Sven Voelpel und die „Jungbrunnen-Formel“

Einfach jung bleiben: Was dieser Altersforscher rät und welche Tipps er dafür parat hat

Kraftakt: Altersforscher Sven Voelpel liegt der Bibliothek der Jacobs-Universität in Bremen-Grohn auf den Lehnen eines Stuhls (und hält sein neues Buch in den Händen). Das erfordert Bauchmuskeln und Körperspannung.
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Kraftakt: Altersforscher Sven Voelpel liegt der Bibliothek der Jacobs-Universität in Bremen-Grohn auf den Lehnen eines Stuhls (und hält sein neues Buch in den Händen). Das erfordert Bauchmuskeln und Körperspannung.

Wenn er in Talkshows auftritt, sind alle ganz Ohr: Sven Voelpel, Professor an der Bremer Jacobs-Uni, forscht zum Thema Alter. Und der Bewegungsfan hat Tipps auf Lager, wie man sich fit hält.

Bremen – Wie alt bin ich wirklich? Altersforscher Sven Voelpel, der eine Professur für Betriebswirtschaft an der Jacobs-Universität in Bremen-Grohn innehat, bietet in seinem neuen Buch „Die Jungbrunnen-Formel – Das Praxisbuch“ einen Test zur Ermittlung des biologischen Alters an und gibt konkrete und leicht umsetzbare Tipps, um dieses „zurückzudrehen“.

Ausgangspunkt sind sieben Faktoren: innere Einstellung, Ernährung, Bewegung, Schlaf, Atmung, Entspannung und soziale Kontakte. Beim Online-Test muss eine Reihe von Fragen beantwortet werden, dann bekommt man Ergebnis und Einschätzung. Und es gibt Auskunft darüber, um wie viel Jahre das biologische Alter mit einfachen Maßnahmen herabgesetzt werden kann.

Bremer Alterforscher Sven Voelpel: Potenzial ausschöpfen

Das könnten schnell mal 15 Jahre sein, sagt Voelpel. Es müsse nicht lange dauern, dieses Potenzial auszuschöpfen. Mitunter reichten dafür ein paar Monate, denn „Dinge auf zellulärer Ebene passieren schnell“, so der bundesweit bekannte Altersforscher. Das Altern des Menschen habe viel mit der Alterung der Körperzellen zu tun. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist das Altern auf zellulärer Ebene sogar eine Krankheit, sagt er. Voelpel ist kalendarisch 48, sein getestetes biologisches Alter liegt weit darunter, wo genau, das möchte er nicht verraten.

Kopfstand ist für Altersforscher Sven Voelpel kein Problem – hier vor der Jacobs Uni.

Wie weit kann das biologische Alter bei Menschen runtergehen? „Es sind locker 20 Jahre drin“, sagt Voelpel. „Studien zeigen, nicht rauchen und nicht übermäßig viel Alkohol trinken, das bringt 18 Jahre. Allein eine positive Einstellung bringt siebeneinhalb Jahre.“ Besonders viel Hoffnung machten Studien, die die Möglichkeit zur Umkehrung der Zellalterung aufzeigten.

Altersforschung: Bestandsaufnahme und Tipps

Um jeden der neuen Faktoren sollen sich die Leser – oder vielleicht besser gesagt: Nutzer und Nutzerinnen des Buches – eine Woche lang kümmern. Am Anfang steht jeweils eine Bestandsaufnahme. Dann werden die relevanten „Stellschrauben“ ermittelt und an ihnen gedreht. Es folgen Tipps für Montag bis Sonnabend, an jedem Tag ein Jungbrunnen-Tipp und ein Profi-Tipp. Dahinter ist im Buch Platz, damit die Leser ihre Erfahrungen mit dem jeweiligen Ratschlag und gegebenenfalls Alternativen notieren können. Sonntags wird die Woche anhand von Fragen reflektiert.

Die Übungen umzusetzen, soll Spaß machen. Man muss sich auch nicht an die Reihenfolge im Buch halten, sagt der Altersforscher, empfiehlt aber, die jeweiligen Wochen am Stück abzuarbeiten. Im Buch ist die erste Woche der Einstellung gewidmet, um eine gute Grundlage fürs Weitere zu schaffen. Zunächst wird geübt, den eigenen Körper wahrzunehmen, auch bei kurzen Gelegenheiten, etwa an der Kassenschlange.

