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Bremen: Jetzt nur noch Corona-Warnstufe 3 trotz hoher Zahlen – warum?

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Von: Yannick Hanke

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Zu sehen sind die Bremer Stadtmusikanten. Daneben ist ein Schild platziert, das auf die Maskenpflicht hinweist.
Die 2G-Regel im Bremer Einzelhandel wurde gekippt. Zudem greift statt Corona-Warnstufe vier nur noch Warnstufe 3. Die Corona-Zahlen geben dies im Grunde aber nicht her. (kreiszeitung.de-Montage) © Frederico Gambarini/dpa/Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Bremen und Bremerhaven lockern die Corona-Regeln. 2G im Einzelhandel wird aufgehoben, statt Corona-Warnstufe 4 greift jetzt Warnstufe 3. Die Inzidenz gibt dies aber nicht her.

Bremen/Bremerhaven – Diese Entscheidung kam einer kleinen Überraschung gleich: Am Dienstag, 8. Februar 2022, hat der Bremer Senat den Verzicht auf 2G im Einzelhandel beschlossen. Gut, der Wegfall der Corona-Regel in Bremen hatte sich im Vorfeld angedeutet. Doch obendrein wurde sich darauf geeinigt, die Corona-Warnstufe von vier auf drei zu senken. Wie aber kann das mit Blick auf die weiterhin hohen Corona-Zahlen überhaupt sein?

Bremen lockert seine Corona-Regeln: 2G im Einzelhandel fällt weg – von Warnstufe vier auf drei

Denn eigentlich müsste die Anzahl der Menschen pro 100.000 Einwohner, die im Kontext einer Corona-Infektion binnen sieben Tagen in ein Bremer Krankenhaus eingeliefert wurden, zwischen sechs und neun liegen. Ein Spektrum an Werten, das sich auf die Hospitalisierungsinzidenz bezieht.

Doch hat die Gesundheitsbehörde der Stadt Bremen bereits mitgeteilt, dass sich der entsprechende Wert auf 14,3 beläuft. Lukas Fuhrmann, Sprecher der Behörde, legitimiert die Lockerungen mit Verweis auf eine stabile Situation in den Krankenhäusern der Hansestadt gegenüber dem Regionalmagazin „buten un binnen“ von Radio Bremen.

Bremer Intensivstationen: Deutlich bessere Situation mit Corona-Patienten als noch Anfang Dezember 2021

Demnach würden die Belegungszahlen der Corona-Patienten auf den Intensivstationen seit Mitte Dezember 2021 stabil bei ungefähr 20 Personen liegen. Zum Vergleich: Anfang Dezember hatte die Zahl mit rund 35 Intensivpatienten noch deutlich über dem aktuellen Wert gelegen. Zudem sei zuletzt auch das Infektionsgeschehen gesunken.

Im Hintergrund ist das Bremer Rathaus zu sehen. Davor ein Schild mit der Aufschrift „2G-Plus-Regel“, das jedoch durch Absperrband verdeckt wird.
Ab Montag, 14. Februar 2022, gilt in Bremen anstatt Corona-Warnstufe 4 nur noch Warnstufe 3. Damit wird die 2G-Plus-Regel beim Indoor-Sport oder in Restaurants obsolet. (kreiszeitung.de-Montage) © Christian Ohde/imago/Sina Schuldt/dpa/imago

Rechtfertigt dies den Schritt der Bremer Politik rund um Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), nach deren Entscheidung bereits ab Montag, 14. Februar, „nur“ noch die Corona-Warnstufe 3 im nördlichen Bundesland gilt? Ein Blick auf die Corona-Verordnung Bremens zeigt, dass die Hospitalisierungsinzidenz der „wesentliche Maßstab“ für die Festlegung der Warnstufen ist.

Hospitalisierungsinzidenz als Leitindikator für Corona-Lockerungen – und „viele Faktoren darüber hinaus“

„Es gibt einen Leitindikator, aber auch viele Faktoren darüber hinaus“, heißt es von Lukas Fuhrmann. Von einem Automatismus will er mit Bezug auf die jeweilige Hospitalisierungsinzidenz in Bremen nicht sprechen. Schließlich habe sich das Infektionsgeschehen durch die Omikron-Variante stark verändert. Und deshalb müsse man auch die Betrachtungsweise ändern.

