Nach dem Corona-Shutdown

Schwieriger Start für die Bremer Gastronomie: Alle zieht’s nach draußen

Bremens Bummemeile Schlachte – hier ist bei schönem Wetter immer viel los. Für die Gastronomie ist der Neustart nach dem Corono-Lockdown dennoch ein schwieriger Weg mit weiteren Einbußen.
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Bremens Bummemeile Schlachte – hier ist bei schönem Wetter immer viel los. Für die Gastronomie ist der Neustart nach dem Corono-Lockdown dennoch ein schwieriger Weg mit weiteren Einbußen.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Trommeln dröhnen aus dem Kulturzentrum Schlachthof. Die Schlachthofkneipe, auch Restaurant, hat bei herrlichem Wetter nur den Biergarten geöffnet. Der füllt sich und so sitzen an diesem Tag nach 18 Uhr bald etwa 20 Gäste meist zu zweit an den Tischen. Wie kommt die Gastronomie in Zeiten nach dem Corona-Shutdown klar? Wir haben uns umgesehen.

Der Mitbetreiber der Schlachthofkneipe, Oliver Trey, erzählt, dass normalerweise an so einem schönen Tag 200 Gäste da wären, bei einem Public Viewing – das in weiter Ferne liegt – bis zu 1 000. Dann, also bei 1 000 Menschen, würden hier 24 Servicekräfte arbeiten. An diesem Abend sind es zwei, zu normalen Zeiten wären es sieben. Trey ist auch Mitbetreiber des Restaurants „Little Butcher“ und des Cafés „Ihretwegen“ mit angeschlossener Konditorei. Nur die Schlachthofkneipe und das „Little Butcher“ öffnen, die Zeiten sind reduziert.

Das Team von 16 Angestellten arbeite den halben Monat. Kurzarbeit helfe in dieser Zeit. Der große Teil der Minijobber habe sich nicht halten lassen, sagt der Wirt. Trey schätzt, dass er aktuell 30 bis 40 Prozent seines normalen Umsatzes macht – und damit Verlust. „Bei uns ist es noch okay. Wir hatten ein gutes vergangenes Jahr“, sagt er. Andere würden nicht mehr lange durchhalten, vermutet er. Trey erwartet Verbesserungen durch die Lockerung. „Zu uns kommen viele Stammtische, die auch gerne mal ein sechstes oder siebtes Bier trinken“, sagt er.

Am Freitagmorgen freut er sich über drei Reservierungen à acht Personen für den Abend. Seit Freitag dürfen in Bremen Gruppen mit bis zu zehn Personen aus mehr als zwei Haushalten zusammenkommen, ein Lichtblick für die coronageplagte Gastronomie.

Corona-Lockerung macht Hoffnung in Bremen

Roland Koch, Betreiber einer ganzen Reihe von Gastronomien in und über Bremen hinaus, darunter das „Paulaner’s“ und das „Luv“ an der Schlachte, setzt Hoffnungen auf die Lockerung. „Wir haben sehr viele Gruppenanfragen“, sagt er. Bei gutem Wetter sei die Schlachte um 18 Uhr voll, und Gäste müssen mitunter auf einen Platz warten. Alle wollten draußen sitzen. Zur Zeit mache er verglichen mit dem Vorjahr nur etwa 60 Prozent des Umsatzes.

Alle Mitarbeiter arbeiteten wieder, wenn auch mit reduzierter Stundenzahl. „Wir füllen das auf, so dass die Mitarbeiter auf ihr volles Gehalt kommen“, sagt Koch. Jetzt käme die Rückzahlung der gestundeten Mieten auf ihn zu. Nach Konzepten der Bundesregierung gebe es für die Ratenzahlung zwei Jahre Zeit. „Wir würden das gerne ab 2021 in 18 Raten bezahlen. Das können nicht alle Vermieter so machen“, sagt Koch. Einige wollten ihre Mieten verzinst haben. Andere hätten Mieten erlassen. Er profitiere nach aktuellem Stand nicht von den geplanten Überbrückungshilfen, der Übernahme der Fixkosten bis hin zu 80 Prozent. „Dafür muss man über 50 Prozent Umsatzrückgang haben“, erklärt Koch. Vorsichtig optimistisch hofft er dennoch, im nächsten Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Kurzarbeit ist in Bremen weit verbreitet

Nathalie Rübsteck, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Bremen, kritisiert die geplante Regelung bei den Überbrückungshilfen: „Es kann doch nicht Anreiz sein, möglichst wenig Umsatz zu machen.“ Aktuell erwirtschafteten nur wenige Gastronomie-Betriebe ihre Kosten. Kurzarbeit sei noch weit verbreitet.

Sie freut sich über die Lockerung ab Freitag, kritisiert aber das Thekenverbot. Dass man nicht an der Theke sitzen dürfe, wenn der Mindestabstand eingehalten werde, sei „vollkommen unverständlich“. „Das gibt es sonst nirgendwo“, sagt sie. Man könne auch Schutzvorrichtungen anbringen. Sie lobt aber, dass die Gastronomie in Bremen Außenflächen erweitern dürfe.

Hotelbranche: Mühseliges Geschäft

Mühselig ist auch das Geschäft in der Hotelbranche. Schon vor der Corona-Krise sei der Markt in Bremen eher gesättigt gewesen, sagt Rübsteck. An der Küste sei wieder viel los, im norddeutschen Binnenland sehe es aber schlecht aus. Das bestätigen die auch an der Küste vertretenen Atlantic-Hotels, die in Bremen 390 Menschen beschäftigen. „Wir hoffen, dass der Trend von der Küste in die Städte schwappt“, sagt Ulrich Ponty, Leiter Vertrieb und Marketing der Atlantic-Gruppe. Das Atlantic Grand Hotel und der Standort in Vegesack hatten während der Pandemie durchgehend auf.

Wieder geöffnet ist das Atlantic-Hotel Airport anders als die Atlantik-Hotels Galopprennbahn und Universum. Langsam ziehe das Übernachtungsgeschäft an, sagt Sprecher Holger Römer und ist durchaus optimistisch, dass es zu Nachholeffekten kommt.

Die Atlantic-Hotels haben mit einem eigenen Hygienekonzept auf Corona reagiert. Darunter Ausgabestellen für das Frühstück und Bedienung am Tisch anstelle eines Büfetts. In den Hotels befänden sich Abstandsmarkierungen und viele Desinfektionsmittelspender. Die Gäste machten gut mit, so Ponty.

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