Kommentar zum Einkaufszentrum

„City-Center“ gescheitert

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Kaum haben der neue Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und die rot-grüne Koalition ihre Arbeit aufgenommen, kommt der erste Tiefschlag. Und was für einer! Das zentrale Projekt zur Weiterentwicklung der Bremer Innenstadt ist gescheitert, der Investor abgesprungen. Jahrelange Diskussionen, Planungen und Bemühungen: vergebens.

Thomas Kuzaj

Der Wall nach dem Harms-Großbrand praktisch lahmgelegt, das sogenannte Leuchtturmprojekt im Ansgariquartier geplatzt – das ist ein Tiefschlag vor allem für die Entwicklung der Innenstadt. Und sie hat Entwicklung so sehr nötig. Der City-Einzelhandel im Würgegriff von Einkaufszentren (nicht nur, aber auch im Umland) und Onlinehandel – eine Zwangslage, aus der das „City-Center“ die Innenstadt befreien sollte.

Nun darf die Wirtschaftsförderung die Scherben auffegen und zusehen, wie sie die leeren Ladenflächen im Lloydhof, der für das „City-Center“ weichen sollte, vermietet kriegt. Läden, denen der Makel anhaftet, doch zum Abriss bestimmt gewesen zu sein.

Hat Bremen sich mit dem Kauf des Lloydhofs für 25 Millionen Euro verspekuliert? Allerorten wird nicht allein auf die schwierige Lage der Innenstadt verwiesen, sondern auf die schwierige Entwicklung des Einzelhandelsmarkts insgesamt. Auch andernorts werden Center-Pläne aufgegeben. Bremen musste versuchen, etwas zu tun. Dass es nicht geklappt hat, wiegt an einem ohnehin gebeutelten Standort besonders schwer. Was bleibt, ist der Eindruck, dass Bremen einer Entwicklung hinterherrennt, die die Stadt selbst im Grunde gar nicht beeinflussen kann.

Was nun? Innenstadt ganz neu denken – als Arbeits-, Freizeit- und Wohnquartier in historisch gewachsener Kulisse? Gerade so etwas sollte das „City-Center“ ja auch sein. Wenn Innenstädte dem Onlinehandel die Verbindung von Einkauf und Erlebnis entgegensetzen sollen, muss ja auch mal was gewagt werden. Scheitern solche Wagnisse, zeigt das auch, wie schlecht es um den klassischen Innenstadt-Einzelhandel tatsächlich schon bestellt ist.

Die Diskussionen über fehlende Top-Lagen, mittelgroße Flächen und Rundläufe in der Bremer Innenstadt, sie gehen jetzt wieder los. Bis zum nächsten Tiefschlag.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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