Heißt: Die Hospitalisierungsinzidenz bleibt unverändert der Hauptindikator, um die pandemische Lage einzuschätzen und auf Basis dessen Entscheidungen zu treffen. Doch weist die Bremer Gesundheitsbehörde auf ihrer Seite nunmehr die Hospitalisierungsinzidenz „mit Corona“ und „wegen Corona“ getrennt voneinander aus. Der Gesamtwert wird somit nicht mehr abgebildet.

Omikron-Variante beeinflusst Vorgehen der Bremer Politik

Auch hierfür gibt es eine Erklärung vonseiten der Bremer Gesundheitsbehörde. Mit der Delta-Variante seien Menschen in der Hansestadt hauptsächlich durch Corona ins Krankenhaus eingewiesen worden. Dies habe sich jedoch durch das enorme Omikron-Aufkommen verändert, merkt Fuhrmann an.

Aus den aktuellen Corona-Zahlen könne nämlich abgeleitet werden, dass die Menschen, die wegen Corona ins Krankenhaus kommen, letztendlich nur noch knapp ein Drittel der Corona-Hospitalisierungsinzidenz ausmachen. Durch all diese Fakten, welche die Bremer Gesundheitsbehörde nennt, werden also die Lockerungen der Corona-Regeln begründet.

2G-Plus in Bremer Gastronomie aufgehoben – doch in Bars bleibt die Corona-Regel bestehen

Neben dem Wechsel von Corona-Warnstufe vier auf drei sowie dem nun doch erfolgtem Aufheben von 2G im Einzelhandel, entfällt auch die Kontaktdatenerfassung. Dies gilt für Bereiche des öffentlichen Lebens wie Restaurants, Cafés oder im Rahmen von Kulturveranstaltungen. Der Wechsel von Warnstufe vier auf drei bedeutet zudem, dass die 2G-Plus-Regeln in der Bremer Gastronomie, in Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie beim Indoor-Sport wegfallen.

Bislang mussten Geimpfte und Genesene in diesen Bereichen zusätzlich einen negativen Corona-Test nachweisen. Da ab heute jedoch wieder 2G gilt, entfällt dieser Nachweis fortan. Doch bleibt die Auflage, Hygienekonzepte anzuwenden, weiterhin bestehen. Dies gilt auch für die 2G-Plus-Regel in Bremer Bars. Hier gilt die Corona-Regel weiterhin.

Corona in Bremen: Auch Bremerhaven wechselt von Warnstufe 4 in Warnstufe 3

Auch in Bremerhaven wird, wie in der Stadtgemeinde Bremen, die Warnstufe 3 gemäß der 30. Coronaverordnung gelten.
Die neue Warnstufe 3 tritt ab Mittwoch, 16. Februar 2022 in Kraft. Die entsprechende Bekanntmachung hat das zuständige Bürger- und Ordnungsamt auf Veranlassung von Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) am Dienstag veröffentlicht, wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt.

Für den Oberbürgermeister ist die Festlegung deshalb wichtig, weil damit die 2G-Regel (Geimpft oder Genesen) nun auch für körpernahe Dienstleistungen wie Friseure gilt, ebenso wie für die Gastronomie. „Das ist eine große Erleichterung, die wir hier, so schnell es geht, umsetzen wollen“, so Grantz.

Die verpflichtende Kontaktnachverfolgung ist schon vom Senat in der vergangenen Woche aufgehoben worden. Gleichwohl kann jeder Betrieb, wenn er es für sinnvoll hält, strengere Regeln als die mit der Warnstufe 3 verbundenen im Rahmen des Hausrechts einführen oder fortsetzen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

+++ Transparenzhinweis: Der Text wurde am Dienstag, 15. Februar 2022, gegen 10:05 Uhr aktualisiert. +++

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