Ideen-Flut auf vier Etagen

Besucheransturm bei den Hochschultagen der HfK

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Einblicke in die Hochschultage der Hochschule für Künste: Foelke Wagner (ganz oben) zeigt Entwürfe aus dem Modeprojekt „Common exit“. Johanna Hannemann mit ihrem Hängesessel aus Makramee (unten links). Ivo Kiefer (unten rechts) zeigt sein Gemälde, das die vierte Dimension behandelt. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Makramee als Möbel: Ein Sessel hängt an der Decke. Auf ihm kann man bequem sitzen und dabei ein wenig schaukeln. Die Sitzfläche ist ein Geflecht mit vielen Mustern zwischen Rundhölzern, die an Seilen hängen. Vier Stockwerke voll mit kreativen Ideen aus den Fächern Inegratives Design, Digitale Medien und Freie Kunst erwiesen sich am Sonnabend bei den Hochschultagen der Hochschule für Künste (HfK) als Publikumsmagnet. In den für Besucher geöffneten Präsentationsräumen herrschte Hochbetrieb.

„Makramee kommt wieder in Mode“, sagt Johanna Hannemann (22), Studentin im Fach Integriertes Design. Hannemann gestaltete den Hängesessel in einem Kursus zu Sitzmöbeln. Vier Wochen hat sie an dem Möbelstück gearbeitet „Jetzt könnte ich so einen Sessel in vier Tagen bauen. Bei einer richtigen Produktion könnte das noch schneller gehen“, sagt sie.

Kunst zum Spielen: der „Heiße Draht“ mit vielen Schikanen und bunter, einfach wirkender Technik, ganz anders als die heute beliebten Videospiele. Beim „Heißen Draht“ muss der Spieler eine Öse einen geschwungenen Draht entlangziehen, möglichst ohne diesen zu berühren. Felix Fisgus (29) und Timo Johannes (25), zwei Studenten im Fach Digitale Medien, haben den „Heißen Draht“ mit kleinen Hebeln versehen, die automatisch immer wieder zuschnappen und den Weg blockieren. Einer der Hebel kann auch mit Schaltern gesteuert werden.

Tuten, rote Warnlichter: Die Öse hat den Draht berührt. Dann sind Drähte im Weg. Die Öse hat dafür eine kleine Lücke. Etwas drehen, dann passt es. Weiter geht es. Stopp! Eine drehende Scheibe erzwingt eine Pause. Warten! Dann erreicht eine Lücke in der Scheibe den Draht. Mit der Drehbewegung geht es weiter. „Da durchzukommen, ohne den Draht zu berühren, ist fast unmöglich“, sagt Fisgus. Die Anzeige kann bis zu 32 Berührungen mitzählen und zeigt dies mit fünf Lämpchen. Die stehen für 1, 2, 4, 8 und 16 Berührungen. Die Summe muss der Betrachter immer wieder selbst errechnen.

Foelke Wagner arbeitet beim Projekt „Common exit“ mit. Ein Kursus zu Mode, alle der etwa 20 Teilnehmer machen bei allen Stücken mit. Alle zusammen ergeben eine Art Mode-Manufaktur. „Wir haben erlebt, wo man durchmuss, um eine Kollektion zu erschaffen“, sagt die 23-Jährige. Ein wichtiges Thema ist der Schutz Meere und Gewässer. Bei der Recherche sammelten die Studenten Fotos, natürlich mit einem künstlerischen Blick. Auf einem Foto ragen zwei Hände aus einem Teich. Das Motiv findet sich auch verfremdet auf einer Bluse.

Auf den Fluren herrscht Hochbetrieb. Junge und ältere Menschen strömen durch die Ateliers und Präsentationsräume. Besucherin Christine Tigges (67) aus Bremen hat sich in ein Werk aus vielen kleinen Bildern vertieft. „Das hat richtig Arbeit gemacht“, sagt sie. „Ich find es spannend zu sehen, wie junge Künstler ihren Weg finden.“

Natürlich gibt es auch für die Freunde der Malerei etwas zu sehen. „Ich sage Euch: Ihr habt noch Chaos in Euch“ heißt ein Gemälde von Ivo Kiefer (32), der Freie Kunst studiert. Ein Zirkuszelt ist zu sehen. Die Pfeiler widersprechen jeder Statik. Die Tiefenebenen sind verschachtelt. Die Flächen brechen den Raum. Kiefer will zeigen, was nicht gezeigt werden kann und wofür es keinen Maßstab gibt: die vierte Dimension. Er ließ sich von mathematischen Schriften und auch vom Roman „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche inspirieren.

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