Wer kennt die Namen?

Bremen von A bis Z: B wie Bäckereien

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Na, wie heißt Du? Bei vielen Broten und Brötchen ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten.

Es ist Tag für Tag das gleiche Bild – lange Schlangen beim Bäcker. Und das zu einer Tageszeit, an der eigentlich kein Mensch Zeit dazu hat, untätig irgendwo herumzustehen. Warum machen die Leute es trotzdem?

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Weil sie Hunger haben, klar. Und weil unsere Welt so unübersichtlich und kompliziert geworden ist. Das wiederum liegt an den Namen der Produkte, die in Bäckereien angeboten werden. Die Bremer lieben diese Produkte, die früher einfach „Brot“ und „Brötchen“ hießen. So einfach ist das heutzutage aber nicht mehr. Jedes Brot und jedes Brötchen – um nicht zu sagen: jeder Krümel – hat einen Namen. Und der variiert von Bäckerei zu Bäckerei. Was die Bestellungen, nun ja, umständlich und schwierig macht. Und das kann dann dauern, daher die Schlangen. 

Dabei geben die Bäckereien sich so viel Mühe bei der Namensfindung! Je weniger Informationen der Name preisgibt, desto besser, das scheint das Motto zu sein. Und schon heißt das eine Brot „Alexander“, das nächste „Frühlingsbrot“ und das übernächste. . . ach, wie war gleich der Name? Irgendwas mit Bergen? Egal, kann ein Flachlandbewohner sich eh nicht merken. Nun mag es noch angehen, ein Mohnbrötchen – sagen wir mal – „Moni“ zu nennen, da gäbe es wenigstens klanglich eine Verbindung. Aber ein Baguettebrötchen namens „Oskar“? Was sagt uns das? Vielen Menschen sagt es nichts. Frei nach Schiller: „Wer zählt die Brote, nennt die Namen?“ 

Manche Kunden, nach langem Schlangestehen glücklich zum Tresen vorgerückt, versuchen ihr Glück auf diese Tour: „Ich möchte drei von diesen Brötchen hier und zwei von denen da hinten.“ Dazu irren Finger zeigend durch die Luft. Die in den Körben herumsuchende Verkäuferin kann damit aber nichts anfangen. Sie ist mit allen Brötchen per Du, kennt alle Brote mit Namen und ist auf klare Angaben angewiesen. 

In Borgfeld versuchte es eine kühne Kundin neulich mit einem Trick, sprich: mit einem geradezu unglaublichen Satz. „Ich hätte gern drei normale Brötchen“, sprach sie siegesgewiss. Doch die Frau wurde ausgekontert. Die Bäckereifachverkäuferin auf der anderen Seite des Tresens quittierte den „Drei-normale-Brötchen“-Wunsch der Kundin auf ihre Weise, nämlich mit einer Gegenfrage: „Runde, längliche oder eckige?“

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