Verkauf auf Eis, Entscheidung vertagt

Borgward: „Rückkehr der Legende“ hängt am seidenen Faden

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Werden zukünftig wieder Autos mit dem Rhombus am Kühlergrill in Bremen produziert? Die Chancen sinken. 

Bremen - Von Jörg Esser. Die chinesische Borgward-Mutter Foton hat offenbar das Interesse an einer Produktionsstätte in Europa verloren. Die „Rückkehr der Legende“ hängt am seidenen Faden.

Der Vertrag für den Kauf eines rund 150.000 Quadratmeter großen Grundstücks im Güterverkehrszentrum (GVZ) jedenfalls ist immer noch nicht unterzeichnet. Noch gibt es eine Resthoffnung. Bis Ende des Jahres ist das Areal für Borgward reserviert. Das jedenfalls geht aus einer Antwort des Wirtschaftsressorts auf eine Berichtsbitte der CDU-Fraktion zur „Ansiedlung von Borgward im Land Bremen“ für die Sitzung der Wirtschaftsdeputation hervor.

Die vermeintliche Rückkehr des Rhombus 55 Jahre nach dem Aus der Automobilproduktion in Sebaldsbrück und in der Neustadt wurde im Oktober 2016 im Rathaus regelrecht zelebriert – mit großem Medienrummel und vielen chinesischen Journalisten. Der damalige Borgward-Chef Ulrich Walker sprach von einem „unglaublich emotionalen Moment“. Christian Borgward, Enkel des Firmengründers Carl  F. W. Borgward, sagte: „Borgward und Bremen haben die einmalige Chance, einen Neuanfang zu starten.“

So weit, so wunderschön. Im April 2017 unterzeichneten die Borgward-Gruppe, inzwischen mit Sitz in Stuttgart und Produktionsstätte in China, und die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) ein „Memorandum of Understanding“ und stellten damit die Weichen für ein Grundstücksgeschäft im Gütervekrhszentrum (GVZ). Im August und September gaben dann die Wirtschaftsdeputation und der Haushalts- und Finanzausschuss der Bürgerschaft grünes Licht für den Deal.

Fertigung von bis zu 50.000 Autos pro Jahr geplant

Borgward wollte bis zum Anfang des Jahres 2018 mit dem Bau einer Produktionsstätte auf dem Grundstück im GVZ starten. In der ersten Baustufe war eine Semi-Knocked-Down (SKD)-Fertigung für bis zu 50.000 Fahrzeuge pro Jahr geplant. Das heißt: Im neuen Werk an der Weser werden keine Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge gebaut. Vielmehr werden halbfertige Fahrzeuge und Teilmodule aus China nach Deutschland geschickt und hier zusammengebaut. Batterie, Elektromotor, Stoßfänger und Scheinwerfer sollen aus deutscher und europäischer Produktion stammen. 100 neue Arbeitsplätze wollte Borgward mit der Ansiedlung zunächst schaffen. Die Pläne reichten sogar bis zur Komplettproduktion, die ab 2025 geplant war. Doch seit August 2017 hat sich nichts getan. „Gegenüber den Planungen sind zeitliche Verzögerungen eingetreten“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Foton hat schon 2017 den Chef ausgewechselt, Borgward in diesem Sommer. Und die chinesische Regierung hat dem Vernehmen nach einen neuen Kurs eingeschlagen und bewertet Auslandsinvestitionen „mit einem restriktiveren und daher komplexeren Genehemigungsprozess“.

Wenn Deutschland, dann Bremen

Borgward-Sprecher Marco Dalan hat jüngst versichert: „Wenn wir uns für eine Produktion in Deutschland entscheiden, wird Bremen der Standort sein.“ Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) hat bei Gesprächen in Peking, wo Foton längst Fahrzeuge baut, keinen neuen Starttermin erfahren. Zumindest haben sich Borgward und Foton das Grundstück im GVZ bis zum Ende des Jahres reservieren lassen. Große Teile des Geländes sind mittlerweile erschlossen worden. „Die Erschließung des Areals war unabhängig von der Borgward-Investition sowieso geplant und genehmigt“, sagt das Wirtschaftsressort. „Insofern sind Bremen bislang keine zusätzlichen Aufwandspositionen entstanden.“

Finanziell gibt es also keine Verluste. Die schöne emotionale Geschichte scheint allerdings wie eine Seifenblase zu zerplatzen.

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