Einweihung des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks

Flexible Produktion in großer Dimension

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Das ist es, das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Oslebshausen. Hauptanteilseigner ist die SWB AG, die in der Deutschen Bahn einen Hauptabnehmer für den Strom gefunden hat. Das 450 Millionen Euro teure Kraftwerk ist am Freitag offiziell eingeweiht worden.

Bremen - Es ist der größte Bremer Kraftwerksblock und finanziell bundesweit eines der größten Projekte auf diesem Sektor: das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD). Nach sechs Monaten Regelbetrieb ist das GuD am Freitag mit mehr als 200 Gästen offiziell eingeweiht worden. 450 Millionen Euro hat die Gesellschaft Gemeinschaftskraftwerk Bremen (GKB) in das Projekt investiert. Hauptgesellschafter ist der Bremer Energieversorger SWB mit 51,76 Prozent.

Die Einweihung auf dem Gelände von Arcelor-Mittal in Oslebshausen übernahm Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). „Für den Wirtschaftsstandort Bremen ist diese Investition in Höhe von rund 450 Millionen Euro eine nachhaltige Stärkung. Der Kraftwerksneubau leistet sowohl einen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze in Bremen als auch einen spürbaren Anteil zur Energiewende“, betonte Sieling.

Das Kraftwerk, kurz GKB, ist sei Dezember 2016 im Regelbetrieb am Netz und hat laut SWB seitdem – mit wenigen Unterbrechungen – Strom für den Markt geliefert. Dabei sei den Betreibern die „günstige Marktlage“ entgegengekommen. Aufgrund der schwierigen Situation der Kernkraftwerke in Frankreich in Verbindung mit dem dortigen kalten Winter habe es einen erhöhten Strombedarf gegeben. Hinzu sei zudem unter anderem der Strombedarf durch die Deutsche Bahn gekommen. Das GKB lohne sich auch wirtschaftlich, sagt SWB-Vorstand Torsten Köhne. „Wir haben bereits im ersten Quartal 2017 die ursprünglich für das gesamte Jahr geplante Menge produziert und verkauft“, freute er sich. Eine verlässliche Prognose für das Jahr wollte Köhne jedoch nicht geben. Denn: „Letztlich tun wir genau das, wofür wir mit dem Kraftwerk angetreten sind: Wir produzieren sehr flexibel und gleichen fehlende regenerative Energie im Netz aus.“ Köhne betonte, wie wichtig Gaskraftwerke für eine erfolgreiche Energiewende seien, monierte aber fehlende politische Rahmenbedingungen, um solche Anlagen nachhaltig wirtschaftlich abzusichern.

Mit knapp 3000 Betriebsstunden seit dem Start und rund einer Million Megawattstunden (MWh) Strom aus der neuen Anlage sind die Unternehmen des Konsortiums „sehr zufrieden“, wie es heißt. Das GKB hat eine elektrische Leistung von rund 445 Megawatt (MW) netto. Insgesamt kann das Kraftwerk jährlich 1,8 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren. „Das entspricht dem Jahresverbrauch aller Haushalte einer deutschen Großstadt“, so Köhne.

Wesentliche Teile der Kraftwerkskapazität stehen über einen gesonderten Vertrag für die Versorgung der DB Energie, dem Energiedienstleister der Deutschen Bahn, zur Verfügung. Rund 45 Prozent der Leistung gehen auf diesem Wege direkt an die Bahn. Diese verlässt sich seit 1964 auf elektrische Energie aus Bremen. Köhne: „Jeder zehnte Zug bundesweit fährt mit Strom der SWB.“

Zu den fünf Unternehmen, die sich 2011 für das GKB zusammenfanden, gehören neben der SWB Mainova (25,1 Prozent), Tobi Gaskraftwerksbeteiligung (16,19 Prozent), Ovag Energie (4,95 Prozent) und DB Energie (2 Prozent).

Ein Konsortium aus der US-amerikanischen Firma General Electric und dem spanischen Unternehmen Cobra hatte mit dem Bau im Jahr 2011 begonnen. Eigentlich sollte das Kraftwerk längst fertig sein, doch es gab im Ablauf Verzögerungen, so dass es laut SWB zu einer Verspätung von rund drei Jahren kam. Den Angaben zufolge fehlten Werkstoffzertifikate für die Kühlturm-Struktur, so dass die aus Profilen zusammengesetzte Tragkonstruktion komplett neu erstellt werden musste. Zum anderen mussten aufgrund von Rissen einige Sammler des Kessels ausgetauscht werden, wie Matthias Schaup sagte, der in der Errichtungsphase als Geschäftsführer des GKB verantwortlich war. 

Effiziente Nutzung

Ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) nutzt seinen Brennstoff besonders effizient aus, sagt die SWB AG. Die unter Hochdruck stehenden heißen Abgase, die bei der Verbrennung von Erdgas frei werden, treiben zunächst eine Turbine an, vergleichbar mit einem Flugzeugtriebwerk. Die heißen Abgase nutzt das Kraftwerk anschließend weiter aus, um Wasser zu Dampf zu erhitzen, mit dem eine Dampfturbine angetrieben wird. „Mit dieser Doppelnutzung erreicht ein GuD-Kraftwerk den höchsten Wirkungsgrad unter den fossil betriebenen Stromerzeugungsanlagen – mehr als 58 Prozent“, so die SWB. Kohleanlagen auf dem neuesten Stand der Technik bieten den Angaben zufolge einen Wirkungsgrad von etwa 45 Prozent. 

gn

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