Betrieb will Sozialunternehmen werden

Design-Möbelwerkstatt „Weserholz“: Kollektive Kreativität

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Sammeln Ideen in der Holzwerkstatt: Amin (v.l.) und Heidar Dolat sowie Paula Eickmann und Vejbi Hasani.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die „Kekendos“ können sich sehen lassen. Mobile Büromöbel mit eigenen Antworten zu verschiedenen Aspekten des Arbeitsalltags, mobil und haptisch ansprechend. Design und Entwicklung kommen ebenfalls von einem besonderen Kollektiv: „Weserholz“. In der Designwerkstatt bilden sich Menschen aus verschiedenen Ländern fachübergreifend weiter und entwickeln zusammen Möbeldesigns und Interieur.

Die Idee hinter „Weserholz“ stammt von Paula Eickmann (33), die im Ruhrgebiet geboren ist. Sie ist Schneiderin, Medienwissenschaftlerin sowie Kunst- und Kulturvermittlerin. Sie und ihre Kollegen wollen „Weserholz“, gegründet 2017, zu einem Sozialunternehmen entwickeln.

Die Trainees und Mitarbeiter aus Afghanistan, Deutschland, Gambia, Guinea, Iran, Mazedonien, Senegal und Syrien ließen unterschiedliche Standpunkte bei der Entwicklung der Kekendos einfließen.

Einer der Entwickler beklagte, bei der Arbeit im Sitzen immer müde zu werden. Darum fordern und ermöglichen die „Kekendos“ das Arbeiten im Stehen.

„Kekendo 2“, das Spezialmöbel für Skizzen und Entwurf, hat eine Papierrolle an der Seite. „Man kann das Papier in der Schublade verschwinden lassen oder beliebig weit über die Schreibfläche ausrollen“, sagt Eickmann. „Die ,Kekendos’ bieten wieder etwas Haptisches. Sie sind sozusagen nicht digital. Man kann an ihnen das Material wieder spüren.“ So auch „Kekendo 3“, eine Werkfläche für Modellbau. Textile Behältnisse nehmen die Materialien auf, etwa kinetischen Sand. Fächer erlauben die sichere Lagerung von Modellen.

Der erste Trainee-Jahrgang aus sechs jungen Erwachsenen mit „unsicherer Bleibeperspektive“ ist fertig. Vier von ihnen sind jetzt in Einstiegsqualifizierungen und lernen die Berufe Bäcker, Bodenleger und Fachkraft für Lagerlogistik. Seit Mitte September 2018 sind nun neue Trainees da. Neben der handwerklichen und gestalterischen Lernarbeit in der Werkstatt lernen sie sie auch Deutsch und Mathematik. Der aktuelle Jahrgang erprobt derzeit neue gestalterische Ideen. Ziel ist, ein zweites Produkt zur Marktreife zu bringen. Meistens machen die Trainees zwei bis drei Kurzzeitpraktika außerhalb von „Weserholz“.

Bereichernde Vielfalt

Eickmann sieht in der Vielfalt der Herkunftsländer einen breiten Schatz an Erfahrungen und individuellen Fähigkeiten. Andere Sprachen bergen andere Denkweisen und auch andere Körpersprachen. „Wenn jemand fünf Sprachen spricht, muss man sich doch fragen, wie kreativ ist das eigentlich?“, sagt Eickmann. „Wir sagen den Trainees, Du kannst viel. Wir fragen sie, was interessiert Dich?“

Amin (28) leitet die Trainees in handwerklichen Fragen an. Amin spricht Kurdisch, Arabisch, Deutsch sowie ein bisschen Türkisch und Persisch. Seine Erklärungen gibt er aber auf Deutsch. Er hat in Syrien gelernt und in der Türkei als Tischler gearbeitet. „Jede einzelne Werkstatt hat eigene Ideen und Lösungsansätze“, sagt er. Sich selbst beschreibt er als Tüftler, dem es Freude macht, Lösungen zu finden.

Im neuen Jahrgang ist Heidar Dolat (20). Er zog aus Afghanistan in den Iran, wo er fünf Jahre als Steinmetz arbeitete. Von der Ausbildung dort hat er aber keine Papiere. „Für mich ist das hier etwas ganz Neues. Ich habe noch nie mit Holz gearbeitet. Ich würde gerne Maler werden“, sagt er. „Ich habe da ein gutes Gefühl.“

Die Werkstatt „Weserholz“ ist an der Gustav-Adolf-Straße in Walle beheimatet. Träger des Kollektivs ist der Verein „Käpt'n Kurt“. Der fördert weitere Projekte, darunter den „Bremer Kneipenchor“.

Weitere Infos unter www.kaeptnkurt.de und www.weserholz.de

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