Erst 17 Jahre alt?

Brutaler Überfall auf Seniorin: Zweifel am Alter des Angeklagten

Schweigen zur Tat – und zum Alter: Wie alt sind Mestafa B. (Mitte) und sein mutmaßlicher Komplize Aberrahmane M. (links)?
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Schweigen zur Tat – und zum Alter: Wie alt sind Mestafa B. (Mitte) und sein mutmaßlicher Komplize Aberrahmane M. (links)?

Bremen – Wie alt war Mestafa B. wirklich, als er kurz hintereinander zwei Seniorinnen brutal überfallen, geschlagen, ausgeraubt und versucht haben soll, eine der Frauen zu vergewaltigen? Laut Gerichtsakten erst 17 Jahre. Doch die Zweifel daran mehren sich. Wie ein Beamter der Justizvollzugsanstalt (JVA) am Mittwoch vor dem Landgericht Bremen berichtete, erzählte der Angeklagte im Gespräch mit ihm etwas ganz anderes – und gab sein Alter als fast doppelt so hoch an.

Die Namen der beiden Angeklagten sind bekannt. Mestafa B. und Aberrahmane M. Doch darüberhinaus weiß die Kammer aktuell wohl nicht viel mehr über die beiden Männer, die Mitte Februar eine 73-jährige Rentnerin in ihrer eigenen Wohnung – als Paketboten verkleidet – ausgeraubt haben sollen. Zu Prozessauftakt schwiegen die Männer bezüglich ihres Geburtsdatums, auch ihre Herkunft ist nicht gänzlich geklärt (wir berichteten). Während Mestafa B., so sagen es die Akten des Gerichts, aus Algerien stammen soll und 17 Jahre alt sei, komme Aberrahmane M. aus Tunesien und soll 24 Jahre alt sein. Doch stimmt das?

Ein JVA-Beamter (41), der im Gefängnis längere Zeit mit B. zu tun hatte, berichtete der Kammer über ein Gespräch, das beide im März geführt hatten. Zentrales Thema: das Rauchen. B., der wohl vermehrt nachfragte, ob er rauchen könne (und aus Wut darüber, nicht zu dürfen, seine Gefängniszelle in Brand gesteckt haben soll), hatte nach Aussage des Zeugen in einem Vier-Augen-Gespräch sein Alter wesentlich höher angegeben. Nachdem B., so die Erzählung des JVA-Beamten, daraufhin hingewiesen worden sei, dass er aufgrund des Jugendschutzgesetzes nicht rauchen dürfe, soll dieser „mit einem Lächeln im Gesicht“ gesagt haben: „Ich bin am 19. Februar 1988 geboren.“ Also 33 Jahre alt. Für den Zeugen habe diese Aussage keinen Unterschied gemacht, nähere Untersuchungen habe er nicht angestellt. Er gehe stets nach den Akten und die besagten: Der Angeklagte ist 17 Jahre.

Doch für das Gericht, und auch B. selbst, spielt das Alter eine wesentlich zentralere Rolle: Drohen dem Angeklagten zum Beispiel bei einer Verurteilung wegen schweren Raubes und nach Erwachsenenstrafrecht mindestens fünf Jahre Haft, dürfte er bei einem Urteil nach Jugendstrafrecht mit wesentlich weniger Jahren Haft rechnen. Auch bei den Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung, der gefährlichen Körperverletzung und des Diebstahls würde der Unterschied erheblich sein. Auch eine Einstufung als Heranwachsender, die in der Regel bis zum 21. Lebensjahr reicht, würde bei einem tatsächlichen Alter von heute 33 Jahren wegfallen.

Neben dem Überfall auf die 73-jährige Seniorin soll B. zusammen mit einem weiteren mutmaßlichen Komplizen, gegen den gesondert verhandelt wird, am zweiten Weihnachtstag eine 93 Jahre alte Frau ausgeraubt haben. So wie bei der späteren mutmaßlichen Tat auch, soll der mutmaßliche Algerier die Frau entkleidet und sie „anderweitig berührt“ haben. Das schilderte die betroffene Seniorin in einer Videovernehmung der Polizei. Zu einer Vergewaltigung sei es jedoch nicht gekommen.

Weitere Zeugen, die am Mittwoch gehört wurden, konnten kein weiteres Licht ins Dunkel bringen – weder zur Frage, seit wann die beiden Angeklagten sich in Deutschland aufhalten, noch von wo sie tatsächlich stammen.

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