Pflegezentrum, Ende 2006 gegründet, gehört zu den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Hauptsitz in Bielefeld und zum Diakonischen Werk in Bremen. Es hat nach Angaben der Diakonie 93 Plätze und beschäftigt 61 Mitarbeiter.

Fall in Bremen erinnert an Patientenmörder Niels Högel

Der Fall erinnert an den verurteilten Patientenmörder Niels Högel, der am 6. Juni am Landgericht Oldenburg wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Er spritzte seine Opfer als Krankenpfleger in Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamenten zu Tode. Dabei brachte er Patienten in lebensbedrohliche Situationen, um sie zu reanimieren. Viele überlebten das nicht.  gn/dpa

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