Bremer Übersee-Museum präsentiert Zukunftskonzept / Ozeanien-Ausstellung wird neu

Der „Dritte Ort“

Das Walherz ist gesperrt, denn hier könnte der Corona-Mindestabstand unterschritten werden. Davor: Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums.
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Das Walherz ist gesperrt, denn hier könnte der Corona-Mindestabstand unterschritten werden. Davor: Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums.

Bremen – Ein Besuch im Museum ist ein schöner Ausflug für die ganze Familie. Das Übersee-Museum will nicht nur Wohlfühlort für alle bleiben, sondern mehr aktuelle Themen in den Fokus rücken. Am Dienstag wurde das Zukunftskonzept für die Neuausrichtung der nächsten Jahre vorgestellt.

Das Museum soll ein sogenannter „Third Place“ werden. „Third Place“, was soll das sein? Nun, ein informeller und sozialer Ort jenseits des Zuhauses („First Place“) und der Arbeitsstelle („Second Place“). „Dritte Orte“ seien oft öffentliche Orte, sagt Wiebke Ahrndt, Direktorin des Übersee-Museums. Im Haus sollen Besucher in „inspirierender Umgebung“ zusammenkommen. Noch in diesem Jahr werden Menschen in Bremen und „umzu“ befragt, wie sie sich das Übersee-Museum als „Third Place“ vorstellen.

Bereits nahe dem Eingang wird sich in den 2020ern einiges ändern. Die Ozeanien-Ausstellung im ersten Lichthof wird erneuert. Im Herbst 2022 soll die aktuelle Ozeanien-Ausstellung für den Umbau schließen. Die neue Schau soll dann im Oktober 2024 eröffnet werden. Für die Gestaltung des ersten Lichthofs werden schon Ideen diskutiert, zum Beispiel ein Indoor-Wasserfall oder auch ein hängender Garten.

Das Übersee-Museum soll aber auch weltweit wichtige Themen in unterschiedlichen Formaten zeigen und diskutieren. Fünf große Themen sollen in der Zukunft wichtig werden, zunächst in der neuen Ozeanien-Ausstellung, deren Umgestaltung einen ersten Schritt dafür darstellt. Ozeanien wird als Brennglas für kritische Entwicklungen gesehen, so das Museum. Ein Thema: Vielfalt, sowohl in kultureller als auch biologischer Hinsicht. Natürlich dabei: der Klimawandel. „Im Südpazifik gehen in den nächsten Jahren die ersten Inseln unter, in 30 Jahren erste Staaten“, sagt Ahrndt. Ein weiteres Thema: Migration und Identität. Jeder zweite Pazifik-Insulaner lebe nicht mehr auf der Insel, auf der er geboren worden sei, so die Direktorin. Ein weiteres Thema ist Ressourcennutzung, und dann ist da noch der Bereich Kolonialismus. Die Exponate der Pazifik-Sammlung kommen laut Ahrndt zu 95 Prozent aus den deutschen Kolonien. Das Übersee-Museum soll davon profitieren, dass es zugleich ein völker-, natur- und handelskundliches Museum ist. „Das macht uns anders als andere Museen“, sagt Wiebke Ahrndt. Jahrzehnte habe gegolten, ein Museum solle ein neutraler Ort sein, sagt sie. „Wir merken jetzt, dass es an der Zeit ist, Position zu beziehen. Es geht um die Frage, für welche Werte steht so ein Haus.“

Auch von außen ein Hingucker: das Übersee-Museum in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs. Hinter der Fassade wird sich in den nächsten Jahren einiges tun: Das Haus soll „Dritter Ort“ nach dem Zuhause und dem Arbeitsplatz werden.

Das Haus soll zukünftig positive Beispiele zeigen und damit für und nicht gegen etwas Stellung beziehen. „Wir möchten Menschen auf emotionaler Ebene und positiv erreichen“, so Ahrndt. Die Themen der zukünftigen Ozeanien-Ausstellung sollen aus der Perspektive der Menschen vor Ort im Südpazifik dargestellt werden. Deshalb wird die Ausstellung mit einem Co-Kurator aus Samoa konzipiert. Zudem arbeitet das Übersee-Museum mit der National University of Samoa zusammen. Für 19 Monate wird eine wissenschaftliche Praktikantin dabei sein.

Geplant ist ferner eine Austellung „Ozeanien virtuell“. Zur Zeit gingen solche Ausstellungen aus dem physischen Raum hervor, so Ahrndt. Ergebnisse aus laufenden Projekten fließen bei „Ozeanien virtuell“ mit ein, etwa die digitale Erschließung der naturkundlichen Sammlungen des Übersee-Museums und deren Bereitstellung für Forschungsverbünde.

Für die Erneuerung der Ozeanien-Ausstellung wird das Museum mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert, jeweils zur Hälfte vom Bund und von Bremen. 1,1 Millionen Euro Fördermittel gibt es für „Ozeanien virtuell“. 380 000 Euro kommen vom Auswärtigen Amt. Dieses fördert auch die Kooperation mit Samoa. Zur Konzeptvorstellung war Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, zu Gast im Museum. Das Haus zeige mit seinem Zukunftskonzept, dass Museen heute mehr seien als reine Orte der Wissensvermittlung, so Müntefering. „Es sind Orte, die es uns ermöglichen, grenzüberschreitend voneinander zu lernen und miteinander die Zukunft zu gestalten.“

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