Verkehr: Kritik an den Plänen des Ressorts

Bremen: Ärger über grüne Spielwiese Martinistraße

Die Martinistraße, eine von Bremens Hauptverkehrsachsen, wird im Laufe der nächsten Woche zur grünen Spielwiese mit Stadtgarten, Rollrasen, Türmen und Surfwelle. Dafür bleibt die Straße im Bereich Pieperstraße komplett gesperrt.
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Die Martinistraße, eine von Bremens Hauptverkehrsachsen, wird im Laufe der nächsten Woche zur grünen Spielwiese mit Stadtgarten, Rollrasen, Türmen und Surfwelle. Dafür bleibt die Straße im Bereich Pieperstraße komplett gesperrt.

Eine von Bremens Hauptverkehrsstraßen, die vierspurige Martinistraße in der Innenstadt, soll in Kürze zur grünen Spielwiese werden. Das gefällt nicht jedem.

Bremen – Da droht Ärger! Gleich drei Verbände und Initiativen sind alles andere als „amused“ von den Anti-Auto-Projekten in der City. Ob dies das grüne Bau- und Mobilitätsressort von seinen Plänen abhalten kann, ist allerdings unwahrscheinlich. „Großes Unverständnis“ zeigen jedenfalls Handelskammer, City-Initiative und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Bremen (Dehoga) für die Pläne. Insbesondere geht es um die Martinistraße, die in Kürze zur grünen Spielwiese werden soll, und den Umbau des Walls.

Im Falle der Martinistraße sei kurzfristig ein abgeänderter Zeitplan auf den Tisch gelegt worden, ohne dass dieser mit den betroffenen Anliegern und den Institutionen der Innenstadtwirtschaft diskutiert worden sei, schimpft das Trio. Wie berichtet, wird die Hauptverkehrsstraße und wichtige Zufahrt zur Innenstadt und zum Parkhaus, über Monate zum Experiment, zur Spielstraße mit grünem Rollrasen, Stadtgarten, Surfern, Türmen und Konzerten. Die für den Autoverkehr wichtige vierspurige Verkehrsachse wird zweispurig zurückgebaut, zeitweise komplett gesperrt oder zur Einbahnstraße.

Nutzer des Parkhauses Langenstraße wurden vorab informiert, dass die Garage künftig zeitweise nur von der Tiefer/Wilhelm-Kaisen-Brücke zu erreichen ist, nicht aber aus Richtung Bürgermeister-Smidt-Straße (Brill). „Leider haben wir keinen Einfluss auf die Art und den Umfang der Sperrung“, schreibt die Parkhaus-Gesellschaft Brepark. Der Verkehrsversuch dauert laut Bauressort vom 24. Juli bis 18. April 2022. Bereits ab 22. Juli ist etwa an der Pieperstraße dicht.

Bremen: Wall wird zur Fahrradstraße

Handelskammer, City-Initiative und Dehoga befürchten „erhebliche Verkehrsprobleme“ und eine schwere Schädigung des ohnehin massiv Corona-geplagten City-Einzelhandels. „Entgegen der Zusicherung, die Martinistraße im wichtigen Weihnachtsgeschäft zumindest mit einer Fahrspur je Richtung befahrbar zu halten, soll jetzt von September bis Ende November 2021 eine Einbahnstraßenregelung erprobt werden“, heißt es in der Reaktion. Die Details seien für Bürger nur schwer zu überblicken, es werde zu „massiven Verdrängungsverkehren in andere Stadtteile“, wie zum Beispiel der Neustadt, kommen. Richtig sauer sind die Verbände, weil es im Dezember zu einer viertägigen Vollsperrung für ein Beleuchtungsevent kommen soll, „an einem der wichtigsten Wochenenden für das Weihnachtsgeschäft“. „Das ist nicht hinnehmbar“, heißt es. All dies werde aus dem zur Linderung der Corona-Folgen gedachten Bremen-Fonds finanziert. Dazu sei eigentlich eine enge Abstimmung mit den Betroffenen, also auch den Verbänden, „selbstverständlich“. Dass das Ressort 1,3 Millionen Euro für (zunächst) befristete Verkehrsversuche ausgebe, stößt dem Trio sauer auf. Angesichts knapper Finanzen sei das „völlig unangemessen“.

Das Fass endgültig zum Überlaufen bringt die ab Ende August geplante Fahrradstraße am Wall mit Einrichtungsverkehr, also Einbahnstraße. „Für beide Vorhaben des Verkehrsressorts stehen keine Mobilitätsalternativen zur Innenstadterreichbarkeit zur Verfügung“, heißt es. Ein attraktiverer ÖPNV und mehr Stellplätze an den Rändern der Innenstadt hätten bislang als Grundbedingung für das Gelingen einer autoärmeren Innenstadt gegolten. Das fehle nach wie vor. Das grüne Ressort missachte zudem den Willen der Anlieger.

Martinistraße in Bremen: Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

Mit dem Projekt „Transformartini“ will das grüne Bauressort die Menschen näher an die Weser bringen, den Autoverkehr zurückdrängen, Fußgängern und Radfahrern mehr Raum geben. Das Reallabor auf der 800 Meter langen Martinistraße in Bremens Stadtmitte dauert vom 24. Juli 18. April 2022 – Verlängerung möglich. Zum Auftakt wird der Bereich an der Pieperstraße zwischen dem 22. Juli und 10. August komplett gesperrt. Es entsteht ein Stadtgarten mit Rollrasen, Strand, Liegestühlen und Bremens erster Surfwelle. Das Parkhaus Langenstraße kann dann nur aus Richtung Tiefer angefahren werden. Vom 11. August bis zum 5. September soll es in jede Richtung wieder eine Fahrspur für den motorisierten Verkehr geben. Die Radfahrer bekommen eine Spur auf der Straße, Fußgänger noch mehr Platz auf dem ohnehin breiten, meist leeren Bürgersteig. Einbahnstraße heißt es in einem Teilbereich vom 6. September bis 21. November, vom 22. November bis 18. April wieder Zweirichtungsverkehr.

Als „Herzstück“ des Erlebnisraums Martinistraße nennt das Bauressort mehrere Türme neben und auf der Straße. Sie sind begehbar, dienen als Aussichtsplattform, Naturraum, Konzertbühne und mehr. Geplant sind Theater, Lesungen, Filmabende und Konzerte. Im Dezember verbindet das „Martini-Leuchten“ den „Schlachte-Zauber“ mit dem Weihnachtsmarkt.

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