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Frau stürzt von Motorhaube und stirbt: Haftstrafe für Ehemann

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Von: Steffen Koller

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Muss in Haft: Das Gericht hat den Angeklagten (2.v.l.) wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.
Muss in Haft: Das Gericht hat den Angeklagten (2.v.l.) wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. © Koller

Eine Frau stürzt von einer Motorhaube und stirbt. Jetzt ist gegen ihren Ehemann, der das Auto gefahren hat, das Urteil in einem Prozess vor dem Landgericht Bremen gesprochen worden.

Bremen – Vorsatz könne man ihm nicht unterstellen, und doch habe er falsch gehandelt: Das Bremer Landgericht hat am Mittwoch einen 38-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Haftstrafte von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Mann war im Juli vergangenen Jahres, obwohl sich seine Partnerin auf die Motorhaube seines Wagens gelegt hatte, losgefahren. Die 28 Jahre alte Frau stürzte daraufhin und zog sich tödliche Kopfverletzungen zu.

Frau stürzt von Motorhaube: Staatsanwalt fordert fünf Jahre Haft

Auch die Anklage plädierte kurz zuvor auf denselben Tatbestand, forderte jedoch eine Haftstrafe von fünf Jahren. Nach den Ausführungen von Staatsanwalt Martin Gwinner hat der 38-Jährige aus Pakistan den tödlichen Ausgang seines Handelns nicht einkalkulieren können. Somit liege auch kein bedingter Tötungsvorsatz vor, dessen Feststellung jedoch für eine Verurteilung wegen Totschlags nötig gewesen wäre. Entscheidend, das betonten sowohl Staatsanwalt Gwinner als auch die Kammer, sei die gefahrene Geschwindigkeit des Autos gewesen.

Nachdem mehrere Zeugen ganz widersprüchliche Angaben zum Beschleunigungsverhalten des Angeklagten gemacht hatten, sorgte ein extra für das Verfahren beauftragter Gutachter für Klarheit. Nach seinen Berechnungen könne das Auto maximal 30 km/h schnell gewesen sein. Dies ergebe sich nicht zuletzt aus den technischen Daten des Autos. 1999 gebaut, mit nur 60 PS und einem mangelhaften Gesamtzustand, könne der Wagen im ersten Gang maximal 30 km/h schnell gewesen sein, als die Frau heruntergeschleudert wurde und auf den Kopf prallte. Schaltvorgänge seien von keinem Zeugen wahrgenommen worden, das Gegenteil könne zugunsten des Angeklagten nicht angenommen werden, hieß es in der Urteilsbegründung.

Bremen: Tödlicher Streit um Handy

Bevor sich die Frau auf das Auto legte, war es zwischen dem nach islamischem Recht verheirateten Paar zum Streit um ein Smartphone gekommen. Der Mann hatte das Handy an sich genommen, die Frau wollte es zurück. Laut dem Vorsitzendem Richter Björn Kemper wäre es für den Angeklagten ein Leichtes gewesen, ihr das Handy einfach zurückzugeben. Stattdessen, auch das ergab das Gutachten, fuhr er mit der Frau auf der Haube rund 53 Meter die Straße entlang. Sobald der Mann losgefahren war, sei für die 28-Jährige ein „gefahrloses Absteigen vom Auto unmöglich“ gewesen. Dass daraus schwere Verletzungen resultieren können, „liegt auf der Hand“, so Richter Kemper. „Im Ergebnis“, sagte der Richter, „haben Sie Ihren gemeinsamen Kindern die Mutter, den Eltern ihre Tochter und den Geschwistern ihre Schwester genommen.“ Die Frau war ihren schweren Hirnverletzungen gut zwei Wochen nach der Tat in einem Krankenhaus erlegen.

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe

Nach Auffassung der Verteidigung hätte der Mann wegen fahrlässiger Tötung lediglich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden dürfen. Ihr Mandant habe weder stark beschleunigt noch ruckartige Lenkbewegungen oder Bremsmanöver vorgenommen. Daraus den Vorsatz einer Körperverletzung abzuleiten, sei „abwegig“, sagte Rechtsanwalt Sven Seelkopf.

Neben der Haftstrafe entzog das Gericht dem Mann bis auf weiteres seine Fahrerlaubnis. Vor Ablauf von drei Jahren darf er zudem keine neue erlangen. Der Haftbefehl bleibt ebenfalls in Vollzug: Die Kammer sieht, wie die Staatsanwaltschaft auch, Fluchtgefahr bei dem Angeklagten.

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