Plüschengel in knappen Shorts

„Christopher Street Day“ zieht mehr als 5000 Besucher an

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Vorne weg auf dem Demonstrationszug des „Christopher Street Days“ in Bremen: „Dykes on Bikes“, eine lesbische Motorradgruppe aus Hamburg.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Bereits die Spitze des Demonstrationszuges des „Christopher Street Days Bremen“ ist ein wunderbares Bild fürs Auge. Spiderman und Spiderwoman machen sich auf den Weg. Ein Mann hat einen anderen Mann mit einer Hundemaske aus Leder an der Kette. Allen voran eine lesbische Motorradgruppe, die „Dykes on Bikes“ aus Hamburg. Regenbogenfahnen wehen an den großen, schwarzen Maschinen.

„God is a woman“, steht auf einem Motorrad mit verkleidetem Lenker. Dann folgt die Polizei. Auf dem Wagen ist eine Regenbogenfahne aufgetragen. Darüber steht der Schriftzug „Proud to be your friend“. Mit so vielen Teilnehmern hatten die Organisatoren aus dem Verein „CSD Bremen“ nicht gerechnet: Laut Polizei reihten sich am Sonnabend mehr als 5000 Besucher ab Breitenweg in den Demonstrationszug des Bremer Christopher Street Days (CSD) ein. Mehr als zwei Stunden dauerte der Marsch durch die Innenstadt bis hin zur Abschlusskundgebung am Martini-Anleger an der Schlachte.

Parteien sind mit Trucks und Fußaufgebot vor Ort

In einem offenen Cabrio sitzen zwei Damen vom Gesundheitsamt, eine mit pinken Haaren und eine mit einem silbern glänzenden Partiehut, und verteilen Kondome an die Menge. Kondome verteilt auch ein eher knapp bekleideter Transvestit mit schwarzem Umhang und einem rot-weißen Bikini mit Wollbüscheln. Zwei weitere Herren gehen als Plüschengel mit riesigen Flügeln. Ansonsten sind sie bekleidet mit Turnschuhen, hohen Strümpfen, knappen Shorts und einem Kragen, von dem Hosenträger ausgehen. Die Flügel gehen unten in drei Plüsch-Stolas über, von denen ein Stück auf die Straße fällt. Ein großgewachsener Transvestit trägt ein Schild „Ich bin gut und das ist schwul so.“

Spiderman und Spiderwoman rüsten sich zum Abmarsch: Gleich startet der Demonstrationszug des CSD.

Mehrere Trucks beschallen den Zug und seine Zuschauer mit Dancefloor, Rock, Schlager und teilweise sogar Country. Zwei Trucks stellt der Veranstalterverein, einen für Lesben und einen für Transsexuelle und Transgender. Mit Trucks präsent sind unter anderem auch das „Rat-und-Tat-Zentrum“, das schwul-lesbischen Mitarbeiternetzwerk „Gl@d“ des Mercedes-Benz-Werks in Bremen sowie die Parteien SPD, Linke und FDP. Die Grünen sind mit einem großen Fußaufgebot da. Ebenfalls ohne eigenen Truck, aber mit vielen Plakaten ist der Zug von „Die Partei“ ein Blickfang. Die Sprüche auf den Schildern laden zum Schmunzeln ein und erinnern an den Stil des Satire-Magazins „Titanic“. „Jesus hatte zwei Väter“ steht auf einem Plakat, „Komm ans andere Ufer. Wir haben EinhörnerInnen“ steht auf einem weiteren. Auch ein Spruch im Schulhof-Slang ist dabei: „Andersrum ist richtigrum. Schwör, Alter!“

„Hamburger Publikum kommt schneller in Schwung“

Samba-Spieler sorgen für Stimmung. Auf der ganzen Strecke warten immer wieder Zuschauer und zücken Handys und Kameras, sobald der bunte Zug vorbeikommt. „Croco“ von den „Dykes on Bikes“ aus Hamburg geht neben ihren Motorrad-Club-Kolleginnen her. Ihre Maschine ist leider kaputt, aber zum Bremer CSD wollte sie trotzdem kommen. „Die Stimmung ist super. Das Publikum kommt nicht ganz so schnell in Schwung wie in Hamburg, wo man den CSD kennt. Aber das macht nichts. Es kommt auf den Zusammenhalt an“, sagt Croco.

Am Marktplatz wird es eng, hier warten viele Schaulustige. Darunter ist auch der Bremer Tomek Hasnik, der den CSD in Hamburg kennt. „Ich bin erstaunt, wie viele Leute gekommen sind. Da sind allerdings auch viele aus dem Umland dabei. Der Protestzug ist echt gelungen“, sagt Hasnik. Die Bremerin Stefanie Hagemann freut sich über den Zug. „Ich weiß, dass hier 1979 der erste CSD war, und es ist schön, dass er nach so langer Zeit hier wieder stattfindet“, sagt sie.

Christopher Street Day in Bremen

Bunt gestylt ist der Bremer Sascha Claus Teil des Zuges. „Die Stimmung ist echt gut. Ich hoffe auf mehr CSDs in Bremen“, sagt er. Dieser Wunsch dürfte in Erfüllung gehen. Der Termin für den nächsten Bremer CSD steht. Moderator Chris gibt ihn auf der Abschlusskundgebung am Martini-Anleger bekannt. Es ist der 25. August 2018.

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