„Das Depot“ zeigt die Geschichte der Bremer Straßenbahn

Die Rückwandlung der Gartenlaube

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DIe restaurierte Pferdestraßenbahn, Baujahr 1888. Die Rekonstruktion der alten Farbschichten brachte auch Erkenntnisse zu anderen Straßenbahnen im „Depot“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Erlebnis für Straßenbahnnostalgiker: Triebwagen 134 fährt an. Zehn Gäste sind an Bord. Es ruckelt. In den Kurven quietscht es laut. Die Achsstände der Straßenbahn sind halt groß. Die „sportlich hart“ gefederte Straßenbahn glänzt und sieht gut aus. Sie schafft das nötige Tempo, um im Straßenverkehr mitzuhalten. 113 Betriebsjahre und eine umfängliche Modernisierung hat der Triebwagen hinter sich.

Eine seltene Spritztour, angeboten vom Straßenbahnmuseum „Das Depot“ in Sebaldsbrück, dass mittels authentischer Fahrzeuge die Geschichte der Straßenbahn darstellt und nebenbei auch Busse zeigt. Viele der Utensilien aus der Geschichte der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) dürfen die Gäste auch anfassen. Betrieben wird das Museum vom Verein „Freunde der Bremer Straßenbahn“. Der Triebwagen 134 ist im Zustand wie einst in den 30ern. Damals wurde der 1904 gebaute Triebwagen modernisiert und verschönert. Statt Holzsitze warteten danach Sitzpolster auf die Bremer Fahrgäste. Der Triebwagen blinkte mit Glühlampen, als Autofahrer noch mit Pendelwinkern ihre Richtungsänderungen ankündigten.

Der 77-jährige Lüder Ahrens genießt die Fahrt. Er hat sogar eine biographische Beziehung zu alten Straßenbahnen. „Mein Urgroßvater war Schaffner in Bremen. Ich habe den zwar nicht mehr wirklich kennengelernt, aber ich bin immer gerne und viel Straßenbahn gefahren.“ Auch dem 13-jährigen Fabian Richters gefällt die Spritztour vom Museum zum Weserwehr und zurück. „Das Fahrtgeräusch ist toll. Das ist schon meine sechste Fahrt mit einer historischen Straßenbahn.“ Noch lieber fahre er aber mit dem Triebwagen   446.

Thomas Rugen im frisch restaurierten Pferdewagen. Neben ihm steht eine Petroleumleuchte.

Das älteste Fahrzeug der Sammlung des Museums ist ein Pferdewagen, gebaut 1888. Dieser passt auch heute noch auf die Schienen mit einer Breite von 1 435 Millimetern. Das Innere des Wagens ist durchaus gemütlich. Das Holz schafft eine angenehme Atmosphäre. Zwei Petroleumleuchten spenden Licht am vorderen und am hinteren Ende der Fahrgastkabine. Über dem Schornstein ist ein Verschluss angebracht. Es darf kein Regenwasser ins Petroleum gelangen. In der Fahrgastkabine sind gegenüber den Petroleumleuchten Spiegel angebracht, die das Licht zurückwerfen und weiter verteilen. Der Wagen verfügt über zwei Einstiegsplattformen. An den Seiten und im Dach sind Fenster. So fällt viel natürliches Licht ins Innere. Eine Heizung gibt es nicht. Der Wagen hat auch seinen ursprünglichen Anstrich zurück. Gelb, im unteren Bereich Weiß. In einem noch satterem Gelb ist die Zahl „23“ aufgetragen. In roten Lettern steht „Bremer Pferdebahn“. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt den Wagen im Einsatz vor der historischen Kulisse des Herdentors. Vorneweg: ein Pferd.

Wagen seit 2009 im Besitz des Museums

Das Museum kam 2009 in den Besitz des Wagens, der seit den 20er-Jahren in Walle ein Dasein als Gartenlaube fristete. Bei der Restaurierung trafen die Straßenbahnfreunde auf verschiedene Farbschichten. Der ursprüngliche Farbton wurde 1900 grün überstrichen. Danach kamen weitere Farben drüber. Zunächst stand der Pferdewagen auf einem Hilfsfahrgestell, um mit ihm rangieren zu können. Mittlerweile hat er ein passendes Original-Fahrgestell aus Bremen, zur Verfügung gestellt von einem Museum aus Hannover.

Anhand des Pferdewagens ließen sich auch Eigenschaften des Triebwagens 49 (Baujahr: 1900), von den Straßenbahnfreunden auch „Molly“ genannt, rekonstruieren. „Wir konnten durch die Arbeit am Pferdewagen einiges über die Schriftgrößen und auch über die Lackierung und ehemalige Beschaffenheit herausfinden“, sagt Thomas Rugen, im „Depot“ zuständig für Besuchs- und Terminplanung. „Von 1892 bis 1900 erfolgte die Umstellung von Pferdewagen auf Elektroantrieb.“ Damals habe die Spannung bei 600 Volt gelegen. Heute läge sie bei 650 Volt. Die Leistung der Motoren ist heute viel höher. „Molly“ fährt mit zweimal 28 Kilowatt. Triebwagen 134 bringt es auf zweimal 37,5 Kilowatt, ein modernes Fahrzeug auf viermal 125 Kilowatt.

Das Straßenbahn-Museum „Depot“ (Schlossparkstraße 45) hat jeden zweiten Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene drei Euro, für Kinder (fünf bis 14 Jahre) 1,50 Euro.

www.fdbs.net

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