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Bremen: Deutsches Milchkontor setzt auf vegane Desserts

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Von: Thomas Kuzaj

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Dessert auf pflanzlicher Basis: der vegane Vanillepudding in der Produktion.
Dessert auf pflanzlicher Basis: der vegane Vanillepudding in der Produktion. © DMK

Bremen – Hafer-Barista, Mandelmilch, Soja: Regalflächen für Milchalternativen werden in den Supermärkten immer größer. Vegan ist angesagt – ein Trend, auf den die Lebensmittelindustrie reagiert. Das Deutsche Milchkontor (DMK) an der Flughafenallee in Bremen zum Beispiel bringt dieser Tage gleich einen ganzen Schwung pflanzlicher Produkte heraus: Vanille- und Schokopudding, Reisdessert und Kakaodrink – alles ohne Milch und auf Haferbasis.

Wird das Deutsche Milchkontor jetzt vegan, müssen die Milchbauern in der Region auf Hafer umsteigen? „Nein“, sagt Toni Perkovic aus dem Kommunikationsteam der DMK-Group und lacht. „Die Nachfrage nach Milch bleibt auf einem stabilen Niveau. Milch ist von den Esstischen dieses Landes nicht wegzudenken. Mehr als 80 Prozent der Haushalte kaufen jede Woche Milchprodukte.“ Es gehe um „ein weiteres strategisches Standbein“. Denn – wie erwähnt – der Trend zum veganen Produkt ist nicht zu übersehen; die Umsätze steigen in diesem Bereich spürbar.

Nicht allein ein deutscher Trend, sondern ein weltweites Phänomen, heißt es beim DMK. „Sich wandelnde Konsumentenpräferenzen – getrieben durch ein steigendes Maß an Gesundheitsbewusstsein und individuelle Ernährungsgewohnheiten sowie Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte – haben mit pflanzlichen Produkten einen neuen Markt geschaffen, der sich seit Jahren mit deutlichen Wachstumsraten entwickelt.“ Wobei längst nicht alle Käufer dieser Produkte komplett vegetarisch oder vegan leben. „Flexitarier“ ist das Stichwort der Stunde: flexible Verbraucher, bei denen die Hafermilch neben der klassischen Kuhmilch im Kühlschrank steht. Die eine kommt in den Kaffee, die andere ins Müsli – zum Beispiel.

Koch-Expertenrunde: „Profis, die wissen, worauf’s ankommt“

Wie aber bereitet ein Anbieter konventioneller Milchprodukte die ersten Schritte zum neuen „strategischen Standbein“ vor? Hier kommt Sven Kreitz ins Spiel, gelernter Koch und beim Deutschen Milchkontor für das Marketing im Bereich „Food-Service“ verantwortlich. Und es kommen die Köche-Teams ins Spiel, mit denen das DMK kontinuierlich zusammenarbeitet. Köche aus Restaurants und Seniorenheimen sind ebenso dabei wie Köche aus Hotels, Mensen und Kantinen. Sie alle stellen unterschiedliche Anforderungen an Lebensmittel und Produkte, sie alle kommen aus der Praxis.

Sven Kreitz, beim Deutschen Milchkontor für das Marketing im Bereich „Food-Service“ verantwortlich.
Sven Kreitz, beim Deutschen Milchkontor für das Marketing im Bereich „Food-Service“ verantwortlich. © DMK

„Das sind die Profis, die wissen, worauf’s ankommt“, sagt Kreitz. „Wenn die sagen, das schmeckt, dann kann man sich darauf verlassen. Und wenn’s nicht schmeckt, dann sagen sie es auch.“ Wichtige Hinweise also für die Entwicklung neuer Produkte – Input, der in mehreren Runden einfließt. „Die Produkte müssen schmecken“, das sei die Herausforderung. „Für einen Koch ist zudem immer die Frage wichtig, wie die Produkte in der Anwendung sind.“ Für die neuen pflanzlichen Produkte, die das DMK unter der Marke „Milram“ verkauft, kamen auch Köche mit spezieller Vegan-Kompetenz hinzu. „Es soll mindestens gleichwertig schmecken – oder besser“, so umschreibt Kreitz die Zielvorgabe.

„Hafer hat das beste Geschmacksprofil“

Im Jahr 2021 hat sich der Umsatz von pflanzlichen Desserts im Vergleich zum Vorjahr auf 20,9 Millionen Euro verdoppelt, sagen Statistiker. Bei Pudding, Reisdessert und Kakao haben die DMK-Entwickler sich für Hafer als Basis entschieden. „Hafer hat das beste Geschmacksprofil“, so Kreitz. Und: Pudding auf Haferbasis zum Beispiel gab es bisher kaum. Nachhaltig ist es ebenfalls: „Hafer kann hier wachsen.“ Der Verbraucherwunsch nach dem (glutenfreien) Rohstoff Hafer sei bisher „nicht bedient“ worden, wirbt das DMK beim Lebensmitteleinzelhandel für die neuen Produkte.

„Obwohl Hafer bei Konsumentenerhebungen über alle Altersgruppen hinweg der präferierte Rohstoff ist, können die Verbraucher vor allem bei Desserts kaum entsprechende Produkte finden. So stand im Jahr 2020 Soja mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent bei der Rohstoffverteilung einsam an der Spitze, während Hafer bei unter zwei Prozent lag“, berichtet Perkovic. „Wir sind mit Desserts gestartet, weil das der größte Markt ist“, sagt Kreitz. Wurden 2020 noch 5,9 Millionen Dessert-Packungen insgesamt verkauft, waren es in 2021 bereits etwa 15,1 Millionen, sagt ein Blick in die Statistik.

Ein Markt obendrein, der Platz für Neuheiten bietet: „Mit veganem Reisdessert sind wir die Ersten.“ Der vegane Schokoladenpudding unterdessen hat eine Konsistenz, wie man sie von Schokopudding kennt und erwartet, während der Basis-Rohstoff Hafer dafür sorgt, dass der Schokoladengeschmack besonders klar zum Tragen kommt – begleitet von einer angenehmen Süße, die sich nicht in den Vordergrund drängt, wie zwei erfahrene Pudding-Fans (zwölf und 14) unserer Zeitung nach einem Test berichteten.

Der Geschmack wird gelobt, das ist ganz im Sinne der DMK-Strategen. „Der Konsument wird nicht zwischen vegan und konventionell entscheiden, sondern das kaufen, was ihm am besten schmeckt“, umschreibt Kreitz die DMK-Zielvorstellung. Unterdessen arbeitet das Unternehmen bereits am nächsten Schritt im Portfolio pflanzlicher Produkte – an veganem Käse.

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