Illegale Geschäfte über Krypto-Handys - Gericht verhandelt gegen 34-Jährigen

Bremen: Drogen und Gewehre

Mischte der Angeklagte groß im Waffen- und Drogengeschäft mit? Das muss jetzt das Bremer Landgericht klären.
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Mischte der Angeklagte groß im Waffen- und Drogengeschäft mit? Das muss jetzt das Bremer Landgericht klären.

Bremen – Revolver wechselten den Besitzer, kiloweise Kokain, Maschinengewehre, dazu Bargeld in großer Höhe. Verantwortlich für die Geschäfte soll ein 34-jähriger Bremerhavener sein, gegen den seit Donnerstag vor dem Landgericht Bremen verhandelt wird. Ihm werden insgesamt 27 Straftaten zur Last gelegt, unter anderem gewerbsmäßiger Drogenhandel und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Es ist der mittlerweile fünfte sogenannte „Encrochat“-Prozess, der vor dem Bremer Landgericht verhandelt wird. Viele weitere sollen dem Vernehmen nach folgen. Am Ende des Jahres könnte die Zahl der Verfahren auf rund 20 gestiegen sein. Hinter jedem dieser Fälle stecken die entschlüsselten Daten von Krypto-Handys, spezielle Smartphones, die laut Ermittlern nur eines zum Zweck hatten: illegale Geschäfte abzuwickeln. Und auch der 34 Jahre alte Mann aus Bremerhaven soll dabei kräftig mitgemischt haben. Zwischen Ende März und Anfang Juni 2020 soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft nicht nur Revolver, halbautomatische Pistolen und Maschinengewehre samt Munition verkauft haben, sondern auch kiloweise Kokain, Amphetamin und Marihuana.

Ganz offen, so beschrieb es der Staatsanwalt am Donnerstag, schickte der mutmaßliche Täter Fotos von verschiedensten Waffen an potenzielle Käufer. Mal handelte es sich dabei um Sturmgewehre des Modells M16, mal um eine vom israelischen Militär entwickelte Uzi, in anderen Fällen um eine Glock oder eine italienische Beretta. Die Kaufpreise variierten laut der Aufzeichnungen, mal wurden die Waffen für rund 1 500, mal für fast 7 000 Euro verkauft, „inklusive Versandkosten“. In 24 Fällen habe der Angeklagte gewerbsmäßig gehandelt, sich aus juristischer Sicht also „eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang“ verschafft. Sagen wollte der Mann dazu zunächst nichts. Nichts zu den beispielweise zwei Kilo Kokain für mehr als 75 000 Euro, die er an einem Bremer Schnellrestaurant verkauft haben soll, nichts zum mutmaßlichen Verkauf von zwei Revolvern für mehr als 7 000 Euro auf einem Supermarktplatz. Dafür sprach sein Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Ukat.

Bislang gebe es ausschließlich Indizien gegen seinen Mandanten, sagte Ukat. Weder seien bei der Hausdurchsuchung des Angeklagten Waffen, Betäubungsmittel noch ein Krypto-Handy gefunden worden. Auch gäben die gesammelten Daten keine Auskunft über vollständige Namen, Geburtsdaten oder Adressen. Das verschlüsselte Smartphone sei dem Angeklagten zudem erst später durch die Staatsanwaltschaft zugeordnet worden. Überdies verwies Ukat auf eine erst kürzlich vom Landgericht Berlin getroffene Entscheidung, die erlangten „Encrochat“-Daten seien nicht verwertbar. „Die Argumente sind es allemal wert, sich als Gericht damit zu beschäftigen“, sagte der Verteidiger.

Wie die Behörden dem mutmaßlichen Dealer auf die Spur kamen, soll am nächsten Prozesstag durch den Ermittlungsführer der Polizei erläutert werden. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 14. Juli, fortgesetzt.

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