Alarmsignale der BSAG

Sparen bis zum Stillstand

Ein Kommentar von Thomas Kuzaj. Bislang konnte man zu bestimmten Zeiten froh sein, einen Sitzplatz in der Straßenbahn zu bekommen. Bald wird man vielleicht froh sein dürfen, wenn überhaupt noch eine Bahn kommt. Der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) wird kaputtgespart.

Aufgebraucht, abgenutzt, verschlissen – nur mit Einschränkungen im Fahrplan kann die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) den Betrieb noch aufrechterhalten. Pünktlich zum Fahrplanwechsel, vor allem aber pünktlich zu den anstehenden Beratungen über den neuen Haushalt – und sicher mit Blick darauf – sendet die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mit dieser Entscheidung ein Alarmsignal.

Die Einschnitte sind ein weiteres Zeichen für die Armut Bremens. Und sie sind ein Beispiel dafür, wie Probleme in die Zukunft verlagert werden. Im Bann des auch damals schon allgegenwärtigen Sparzwangs entschied Bremen in den 90er Jahren, nur 78 Niederflurbahnen anzuschaffen. Die BSAG wollte etwas mehr als 100 Fahrzeuge bestellen. Mit mehr Bahnen wäre der Verschleiß der einzelnen Züge geringer ausgefallen. Die höheren Anschaffungskosten hätten sich auf Sicht also womöglich gerechnet.

Doch damals wurde eben gespart. Und heute fährt die BSAG „ohne Reserve“, wie ihr Sprecher Jens-Christian Meyer gestern sagte. Das auszugleichen, wird teuer. Den Entscheidungsträgern in den 90er Jahren war das egal. Für den Augenblick hatten sie ja die Kosten reduziert. Sparen bis zum Stillstand...

Die BSAG „hofft“ nun auf die Haushaltsberatungen, sagte Meyer. Im rot-grünen Koalitionsvertrag stehen 67 neue Bahnen, für die das Geld ja erst noch bewilligt werden muss. Weitere zehn Bahnen sollen repariert werden. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) spielte aber gestern schon mal auf Zeit. Es sei zu prüfen, ob nicht noch mehr Fahrzeuge repariert werden können, sagte sie. Wird da wieder nur an den Augenblick gedacht? Sicher – der Spardruck ist nicht geringer geworden. Aber der ÖPNV, in rot-grünen Sonntagsreden oft beschworen, muss funktionieren. Gerade, weil er für alle Menschen in der Stadt da ist.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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