Verkehrsversuche - was die Planer mit der Stadttangente vorhaben

Bremen: Experiment Martinistraße

Alles dicht (hier aus aus Richtung Brill gesehen): Ab Sonnabend, 24. Juli, soll neben der ersten „Bremer Surfmeile“ auch ein Stadtgarten an der Martinistraße/Ecke Langenstraße Menschen in die Stadt ziehen.
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Alles dicht (hier aus aus Richtung Brill gesehen): Ab Sonnabend, 24. Juli, soll neben der ersten „Bremer Surfmeile“ auch ein Stadtgarten an der Martinistraße/Ecke Langenstraße Menschen in die Stadt ziehen.

Jetzt geht‘s los - die Aufbauarbeiten für grüne Spielwiese, Surfwelle und viel an Kultur laufen. Die Martinistraße in Bremen wird zum Reallabor - und ist für Autos zeit- und stellenweise tabu.

Bremen – Weniger Platz für den motorisierten Verkehr, mehr Fläche und Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer – die Vision der rot-grün-roten Bremer Regierung von einer autoarmen Innenstadt, sie soll bis 2030 Realität werden. Wie das konkret in Zukunft aussehen könnte, erprobt die Stadt nun am Beispiel der Martinistraße mit dem Reallabor „Transformartini“. Am Donnerstag stellte das Verkehrsressort samt Partnern die genauen Ideen vor.

Zugegeben: Die Idee, die Pressekonferenz direkt an die Martinistraße zu legen, sie hat in Teilen offengelegt, was die bunte Bremer Landesregierung seit langem kritisiert: hupende Autos, Lärm durch Poser, Roller, leistungsstarke und vor allem laute Dieselaggregate schwerer Lastwagen – die Geräuschkulisse ist mitunter ohrenbetäubend. Erholung? Eher nicht, aber wir befinden uns schließlich auch auf einer vierspurigen Hauptverkehrsstraße. Die vielzitierte Aufenthaltsqualität in Citynähe? Wohl kaum. Schätzungsweise 13 000 bis 16 000 Autos passieren die etwa 800 Meter lange Martinistraße täglich. Doch damit wird jetzt wohl für lange Zeit Schluss sein.

Transformartini: Platz zum Verweilen

Ab Sonnabend, 24. Juli, wird die vierspurige Tangente zum Reallabor für die Stadtplanung der Zukunft. Eine Stadt mit wesentlich weniger (motorisierten) Fahrzeugen, dafür mit Platz zum Verweilen, mit Plätzen für Kulturangebote und vielem mehr. So stellt sich das grüne Verkehrsressort das Vorhaben vor. Eine Auswertung nach Ende soll zeigen, was das Experiment wirklich gebracht hat.

Doch warum ausgerechnet die Martinistraße und keine andere Straße? Zum einen verstehe sie das Teilstück zwischen Tiefer und Am Brill als „Barriere zwischen Stadt und Innenstadt“, die das Experiment zu durchbrechen versuche, so Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Es gehe um Lärm- und Abgasreduzierung, um „alles, was klimafreundlich“ sei. Und dazu müsse eben der Autoverkehr verringert werden. Schaefer ist sich dabei sicher: „Die Martinistraße funktioniert auch mit reduziertem Verkehr.“

Martinistraße: Verkehrsversuch kostet 1,2 Millionen Euro

Ziel des „ganzheitlich angelegten“ Verkehrsversuchs, der rund 1,2 Millionen Euro kostet und bis zum 18. April 2022 läuft, solle sein zu schauen, „was funktioniert und was nicht“ – auch mit Bezug auf benachbarte Stadtteile, die von den Experimenten betroffen sein könnten. Doch daneben spiele auch „die Erlebbarkeit des Raumes“ eine zentrale Rolle, erklärte Susanne von Essen von der Agentur „Sternkultur“, die hinter den verschiedenen Veranstaltungen steckt.

„Sternkultur“ zeichnet dabei nicht nur für die erste „Bremer Surfmeile“ verantwortlich, sondern für das gesamte Rahmenprogramm. Mehrere dreieinhalb Meter hohe Türme bilden die Ankerpunkte auf dem Areal. Einer widmet sich dem Thema Natur, samt Insektenhotel, Strand und Erholungsinseln, andere den Bereichen Kultur, Bewegung und Begegnung. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Lichtinstallationen und Straßenkunst – das Programm soll Publikum aller Altersgruppen ansprechen.

Weiter in Planung ist neben einem Konzert am 19. September auf dem Dach des Parkhauses an der Langenstraße auch die Sperrung des Tunnels an der Tiefer für drei Tage, sagte Susanne von Essen. Wann und ob es tatsächlich zu einer Komplettsperrung kommt, blieb zunächst unklar.

Um den Menschen auch die Möglichkeit zum Verweilen zu geben, werden insgesamt 16 modular veränderbare sogenannte Citydecks in Parkbuchten aufgebaut, erklärte Robin Lang vom Mannheimer Architekturbüro „Yalla Yalla“.

Sitzen und entspannen: Robin Lang zeichnet für die Citydecks verantwortlich.

Mit Ende des gesamten Erlebnisraums im April 2022 hoffen die einzelnen Ressorts, Daten und Erfahrungen gesammelt zu haben, um über eine endgültige Planung der Martinistraße entscheiden zu können. Während das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) vorrangig Verkehrsflüsse auswerten werde, so Leiter Sebastian Mannl, sollen andere Behörden Meinungsbilder von Geschäftsleuten, Anwohnern und Touristen einholen. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist, das weiß Schaefer noch nicht. Heftige Kritik am Experiment kommt von Handelskammer, City-Initiative und Gastro-Verband Dehoga. Sie befürchten Umsatzeinbußen.

Verkehrsversuch Martinistraße: Vier verschiedene Phasen

Für die Zeit bis zum 18. April 2022 ändert sich die Verkehrsführung an der sonst vierspurigen Martinistraße grundlegend. In der ersten Phase, die bis zum 10. August läuft, wird der Mittelabschnitt auf Höhe Pieperstraße für Autos gesperrt. Das Parkhaus Langenstraße ist für diese Zeit ausschließlich über die Tiefer zu erreichen. Das Gleiche gilt für die östliche Seite der Langenstraße. Aus Richtung Brill kommend, heißt es für Autofahrer: umdrehen oder über den westlichen Teil der Langenstraße, an der die Einbahnstraßenregelung geändert wurde, zurück zur Bürgermeister-Smidt-Straße. Grundsätzlich sollen alle Grundstücke erreichbar bleiben, hieß es. Ausnahmegenehmigungen, für beispielsweise besonders große Lastwagen, sind möglich. Im weiteren Verlauf sollen vom 11. August bis 21. November zwei weitere Phasen mit jeweils einspurigem Zweirichtungsverkehr und einer Teileinbahnstraße erprobt werden. Vom 22. November bis April 2022 gelten die Regeln der ersten Phase. Über den gesamten Zeitraum ist das Tempo auf 20 km/h reduziert. Mehr unter „www.erlebnisraum-martinistrasse.de“.

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