Experte Stefan Becker klärt bei Vortrag auf

Was tun bei Cyberangriffen?

Rund 100 Milliarden Euro Schaden – so hoch schätzt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den deutschlandweiten Schaden durch Hackerangriffe allein für 2020. Auch in Bremen und im Umland schlugen Kriminelle bereits zu.
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Rund 100 Milliarden Euro Schaden – so hoch schätzt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den deutschlandweiten Schaden durch Hackerangriffe allein für 2020. Auch in Bremen und im Umland schlugen Kriminelle bereits zu.

Cybercrime - immer wieder schlagen Täter im Netz zu, legen ganze Firmen lahm, auch in Bremen und der Region. Was kann man tun? Dazu referierte jetzt in Bremen ein Experte.

Bremen – Sie agieren im Verborgenen, aus dunklen Kellern, aber auch aus hochprofessionellen Zentren rund um den Globus heraus: Cyberkriminelle legen immer wieder ganze Infrastrukturen lahm, erpressen Weltkonzerne und Kleinstbetriebe. Wer sind die Täter? Was kann man dagegen tun, auch wenn die Hacker bereits zugeschlagen haben? Darüber informierte am Dienstag Stefan Becker, Experte des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), bei einem Vortrag der Bremer Konrad-Adenauer-Stiftung.

Niemals hätte der Unternehmer damit gerechnet, dass auch er einmal Opfer sogenannter Cyberkrimineller werden könnte, berichtet Stefan Becker aus einem Gespräch, das er einst führte. Als Stuckateur, und dann auch noch auf dem Land? Was wollten die Erpresser nur, die sich in sein IT-System gehackt hatten und dann Lösegeld forderten? Auf den ersten Blick, so die Annahme des Handwerkers, sei doch bei ihm kaum etwas zu holen. Doch bei genauerer Betrachtung fiel auf: Der Stuckateur besaß nicht nur Kontaktdaten meist wohlhabender Menschen, die seine Dienste in Anspruch nahmen, der Geschäftsführer hatte auch Grundrisse und Baupläne der Wohnhäuser auf seinen Computern gespeichert. Samt Informationen über Sicherheitssysteme und so weiter. Also waren die Daten sehr wohl interessant. Vor allem für Kriminelle, die seit Jahren ihr Unwesen treiben.

Cyberangriffe: Schaden in Milliardenhöhe

Nach Berechnungen des BSI belief sich der Schaden durch Cyberangriffe in Deutschland 2020 auf mehr als 100 Milliarden Euro. Rund 117 Millionen verschiedene Variationen von Schadprogrammen registrierten die Experten – das macht etwa 322 000 unterschiedliche Software pro Tag, in der Spitze verzeichneten die Fachleute bis zu 470 000 genutzte Programme täglich.

Cybercrime: „Die Bedrohung ist real“

„Die Bedrohung ist real. Die Situation ist ernst“, so Becker. Und das nicht nur für den kleinen Handwerkbetrieb auf dem Land, auch Großkonzerne und staatliche Einrichtungen sind immer wieder Ziel von Cyberkriminellen. Während große Spionageangriffe „eigentlich nur die Eliten“ beträfen und laut BSI-Einschätzung meist „staatlich unterstützt“ würden, hätten „Hobbykriminelle“ meist Privatpersonen und Mittel- sowie Kleinunternehmen im Visier, wie auch Beispiele aus Bremen und der Umgebung zeigen. Im „Dark-net“ angeboten, würden die Daten von kleineren Firmen auch für „kleinere Fische“ interessant sein. Die Masse mache den Profit, so der Referatsleiter Cyber-Sicherheit für die Wirtschaft beim BSI.

Und die Corona-Pandemie habe es den Angreifern immer leichter gemacht. Homeoffice, Videokonferenzen, Rechner, die „nicht im Ansatz das Sicherheitsniveau eines Bürocomputers aufweisen“, mit denen aber die gleichen Arbeiten gemacht würden – all das führe zu immer größeren Sicherheitslücken, sagt Becker. „Funktionalität steht meist über Sicherheit, und das Loch im virtuellen Zaun kann nie ganz geschlossen werden.“ Ob sich jemand unerlaubt Zutritt zur Videokonferenz verschafft habe, falle beispielsweise nur den wenigsten auf.

Cyber-Experte rät: Für den Ernstfall üben

Becker rät deshalb: „Schaffen Sie Resilienz!“ Heißt: Auch wenn der Hackerangriff bereits durchgeführt wurde, dürfe ein Unternehmen zwar „straucheln, muss dann aber schnell wieder auf die Beine kommen“. Regelmäßige Übungen für den Ernstfall seien deshalb extrem wichtig. Wer muss informiert und involviert werden? Welche Informationen sind wichtig? „Das ist die absolute Schlüsselkompetenz der Zukunft.“ Anzeige zu erstatten, falle zwar vielen Betroffenen schwer, „schließlich ist niemand gerne Opfer“, so Becker. Doch auch, wenn diese zunächst ergebnislos erscheine, könnten die Informationen auch Jahre später noch für Verurteilungen reichen.

Weitere Informationen unter „www.bsi.bund.de“.

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