Die Muttersprachlerin

Christianne Nölting leitet das neue Länderzentrum für Niederdeutsch

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Plattdeutsche Muttersprachlerin: Christianne Nölting leitet ab 1. März das neu gegründete Länderzentrum für Niederdeutsch. Neben ihr der Aufsichtsratsvorsitzende des Länderzentrums, Dr. Andreas Mackeben.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Plattdeutsch, sagt sie, ist ihre „Muttersprache“. Sie hat ihre Muttersprache sogar studiert – und zum Beruf gemacht. Sie, das ist die Journalistin Christianne Nölting. Zum 1. März wird sie die Geschäftsführerin der von Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein gegründeten Gesellschaft Länderzentrum für Niederdeutsch. „Plattdeutsch“, sagt Nölting, „ist ein Stück norddeutsches Kulturgut, Lokalkoloritgeber und identitätsstiftend.“

Länderübergreifend soll das Zentrum mit Sitz in Bremen den „Lokalkoloritgeber“ Plattdeutsch in seiner ganzen Vielfalt lebendig halten. Die vier Länder zahlen dafür jährlich 271 000 Euro – eben jene Summe, die bislang an das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) im Schnoor, einen Verein, gegangen war. Im Aufsichtsrat des neuen Länderzentrums sitzen als Vorsitzender Dr. Andreas Mackeben (Kulturressort Bremen) sowie Dr. Pit Hosak (Hamburg), Ulf Thiele (CDU, Niedersachsen) und Friederike Löffert-Pokatis (Schleswig-Holstein).

Nölting muss nun erstmal Räume für das neue Zentrum finden. Dann sollen zwei Stellen – wissenschaftliche Mitarbeit und Assistenz – besetzt werden. Die Geschäftsführerin, die in Hamburg lebt, kündigt an: „Ich werde reisen, mich sehr stark in den Ländern zeigen.“ Also: „Ich werde in meinem Auto wohnen.“

15 Jahre lang die plattdeutschen Nachrichten gesprochen

Geboren wurde sie 1965 auf der Insel Fehmarn – und wuchs dort mit der niederdeutschen Sprache auf, wie eine Sprecherin des Kulturressorts formuliert. Sie studierte in Kiel an der Christian-Albrechts-Universität Nordistik, Niederlandistik und Germanistik – mit Schwerpunkt Niederdeutsch, was sonst. Schon während des Studiums arbeitete Nölting beim Hörfunk des NDR in Kiel als Platt-Reporterin und Moderatorin.

Als Platt-Expertin – und eben: Muttersprachlerin – wurde sie dann Redakteurin für Niederdeutsch und Friesisch. Nach einem Wechsel zum NDR nach Hamburg sprach sie dort 15 Jahre lang die plattdeutschen Nachrichten – und arbeitete für Sendungen wie „Wi snackt Platt“ und das „Hamburger Hafenkonzert“. Nebenher brachte sie die „Sesamstraat op Platt“ ins NDR-Fernsehen und drehte die Einspielfilme für die Sendung „Talk op Platt“.

„Niederdeutsch sollte Schulfach werden“

Später legte Nölting den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Fortbildung, auf Erhalt und Pflege des Plattdeutschen. Sie gründete das Lernportal „Plattolio“ samt Verein, dessen Zweck und Ziel es ist, die niederdeutsche Sprache auch Kindern nahezubringen. Das Portal wurde mit dem renommierten Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis ausgezeichnet.

Seit Jahren engagiert sich die 52-Jährige in der Plattdeutsch-Weiterbildung für Lehrer. „Niederdeutsch sollte Schulfach werden“, sagt Christianne Nölting. „Die Vermittlung in der Schule trägt auch dazu bei, dass Kinder leichter andere Sprachen lernen.“ Ein Ziel sei es, Platt flächendeckend „von der AG zum Wahlpflichtfach“ zu machen – und das lange über die Grundschulzeit hinaus. Mit Blick auf die Arbeit des Zentrums formuliert Nölting es flott so: „Plattdeutsch bis zum Abitur – wir wollen was zu tun haben hier.“

Plattdeutsch in der Pflege als Schwerpunkt

Neben Schule und Bildung sieht sie Plattdeutsch in der Pflege als Schwerpunkt: „Es leben viele Menschen in Alteneinrichtungen, die plattdeutsche Muttersprachler sind.“ Demenzkranke etwa würden „ruhiger, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden“. Also gelte es, „das Pflegepersonal entsprechend anzuleiten“.

Der klar formulierte Praxisbezug – offenbar genau das, was die beteiligten Länder vom neuen Zentrum erwarten. Das INS habe eine eher wissenschaftliche Ausrichtung, sagt Dr. Annette Schwandner, Leiterin der Kulturabteilung Kultur im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. „Auch durch die Bibliothek, die digitalisiert werden soll.“ Beide Einrichtungen müssten sich abstimmen, es solle „keine Parallelstrukturen geben“.

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