Interview: Investor Marco Bremermann über die Innenstadt

„Bremen braucht die Pendler“

Für eine zweistellige Millionensumme entsteht gegenwärtig das „Wallkontor“, früher stand hier das Textilhaus „Harms am Wall“. Der Neubau misst von der Unterkante der Sohle bis zur Oberkante des Daches 38,50 Meter. 28 Meter Neubau sollen ab Oberkante Wall sichtbar sein.
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Für eine zweistellige Millionensumme entsteht gegenwärtig das „Wallkontor“, früher stand hier das Textilhaus „Harms am Wall“. Der Neubau misst von der Unterkante der Sohle bis zur Oberkante des Daches 38,50 Meter. 28 Meter Neubau sollen ab Oberkante Wall sichtbar sein.

Was wird aus der Bremer Innenstadt? Eine gegenwärtig viel und kontrovers diskutierte Frage. Der Unternehmer Marco Bremermann gehört zu jenen, die sich in der City engagieren. Er warnt: Immobilienfonds wandern ab, investieren woanders.

Bremen – Mit dem Unternehmen Müller & Bremermann ist der Investor und Immobilienunternehmer Marco Bremermann in verschiedenen Bremer Quartieren unterwegs – mit dem Hotel „Überfluss“ und dem „Wallkontor“ (Richtfest: voraussichtlich im September) beispielsweise in der Innenstadt. Über Zustand und Zukunft der Bremer City spricht Bremermann im Interview.

Was denken Sie, wenn Sie dieser Tage durch die Bremer Innenstadt gehen?

Es ist eine wunderschöne Stadt, in der wir leben. Sie hat viel Potenzial. Es ist schade, was alles nicht daraus gemacht wird. Und es gibt ein Problem in Sachen Sauberkeit. Die Innenstadt als „gute Stube“, das war einmal. Heute sehen Sie überquellende Mülltonnen, hinzu kommt eine in Teilen offenbar organisierte Bettelei. Bremen müsste diese Problematik erkennen.

Wo sehen Sie das Potenzial der City?

Bremen ist das Oberzentrum dieser Region, die nächste Metropole ist Hamburg. 52 Prozent des innerstädtischen Handelsumsatzes kommt aus dem Umland. Die Frage ist: Wie gehen wir dem einpendelnden Umsatz um? Wir brauchen den niedersächsischen Konsum. Ob der sich auf Park and Ride einlässt und darauf, mit Tüten bepackt Straßenbahn zu fahren, wage ich aber zu bezweifeln. Wer glaubt, die Innenstadt wird allein durch öko-faire Projekte und Kulturangebote gerettet, irrt sich. Das sind Ergänzungen, aber keine tragenden Säulen für den innerstädtischen Umbau.

Es heißt jetzt immer, Einzelhandel allein trägt eine Innenstadt nicht mehr. Sie sehen Potenzial im Handel?

Es wird darauf ankommen, stationären und digitalen Einzelhandel zu verknüpfen. In ein Geschäft können Sie hineingehen, etwas ausprobieren und es gleich mitnehmen, wenn es Ihnen gefällt. Warum nicht online vorbestellen und im Geschäft probieren? Das ist auch deutlich ökologischer als massenhafter Paketversand. Hinzu kommt der Aspekt der sozialen Kompetenz. Durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zahlt der stationäre Handel in die Sozialkasse ein, trägt sie mit. Der Onlinehandel kann das so nicht. Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Bremen ist auf dem Weg zu einer autofreien oder autofreieren Innenstadt. Wie autofrei stellen Sie sich die City vor?

Im Kern der Innenstadt hat keiner etwas dagegen. Aber die Erreichbarkeit der Innenstadt muss erhalten bleiben. Die Obernstraße und die Sögestraße sind Fußgängerzonen, die Knochenhauerstraße bietet sich dafür an. Nimmt man den ruhenden Verkehr aus der Carl-Ronning-Straße heraus, könnte man dort drei oder vier Meter breite Fußwege anlegen – und die Zufahrt zum Parkhaus Mitte erhalten. Das ist ein zentrales, gut frequentiertes Parkhaus. Konsumenten wollen gerne „bis zur Kasse“ vorfahren. Bevor das Parkhaus Mitte abgerissen wird, sollte es Alternativen geben.

Der Investor Marco Bremermann.

Warum halten Sie ein zentrales Parkhaus für so wichtig?

Untersuchungen zufolge bewegt ein Konsument sich im 250-Meter-Radius um ein Parkhaus herum. Bremen verweist gerne auf die Fußgänger- und Fahrradzonen in Städten wie Groningen oder Kopenhagen. Groningen hat aber auch pro 40 Einwohner einen Stellplatz. Kopenhagen hat pro 120 Einwohner einen Stellplatz. In Bremen sind es 170 Bewohner pro Platz, ohne das Parkhaus Mitte wären es 240.

Wie wirkt sich die gegenwärtige Ungewissheit über die Zukunft des Parkhauses Mitte und des Areals drumherum auf die Innenstadtentwicklung aus Ihrer Sicht aus?

Mit dem Galeria-Kaufhof-Gebäude, das der Frankfurter Immobiliengesellschaft DIC Asset gehört, sind Wegerechte verbunden. Warum sollte die DIC ihre Rechte aufgeben, wenn das Parkhaus Mitte abgerissen wird? Das ist ein Gordischer Knoten. Vielleicht wäre es in diesem Sinne einfacher gewesen, wenn Bremen der DIC das Galeria-Kaufhof-Gebäude abgekauft hätte. Dann könnte Bremen wunderbar bestimmen, wohin die Reise gehen soll.

Im Moment gehen viele Beobachter davon aus, dass es noch dauern wird, bis Bewegung in die Sache kommt. Die DIC hat gerade langfristige Verträge mit ihren Mietern abgeschlossen.

Ein guter Zeitpunkt, die Innenstadt neu zu entwickeln, ist leider verstrichen. Vor fünf Jahren herrschte Aufbruchstimmung. Lange wurde darüber gesprochen, wer was, wann und wo machen soll. Dann kam das Thema autofreie Innenstadt. Viele warten nun lieber ab, was am Parkhaus Mitte passiert und mit der autofreien Innenstadt. Inzwischen ziehen sich große Immobilienfonds aus der Bremer Innenstadt zurück. Sie verabschieden sich aus Bremen und investieren woanders, zum Beispiel in Münster und Osnabrück.

Bremen müsste also schneller vorankommen mit seinen Entscheidungen?

So eine Großbaustelle wie am Parkhaus Mitte müssen Sie handeln können. Aber es hat ja schon Jahre gedauert, einen Poller in der Knochenhauerstraße aufzustellen…

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