Knobeln für die Industrie

Beim „Hackathon“ tüfteln 100 Computer-Freaks

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Tüfteln ausdrücklich erwünscht: Blick in den „Workspace“ beim ersten Bremer „Hackathon“. Im „Kraftwerk“ im früheren Postamt 5 kamen dazu etwa 100 Teilnehmer zusammen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Freaks treffen auf die Industrie.“ Das war – kurz gefasst – das Motto, sagt Christoph Ranze, Geschäftsführer des Bremer Softwareunternehmens Encoway. Das Motto beim ersten Bremer „Hackathon“, den Encoway im „Kraftwerk“ im früheren Postamt 5 auf die Beine gestellt hat. Als Partner waren Unternehmen wie Airbus dabei. Mit Hackfleisch hatte das nichts zu tun, sondern mit Computern, Mathematik und IT. Ein „Hackathon“ ist ein Hacker-Marathon.

Das darf man wörtlich nehmen. Drei Tage lang trafen sich die Computer-Freaks – von Freitag bis Sonntag. 45 Stunden lang haben 14 Teams intensiv an Problemen und vor allem: an Problemlösungen gearbeitet. Schlaf? Ja, gab es auch – zum Beispiel in der abgetrennten „Chill-Out-Zone“. Manche hatten ihre Schlafsäcke gleich mitgebracht. Vor allem aber wurde getüftelt, besprochen, probiert, verworfen, neu probiert. „Cool“ sei das gewesen, so eine Teilnehmerin.

Eine Jury verteilte am Ende 5.000 Euro Preisgelder für die vernetzten Produkte, Apps und Services der Teilnehmer. „Vorwiegend junge Softwareentwickler, Ingenieure und Kreative“ waren dabei, sagt Ranze – 100 insgesamt. 

Bei dem „Entwickler-Marathon“ ging es um Ideen zu Themenfeldern wie Industrie 4.0 und Mobile Computing. Programmierer, Designer, Studenten tüftelten an Lösungen zur (weiteren) Digitalisierung von Abläufen in Industrie und Alltag. Essen am Laptop, schnell noch eine Cola oder ein Wasser, vielleicht auch ein Stück frisches Obst – und dann ging‘s am Sonntagnachmittag los zu den „Pitches“, zur Präsentation der Ergebnisse.

Smartwatches als Sensoren für Problemlösungen

Übernächtigte Gesichter guckten da aus so manchem „Hackathon“-Hoody, übernächtigt – aber auch zufrieden nach einem durchaus intensiven Gemeinschaftserlebnis. „Wie ein Knobelabend“ sei das, so Ranze. Aber eben mit viel Technologie. „Junge Leute haben Bock auf Technik.“ Dafür haben die Organisatoren ihnen auch Material zur Verfügung gestellt – wobei es nicht immer reichte. „Wir mussten Smartwatches nachkaufen, denn es stellte sich heraus: viele Teilnehmer wollten sie als Sensoren für Problemlösungen nutzen.“

Team 1 von Tisch 1 ist beim „Pitch“ zuerst an der Reihe. Teilnehmerin Daniella Domokos stellt „Safeplace“ vor: „Information bedeutet Sicherheit.“ So unterschiedliche Prozesse wie beispielsweise Fließbandarbeit, die Arbeit einer Bäckereikette und Flugzeugabfertigung hätten unter anderem „Zeitdruck durch Fristen“ gemeinsam. Maschinen lieferten Informationen zur Prozessoptimierung. „Safeplace“ wolle den Informationsfluss durch eine veränderte Kommunikation zentralisieren – Motto: „Sprache statt Text“. Die Informationen würden direkt über Sprachbefehle verbreitet.

Waage erkennt Kaffeemangel

Team 2 stellt mit „Justin Time“ ein „intelligenten, gewichtsbasiertes Bestellsystem“ vor. Eine per W-Lan an die Cloud gekoppelte Waage erkennt am Gewicht, wenn gelagerte Produkte – Beispiel hier: Kaffee im Büroschrank – zur Neige gehen und nachbestellt werden müssen. Das System schickt dann eine Nachricht an seine Nutzer – oder bestellt gleich selbst nach. Natürlich beim günstigsten Anbieter und genau rechtzeitig – „just in time“, wie der Name schon sagt.

Und so weiter, und so fort. Warum organisiert ein Softwareunternehmen einen „Hackathon“? Zum Beispiel als Standortwerbung. Ranze formuliert es so: „Hintergrund ist meine Überzeugung, dass der Standort Bremen über hervorragende Fachkräfte verfügt, die es hier in der Stadt zu halten und zu entwickeln gilt.“ Und nach dem Erfolg der Bremer „Hackathon“-Premiere stehe schon mal fest: „Das machen wir im Herbst wieder.“

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