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Das Kapitel „Bistro Brazil“ endet - legendäre „Absturzkneipe“ macht dicht

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Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wer sich an die 80er erinnern kann, ist nicht dabeigewesen, heißt es immer. Geht man von der Kunsthalle in Bremen ein paar Schritte rein ins Viertel, steht man unweigerlich vor dem „Bistro Brazil“. Einem Ort, in dem die 80er intensiv gelebt wurden.

Sei es wie es sei, in Bremen und umzu gibt es zahlreiche Menschen, die sich an so lange wie legendäre Nächte in den 80ern erinnern können. Und diese Nächte spielten oft – sehr oft sogar – im „Bistro Brazil“ am Ostertorsteinweg. Vor und hinter der Theke gab‘s hier Cocktails, Charaktere und manches mehr. Nacht für Nacht hieß es: „open end“. Oft ging‘s tatsächlich bis zum Morgengrauen. Und auch darüber hinaus. Draußen schon hell? Oh. . .

Das 1983 eröffnete Lokal wurde schnell weit über Bremens Grenzen hinaus bekannt. Und „Brazil“-Impresario Jürgen Schierholz, besser bekannt als „Knoxx“, wurde selbst zur Legende – zu einer Legende des Bremer Nachtlebens. Wohl als erster hat er an der Weser Caipirinha gemixt – erst Jahre später wurde der Cocktail zum Mode-Drink.

Bald womöglich Geschichte: Das „Bistro Brazil“.

Künstler wie Österreichs Weltstar Falco waren bei „Knoxx“ am Ostertorsteinweg zu Gast. Überhaupt: Theaterleute und Musiker, Maler und Szene-Nachtschwärmer fühlten sich hier ziemlich wohl. Der holländische Rockstar Herman Brood, 80er-Stars wie „Kajagoogoo“ („Too Shy“), die Band „Ideal“ – alles „Brazil“-Gäste. Für die deutsche „Vogue“ zählte das „Brazil“ in Bremen zu den zehn besten „Absturzkneipen“ der Bundesrepublik. Für alle, die sich das heute nicht mehr vorstellen können: das war als Kompliment gemeint.

Das Viertel verliert einen Fixpunkt

Bald aber ist das alles Geschichte. Das Viertel verliert einen Fixpunkt – kurzum: Das Unvorstellbare geschieht. Das Kapitel „Bistro Brazil“, es endet.

Nach 30 Jahren hatte „Knoxx“ das „Brazil“ 2013 an die Bremer Barkeeper-Legende Shunil Hossain übergeben. Jetzt muss der neue Inhaber aus gesundheitlichen Gründen aufhören, berichtet Schierholz. Versuche, das – falls es so einen Begriff gibt – Traditions-Szenelokal fortzuführen, seien gescheitert, heißt es weiter.

Nun gelte: „Bye-bye, ,Brazil‘!“ Schierholz formuliert es so: „Die letzten Tage soll noch ordentlich gefeiert werden.“ Und wer sich später dran erinnert, ist vielleicht gar nicht dabeigewesen. . .

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