Höchstwert in Bremen bei neuen Corona-Fällen

Bovenschulte sieht für Bremen keine Lockerungen der Corona-Regeln

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) warnt, dass Kontaktbeschränkungen auch noch über die Weihnachtsfeiertage gelten könnten, sieht aber insgesamt eine Verbesserung der Lage.

  • Bürgermeister Bovenschulte rechnet derzeit nicht mit Aufhebung der Einschränkungen zum Monatsende.
  • Bremen sei weit entfernt vom erklärten Ziel, den kritischen Inzidenz-Wert von 50 zu unterschreiten - Höchstwert bei Neuinfektionen.
  • Wer damit rechne, dass zu Weihnachten vieles wieder möglich ist, könnte enttäuscht werden, sagt Bovenschulte.

Bremen - Es sei in der gegenwärtigen Lage „ziemlich unwahrscheinlich“, dass die bestehenden Einschränkungen Ende November aufgehoben werden, sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte der „Welt“. In der Landtagssitzung der Bremischen Bürgerschaft am Mittwoch sagte er jedoch auch, dass sich die Situation im Land Bremen insgesamt verbessert hat, seit die verschärften Corona-Regeln gelten. Zwischenzeitlich hatte sich das Land Bremen an die Spitze der höchsten Infektionsrate aller Länder geschlichen. Der „Welt“ sagte Bovenschulte weiterhin, dass es im Moment noch „reine Spekulation“ sei, welche Maßnahmen zurückgenommen und welche womöglich zusätzlich beschlossen werden könnten. Als Schutz für Bremerinnen und Bremer ab 65 Jahren waren in der vergangenen Woche kostenlos FFP2-Masken ausgegeben worden, was zu Schlangen vor den Apotheken geführt hatte.

Im Zusammenhang mit der für kommenden Mittwoch angesetzten Ministerpräsidentenkonferenz sprach sich Bovenschulte gegen eine Regionalisierung von Corona-Regeln aus. Angesichts nahezu bundesweit hoher Infektionszahlen seien regional differenzierte Maßnahmen „viel schwieriger zu kommunizieren“. Er sei dagegen für bundeseinheitliche Corona-Regeln, da sie mehr Akzeptanz versprächen. In der Bürgerschaftssitzung erklärte er daher auch, dass es der Schlüssel zur Pandemiebekämpfung ist, die Menschen zu gewinnen. Auch wenn konsequentes Handeln von staatlicher Seite gebraucht werde, komme es auf das Handeln der Menschen an.

Coronavirus: Kontaktbeschränkungen auch über die Feiertage möglich

Bovenschulte sagte, er sehe zwar eine deutliche Verbesserung der Situation, man müsse die aktuellen Zahlen aber immer auch kritisch hinterfragen und mit großer Vorsicht betrachten. Die Werte seien „alles Momentaufnahmen mit statistischen Unschärfen, die immer wieder nach oben gehen können“, sagte der Bürgermeister. Ein stabiler Trend nach unten sei nicht gegeben und Bremen sei weit vom erklärten Ziel entfernt, wieder unter den kritischen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50 „oder gar 35“ zu sinken.

Die Bremische Bürgerschaft debattiert in der Landtagssitzung unter anderem über Corona-Maßnahmen.

Der Bürgermeister sagte zudem in der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch, dass es keinen Anlass gebe, sich entspannt zurückzulehnen oder sich auf Lorbeeren auszuruhen. Im Gespräch mit der „Welt“ mahnte er die Bürger bereits zuvor zur Zurückhaltung bei privaten Feiern und warnte: „Wer darauf setzt, dass bis Weihnachten vieles wieder möglich ist, könnte bitter enttäuscht werden. Vermutlich müssen die privaten Kontakte auch über die Feiertage möglichst eng begrenzt werden.“ Währenddessen bereitet sich die Bremer City auf das Weihnachtsgeschäft vor.

Die Pandemie und die Maßnahmen dagegen standen am Mittwoch im Mittelpunkt einer Aktuellen Stunde der Bremischen Bürgerschaft. Angesichts der weiterhin hohen Zahl an Neuinfektionen fordert die CDU vom rot-grün-roten Senat eine konsequentere Umsetzung der Corona-Maßnahmen. CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp kritisierte das Corona-Managements des Senats und nicht ausreichende Kontrollen zu Maskenpflicht und Abstand scharf. Vor allem in Stadtteilen mit hohen Infektionszahlen müsse mehr kontrolliert werden, forderte Röwekamp. Damit nahm er Bezug auf Zahlen, die das (linke) Gesundheitsressort veröffentlicht hatte. Danach gibt es auffallend hohe Infektionszahlen in Hochhaussiedlungen wie Tenever und in Gröpelingen, in dem viele Migraten leben. Ursache für die hohen Zahlen dort seien nicht etwa kleine Wohnungen, Armut oder Sprache, sondern es liege schlicht daran, dass die Corona-Regeln vielfach nicht eingehalten würden, sagte Röwekamp. So gebe es weiterhin Familienfeiern. Röwekamp forderte für die Schulen mehr digitalen Unterricht und Maskenpflicht nicht erst ab Klasse 7.

Bovenschulte sieht Schulen nicht als Grund für erhöhtes Infektionsgeschehen

Unterdessen sieht der SPD-Politiker Schulen nicht als Treiber des Infektionsgeschehens. In Bremen seien aktuell etwa 275 von insgesamt 84.000 Schülern infiziert. „Die meisten Infektionen finden nach unseren Erkenntnissen nicht auf dem Schulgelände statt, sondern die Schüler stecken sich woanders an“, sagte Bovenschulte. In der Debatte um die geforderte Maskenpflicht sprach sich der Bürgermeister für einen Verzicht in jüngeren Jahrgängen aus. Demnach sollte die Maskenpflicht weiterhin nicht für Grundschüler gelten.

Bremen und Corona: 296 neue Infektionen - Höchstwert

Das Gesundheitsressort meldete am Abend für das Land mit 296 neuen Corona-Fällen einen neuen Höchstwert seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr (davon 261 in der Stadt Bremen, wo der Inzidenzwert auf 181 stieg). Die Zahl der bekannten Infektionen seit Ausbruch der Pandemie stieg im Land Bremen auf 8 753. Aktuell gibt es 2 157 bestätigte Infektionen, davon 1 915 in der Stadt Bremen. Ein weiterer Mensch mit dem Virus ist gestorben, insgesamt nun 103. In Bremer Kliniken liegen 172 Corona-Patienten, davon 36 auf Intensivstationen, 26 davon werden beatmet. 30 der 172 Covid-Patienten in Kliniken des Landes kommen aus dem Umland. gn

Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt / picture alliance / dpa

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