„Berufsparcours“ soll Schüler fit für die Zukunft machen

Bremer Projekt: Anpacken statt Algebra

Zwei Männer an einem Handwerkstisch.
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Zuschauen, anpacken, lernen: Nach diesem Prinzip ist der Bremer Berufsparcours aufgebaut, bei dem die Firma Isoliertechnik Kaefer mitmacht.

Es ist ein Pilotprojekt: An der Oberschule am Waller Ring ist ein Berufsparcours aufgebaut worden. So soll Schülern die berufliche Orientierung erleichtert werden.

Bremen – Mörtel klatscht auf einen Ziegelstein, ein leichtes Klopfen hier, ein wenig Druck dort. Flucht beachten, überschüssigen Zement abziehen – und schon sitzt der Stein punktgenau. Dies ist keine Erzählung von einer den unzähligen Baustellen Bremens, sondern einer Station des Berufsparcours an der Oberschule am Waller Ring. Dort steht am Donnerstag ein bislang einmaliges Pilotprojekt auf dem Stundenplan, mit dessen Hilfe Schülern und Schülerinnen die berufliche Orientierung leichter gemacht werden soll.

Anpacken statt abstrakter Beschreibungen aus der Broschüre. Der Pausenton erklingt, doch wirklich realisieren viele der 100 Schüler diesen gar nicht. Sie sind vertieft in ihre Aufgaben, bekommen Anweisungen, grübeln nach Lösungen. An verschiedenen Stationen – insgesamt machen beim Berufsparcours zwölf Firmen mit – gilt es, kleine wie größere Aufgaben zu durchdenken. Wie entlade ich zum Beispiel einen Container möglichst effizient und kostengünstig, wie entferne ich Zahnstein oder isoliere ein Kupferrohr fachgerecht?

Die Bandbreite der einzelnen Aufträge ist groß – so wie die beruflichen Vorlieben der Schüler der neunten und zehnten Klasse auch. Häufig – und gerade jetzt durch die andauernde Corona-Pandemie – ist guter Rat teuer, und vor allem: rar. Kaum Praktika, nahezu keine Orientierungswochen. Und wenn, dann fanden und finden diese online statt. Das Ausloten von Stärken und Schwächen war so lange beinahe unmöglich.

325 Ausbildungsberufe

Dass so ein Berufsparcours Sinn ergibt, zeigen allein die Zahlen, sagt Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven. 325 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. „Ein Dschungel an Angeboten“, und der Parcours biete den „optimalen Lotsen“, so Ossmann. Rund 1 400 Azubi-Stellen in 180 Berufen sind zur Zeit im Land Bremen unbesetzt, auch diese Entwicklung gelte es zu stoppen. Insbesondere mit Blick auf Frauen im technischen Bereich befinde sich Deutschland noch „in der Steinzeit“, heißt es von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) vor Beginn der Veranstaltung. Mit dem Projekt sollen Schüler von Vorbildern lernen, nicht von abstrakten Beschreibungen.

„Wie beim Lego“, heißt es von einer Schülerin an der Station vom Bauunternehmen Kathmann, als ihr die ersten Handgriffe erklärt werden.

Pro Gruppe mit jeweils zehn Schülern geht es von Station zu Station. Insgesamt 15 stehen bereit. Logistik- und Bauunternehmen sind vor Ort, eine Apotheke, die Zahnärztekammer, Firmen mit Schwerpunkt Mediengestaltung und Fachleute für Isolierungstechnik. Zehn Minuten bekommen die Teams jeweils, um kleinere Aufgaben zu lösen.

Bremer Projekt soll Schule machen

Dann wird bewertet. Mit Schulnoten beurteilen die Jugendlichen das, was sie getan haben. Hat es ihnen Spaß gemacht? Sehe ich hier meine berufliche Zukunft? All das wird im Nachhinein geklärt – und im besten Fall werden die Kontaktdaten zwischen Schülern und Unternehmen ausgetauscht. Die Hürde für ein Praktikum sei so wesentlich geringer, weil eben das erste Eis gebrochen sei, sagt Schulleiterin Renate Riebeling, die hofft, der Besuch werde die Jugendlichen „zusätzlich motivieren, Bewerbungen zu schreiben und selbst initiativ zu werden“.

Ob das Projekt auch zukünftig an anderen Schulen und regelmäßig durchgeführt wird, sei aktuell noch offen, sagt Senatorin Vogt. Geht es nach ihr, soll das Projekt sprichwörtlich Schule machen.

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