Gluthitze und gesegnete Gastronomen

Breminale: Die bunte Mischung macht's

+
Etwa 200 000 Besucher strömten zur „Breminale“. Nicht nur im Gedränge, auch mit Blick vom gegenüberliegenden Ufer des Osterdeichs lassen sich die Dimensionen gut erahnen. 

Bremen - Von Steffen Koller. Zwischen Staubwüsten und Regenschauern, zwischen Vollrausch und Tanzwut: Die 31. Auflage der „Breminale“ hat gefühlt gleich mehrere Rekorde geknackt. Trotz Temperaturen, die an Äquatornähe erinnerten, lockte das Festival nach Veranstalterangaben etwa 200.000 Besucher an Osterdeich und Wallanlagen. Doch warum? Bremer und Buten-Bremer beantworteten diese Fragen ganz unterschiedlich. Ein Faktor: Bier. Und das wurde viel getrunken.

Schaut man von der Wilhelm-Kaisen-Brücke den Osterdeich entlang, dann erblickt man sie recht schnell: diese Staubwolke, die das Festivalgelände umhüllt und der ganzen Atmosphäre etwas Zauberhaftes verleiht. Steht man im Dunst, verleiht sie dem gemeinen Besucher eher ein Kratzen im Hals – und der feine Staub legt sich auf die Zunge wie ein schlechter Rotwein. Die Sonne brüllt, und wer sich irgendwie erfrischen kann, der tut das auch. Vom Veranstalter extra aufgestellte Duschen werden zum Dauerbrenner, viele Besucher entledigen sich ihrer Klamotten, Schatten ist Mangelware. Der Schweiß fließt, die Kehle ist trocken.

Fragt man, warum so viele trotz Gluthitze stundenlang auf den Beinen sind oder sich am knüppelharten Deich den Hintern plattsitzen, kommen ganz unterschiedliche Antworten. Dennis und Yvonne (beide 36) aus Bremen sagen, es ist die „bunte Mischung aus Musik, Kultur und guter Laune“, die sie jedes Jahr aufs Neue zur „Breminale“ locken. „'Breminale' ist Pflicht“, heißt es von Stephan (22), Martin und Corinna (beide 21). Wer das verpasse, sei selbst schuld, so das Trio aus Oldenburg, das ergänzt: „Lieber Hitze als Regen.“ Viele meinen, es könne gar kein besseres Wetter geben – und wer eine Abkühlung suche, die Weser sei ja nicht weit, ist oft mit einem gewissen Augenzwinkern zu hören. Für einen Großteil der Befragten sei es „einfach das Gesamtpaket“, das sie dazu bringe, trotz des extremen Wetters an den Osterdeich zu pilgern.

Alkohol spielt für viele Besucher eine wichtige Rolle. Ob erfrischender Cocktail oder einfach nur Bier: Die Gastronomen des Festivals hatten ordentlich zu tun. 

Je später der Abend, desto eindimensionaler wird die eingangs erwähnte Frage zum Teil beantwortet. „Party“, „Bier“, „Musik“, Abhängen“ sind Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang oft zu hören sind. Vor den Bühnen tanzt manch einer drei Stunden durch, andere trinken gefühlt schon die vierfache Zeit. Auch wenn die Sonne schon lange untergegangen ist, hält sich die schwüle Wärme wie ein unsichtbarer Schleier über den Zelten des Festivals. Für die Feier- und Tanzwütigen scheinbar das kein Problem, genauso wie für die Trinkerprobten unter den Besuchern.

Wahre Jagdszenen spielen sich an den Bier- und Schnapsbuden ab, als Festival-Mitarbeiter kistenweise neue Getränke anliefern. Gedränge, der warme Atem im Nacken. „Hauptsache schnell Nachschub holen“, sagt Christian, der von seinem Kumpel Igor (beide 25, aus Verden) zum Tragen der Biere verdonnert wird. „Ich zahle“ ruft Christian. Für Igor ein „guter Deal“.

Für Gastronomen dürfte sich die „Breminale“ gelohnt haben. Eine Mitarbeiterin einer Weinbude sagt, man habe „galonenweise Wein“ verkauft. An einem der Pfandlager des Festivals berichtet ein Mitarbeiter, allein am Sonnabend hätten Helfer in nur einer Schicht rund 800 Kästen Glaspfand (etwa 16.000 Flaschen) gesammelt.

An einer Bierbude heißt es: „Am Freitag wurden wir komplett überrannt.“ An einer anderen sagt eine Mitarbeiterin: „Wir sind an unsere Grenzen gekommen.“ Besonders beliebt bei den Cocktail-Ständen: „Gin-Geschichten, Cocktails mit Obst und natürlich die Klassiker“, so ein Verkäufer, der meint: „Wer die 'Breminale' verpasst, verpasst auch ein Stück Bremen.“ Und wer will das schon!

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Unterwegs im Unesco-Welterbe Augsburg

Unterwegs im Unesco-Welterbe Augsburg

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Meistgelesene Artikel

Betrunkener schmeißt mit Bierflasche Scheibe von fahrender Straßenbahn ein

Betrunkener schmeißt mit Bierflasche Scheibe von fahrender Straßenbahn ein

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Bremens Zentrale für linke Revolutionäre: „Lila Eule“ wird 60

Bund will „Seute Deern“ retten - Sanierung dauert wohl sieben Jahre

Bund will „Seute Deern“ retten - Sanierung dauert wohl sieben Jahre

Kommentare