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Bremen: Brüder wegen versuchten Mordes vor Gericht

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Von: Ralf Sussek

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Zwei Brüder stehen wegen versuchten Mordes vor Gericht: Im Hintergrund sind ihre Verteidiger, Wilfried Behrendt (l.) und Arnike Dünsing, zu sehen.
Zwei Brüder stehen wegen versuchten Mordes vor Gericht: Im Hintergrund sind ihre Verteidiger, Wilfried Behrendt (l.) und Arnike Dünsing, zu sehen. © Sussek

Versuchter Mord, der wird zwei Brüdern vorgeworfen, die sich seit Freitag vor dem Landgericht Bremen verantworten müssen.

Bremen – Die beiden Brüder auf der Anklagebank unterhalten sich, lachen kurz, dann betritt das Gericht den Saal. Es wird ernst. Versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung, schwerer Raub – der Vorwurf der Staatsanwaltschaft ist massiv. „Hier geht es um einiges“, sagt auch ein Verteidiger nach der Verhandlung.

Elie S. (20) und sein zwei Jahre älterer Bruder Micael S. sollen im September des vergangenen Jahres zwei Männer mehrfach gegen Kopf und ins Gesicht getreten haben, einer der Angeklagten stach den beiden anderen mit einem Messer jeweils ins Bein und einem noch in den Rücken, so der Vorwurf. Er habe ihnen „extra ins Bein gestochen“, heißt es in Micaels schriftlicher Einlassung, die seine Anwältin verliest. Demnach wollte er die beiden Männer nicht schwer verletzen, sondern sich und seinen Bruder nur verteidigen.

Prozess in Bremen: „Spice“ statt „Gras“ - „echt heftig“

Die beiden verletzten Männer waren nach dieser Schilderung die Angreifer. Einer von beiden hatte sich mit Elie S. treffen wollen, der wollte nicht alleine gehen. Nur deshalb war sein älterer Bruder dabei, und auch der andere kam in Begleitung. Grund des Treffens war eine Drogenlieferung, mit deren Qualität Elie S. – der im Gegensatz zu seinem Bruder am Freitag vor dem Landgericht schwieg – nicht zufrieden war. Statt „Gras“, also Marihuana, habe der Lieferant seinem Bruder „Spice“, eine synthetische Droge, verkauft – ein Stoff, den keiner derjenigen, die ihn konsumierten, gut vertragen habe. „Echt heftig“, hätten seine Kumpels gesagt, lässt der ältere der beiden Brüder von seiner Verteidigerin vortragen. Also gab es Redebedarf mit dem Lieferanten...

Am Treffpunkt angekommen, habe man sich noch mit Handschlag begrüßt, kurz darauf hätten sich die beiden Männer auf sie gestürzt, so Micael S. in seiner Einlassung. Wie das Messer in den Rücken des mutmaßlichen Drogendealers kam, „kann ich mir nicht erklären“. Elie habe ihm zugerufen, dass da ein – bereits aufgeklapptes – Messer auf dem Boden liege. Mit anderen Worten: Zum Treffen mitgenommen haben will es keiner der beiden Angeklagten. Laut dem Protokoll einer polizeilichen Telefonüberwachung hat sich das anders angehört. Micael zu Elie: „Soll ich (der Mutter) sagen, dass wir da mit einem Messer hingegangen sind, oder was?“ Der Angeklagte, darauf angesprochen, erklärt: „Das bezog sich darauf, dass ich das Messer benutzt habe.“ Eine Erklärung für seine Tat hat der ältere Bruder auch. „Ich habe Jack Daniels getrunken und zweimal Gras geraucht.“ Daher sei er nicht mehr klar gewesen. „Ich war wie im Tunnel“, sagt er auf Nachfrage eines Sachverständigen. Der soll im Laufe des Prozesses ein Gutachten über Alkohol- und Drogenabhängigkeit des Angeklagten erstellen.

Laut Anklage erlitten die beiden anderen Männer Nasenbeinbruch, Zahn- und Stichverletzungen, der mutmaßliche Drogenlieferant musste wegen des Stichs in den Rücken notoperiert werden. Den Angeklagten ging es laut Staatsanwaltschaft um eine Sporttasche, die die beiden anderen Männer dabei hatten. Nicht nach der jetzigen Einlassung. „Der Rucksack war so gut wie leer, den haben wir weggeworfen“, heißt es in Micaels Erklärung. Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft zu früheren Drogengeschäften oder wie gut sie die Opfer kannten, werden von Micael S. an diesem Tag nicht beantwortet.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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