Sven Voelpel: Sport in den Alltag integrieren

Sport soll einfach in den Alltag integriert werden. Ein Profi-Tipp ist, die Treppe im Park im Krebsgang hochzugehen, also auf allen Vieren, den Bauch nach oben. Etwas einfacher ist da schon der Sprint vom Parkplatz oder der Bushaltestelle nach Hause. Und auch für dort gibt es Vorschläge, etwa beim Abwaschen: Dabei lässt sich gut ein Bein im Wechsel nach hinten strecken. Oder auch: Kartoffeln in der Hocke schälen.

„Ich liebe Selbstexperimente“, betont Voelpel. „Wenn ich Studien lese, versuche ich, die praktisch umzusetzen.“ Natürlich hat er die Tipps im Buch selbst ausprobiert. Ihm gehe es gar nicht unbedingt darum, extrem alt zu werden. „Ich nutze sie, um fünf Leben gleichzeitig zu führen, vielleicht auch sieben“, sagt er.

Sven Voelpel bewegt sich viel, auch im Büro. Mit den Händen stemmt er sich an den Lehnen seines Stuhls in die Höhe und bewegt auch den Oberkörper etwas hin und her. Im Büro stehen Turnschuhe bereit. Der 48-Jährige zeigt weitere Übungen und läuft wie ein Bär auf Händen und Füßen. Das macht er auch auf der Treppe nach oben und noch intensiver runter. Dann bewegt er sich wie eine Echse, Kopf voraus, den Bauch nach unten etwas schlängelnd voran. Handstand und Kopfstand sind kein Problem für ihn. Er hat immer viel Sport getrieben. Seine besondere Leidenschaft ist Tanzen.

Forschung zum Alter: Atmung wird zu wenig beachtet

Ein interessanter Bereich ist die im Alltag eher wenig beachtete Atmung. Mit Übungen soll es zurückgehen zur Bauchatmung. Runter vom Stress geht es etwa mit Voelpels Atemübung „4711“. Die Übung: Beim Einatmen bis vier, beim Ausatmen bis sieben Sekunden oder Pulsschläge zählen, beides elf Atemzüge lang. Das soll beruhigen und auch beim Einschlafen helfen.

Die sieben Faktoren stammen aus Studien, Erfahrungen aus dem eigenen Leben und der Beratung von Menschen, so der Professor. Er hat unter anderem Leistungssportler wie Andrew Fiocco, Weltmeister 2018 im Bankdrücken in seiner Gewichtsklasse, beraten, damals einer seiner Studenten an der Jacobs-Uni. Er stemmte 140 Kilo bei einem Eigengewicht von 65,6 Kilo. Bei der Ernährung empfahl Voelpel Kurkuma, Ingwer, Chlorella- und Spirulina-Algen.

„Die Jungbrunnen-Formel – Das Praxisbuch“ ist als Taschenbuch (14 Euro) im Rowohlt-Verlag erschienen. Geplant ist eine „Jungbrunnen“-App. Am 17. November um 18 Uhr liest Voelpel im Wall-Saal der Zentralbibliothek Bremen, Am Wall 201. Der Eintritt ist frei. Der Alterstest steht kostenlos unter „www.svenvoelpel.com/de/alterstest“ zur Verfügung.

Sven Voelpel: Professor an der Bremer Jacobs-Uni

Sven Voelpel wurde 1973 in München geboren. Er hat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft und Sozioökonomie unter anderem an den Unis in Augsburg, Oxford und Harvard studiert. Nach seiner Promotion 2002 folgten Studien und Tätigkeiten an verschiedenen Business Schools und Universitäten, darunter Harvard und Oxford (Großbritannien). Seit 2004 ist Voelpel als Professor für Business Administration (Betriebswirtschaftslehre) an der privaten Jacobs-Universität in Grohn tätig. Er arbeitet im Bereich Business & Economics. Voelpel hat sich mit Veröffentlichungen zum Thema „Altern“ bundesweit einen Namen gemacht, ist des öfteren in Talkshows zu sehen. Er berät unter anderem die Bundesagentur für Arbeit und Daimler. Der 48-Jährige war Ideengeber der Ausstellung „Ey, Alter“ von Mercedes. Voelpel lebt er mit seiner Familie in Bremen. Privat liebt er Bewegung, Neues zu erleben, zu lernen, zu reisen und mit seinen Kindern zu toben. Und er tanzt gern, vor allem den brasilianischen Tanz Zouk, die moderne Form des Lambada.

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