Energieversorger SWB investiert zehn Millionen Euro

Bremen bekommt Hybridspeicher

Radfahrer und Reiter: Torsten Köhne bleibt bis Ende 2022 SWB-Vorstandschef. - Foto: SWB

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Der Aufsichtsrat der SWB AG hat grünes Licht für ein bundesweit bisher einmaliges Projekt gegeben. Der Energieversorger wird zehn Millionen Euro in ein Hybridregelkraftwerk (Hyrek) investieren. Der neue Hybridspeicher koppelt mit seinem neuartigen Konzept die Sektoren Strom und Wärme. Überschüssige Energie fließt ins Fernwärmenetz. Außerdem hat der Aufsichtsrat den Vertrag von Vorstandschef Dr. Torsten Köhne einstimmig um fünf Jahre bis Ende 2022 verlängert.

Auf den Hybridspeicher mit 230 Megawatt (MW) Wärme und 15 MW Strom freut sich Köhne besonders, wie er am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Ein innovatives Projekt“, so der 53-Jährige. Das Konzept beruht seinen Worten zufolge auf einem von AEG entwickelten Leistungsschalter. Eine Batterie werde praktisch mit einem Warmwasserbehälter gekoppelt, „das Ganze in Kraftwerksgröße“. „Hyrek“ erzeugt Strom, überschüssige Energie fließt ins Fernwärmenetz. Wird der Überschuss nicht gebraucht, kann er im neuen Wärmespeicher, der im Herbst in Betrieb geht, „gebunkert“ werden. Entstehen soll beides am Kraftwerksstandort Hastedt. Etwa parallel zur Inbetriebnahme des Speichers könnte Baubeginn für „Hyrek“ sein. Zunächst, so Köhne, muss das Pilotprojekt noch europaweit ausgeschrieben werden. Mit der Fertigstellung rechnet er 2018. Insgesamt kostet der Hybridspeicher etwa 12,5 Millionen Euro, der Bund wird Mittel dazugeben.

Beschlossen hat der Aufsichtsrat zudem die Beteiligung an einem Start-up, das eine innovative Lichtsteuerung entwickelt hat. Zur Zeit agieren die Holländer, die bereits eine Gracht in Amsterdam mit einer intelligenten Beleuchtung versehen haben, im „Kraftwerk – City Accelerator Bremen“ im alten Postamt 5. Bei diesem Projekt unterstützt die SWB junge Unternehmen. Mit 500.000 Euro will sich der Energieversorger am Start-up beteiligen.

Nächster Punkt: Die SWB will mit ihrem Mammutprojekt Gasumstellung Geld verdienen. Laut Köhne sollen Know-how, Software, Handwerkerleistung, Teillogistik und Faltblatt in einer Tochtergesellschaft gebündelt werden, die dann bundesweit ihre Arbeit anbietet.

2,5 Millionen Euro investiert der Energieversorger in den Teilneubau der Ausbildungswerkstatt Technik, die aus Woltmershausen in die Vahr zur SWB-Tochter Erzeuger zieht. Im Laufe des Jahres soll das Gebäude fertig sein.

Zurück zum Vorstandschef, der sicherlich auch im SWB-Mutterkonzern, der EWE in Oldenburg, gern gesehen worden wäre. Dort hat man zur Zeit ein massives Personalproblem auf der Führungsebene. Einstimmig hat der Aufsichtsrat Köhnes Vertrag, der Ende 2017 ausläuft, um fünf Jahre verlängert. Und der 53-Jährige bleibt nur zu gern, betont er. Warum? „Ganz einfach: Es macht mir echt Spaß. Ich hänge an der SWB, habe hier einen Großteil meines Berufslebens verbracht“, sagt er. Die Aufgabe sei „sehr spannend“, gerade jetzt bei der Transformation beim Thema Energie. Kraftwerke biete beispielsweise nicht jedes Unternehmen. „Wir haben ein konzentriertes, städtisches Unternehmen, das liegt mir. Es ist geradezu Manager-Luxus, morgens mit meinem Hollandrad 4,5 Kilometer durch den Bürgerpark zur Arbeit zu fahren“, erzählt er schmunzelnd. Seine Familie sei in Bremen „gut verdrahtet“. Köhne: „Wir fühlen uns in Bremen wohl, warum soll ich woanders hingehen?“

Geboren in Bremerhaven, wuchs der Vater einer Tochter in Osnabrück auf, studierte hier. Seit 1989 lebt er in Bremen. 1997 kam der passionierte Reiter zur SWB, seit 2005 sitzt er im Vorstand, seit 2013 ist er Vorstandschef. Zum Vorstand gehören zudem Frank Priewe und Timo Poppe. Letzterer ist beim Mutterkonzern EWE im Gespräch.

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